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Ben Chananja · 1861-05-24 · 21 (24.5.1861) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
21 (24.5.1861)
Date
1861-05-24
Page
Seite 188 (sequence 6)
Language
German
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188 Die Beschauliche» aber, deren Schmuck der Held unseres Buches ist, haben religiösen Ideen den Weg ans der Welt diktirt. Dies und die andere sind Nebenbuhlerinen*); sie haben die andere Welt vorgezogen; sie sagten zn dieser Welt: ״weder deinen Honig, noch dcincn Stich"''). Die alten Filosofen der Griechen und Römer haben die Natur als Maaß für den Menschen genommen, der später» AnSschweifung gegenüber ״also gebicts die Natur" ist eine inhaltsreiche Zeile Juvenals:"); ״Niemals, sagt die Natur, niemals die Natur was anderes׳״) ist eine andere Zeile nach griechischen Filosofen gemodelt und wol der Beachtung werth. Die Nichtigkeit dieser Ansicht ist nicht zu bezweifeln. Die Erbaulichen und Beschaulichen betrachten die Natur als eine Fessel"). Die Natur selbst ist das Kind Gottes; sie hält allerdings den Menschen, wie alles Andere in den Banden ihrer Gesetze, derselbe kann sich ihrer nicht entziehen. Der geistige Mensch aber — dies ist ihre Ansicht — muß sich in Gott verlieren, er hat mit der Natur selbst nicht viel zu thun. Wenn eene silosofische arab- Sekte den Todestag ״den Tag der Bereinigung" nennt"), so steht dies damit in Verbindung, daß der Kirchhof der Sufis in Bagdad ״der Rosengarten"'") hieß, darf hier auch erwähnt werden. Alles dies drückt ihnen und ihren literarischen Erzeugnissen einen rigcrithümlichen Stempel auf, dieser Stempel der edlen, geistreichen Beschaulichkeit ist cS, welcher auch unscrm Buche aufgcdrückt ist, und welcher cS so interessant macht. Es ist moralisch ohne ״ismus“ und ״nsmiis“ Es ist keine bcstimmte silosofische Formel an die Stirne gesetzt. ES ist kein systematisch geordnetes Handbuch der Moral im heutigen Sinne, es ist die Moral selbst, ohne durch besondere Kunstwörter einen fremdartigen Anstrich zu erhalten"). Es nähert sich dem Erbaulichen (asketisch) im edelsten Sinne des Wortes. Predigt — deren Zweck doch auch das Erbauliche ist — wurde oft als synonim mit Langweile gehalten und cS ist noch so von vielen betrachtet. Die orientaltschen Asccten haben die Kunst verstanden, erbaulich und interessant zugleich zu sein, eine Kunst, welche nur wenig moderne Prediger verstanden haben. Es hat eine Zeit gegeben; wo man solche Bücher wie das Ben hamclech sehr gering anschlug, wenn nicht gar um eine Fräse unseres Buches selbst zu benutzen") ״verachtet waren Gottes Buch in dem Hause eines Atheisten". Hätten Bücher, wie daö unserige, früher häufiger unter Juden rirkulirt, so hätten sie wol den crasscn Werken, die mit allerlei Auswüchsen versehen sind, den Weg versperren können. Zm Allgemeinen stehet das hier besprochene Werk mit dem הובלת הלבבות und מאזני צדק i!1 Verbindung"). Ein Geist hat sie sämmtlich dictirt. Es ist der Geist der practischen Religiosität. Unser Werk ist praktischer und daher auch populärer als die 2 genannten. Der Filososen-Mantel unseres Snsi ist — nach arabischer Weise — mit den Sternen geistreicher Sentenzen besäet. Es ist dieses nicht der kleinste Schmuck unseres Buches. Manche derselben begegnen uns auch anderwärts, so z. B. der folgende von Al Hassan al Basri"): .,3ch sah nie eine Gewißheit, die nicht den geringsten:Zweifel znläßt, welche mehr einem Zweifel gleicht, der nicht die geringste Gewißheit hat, als den Tod". Biele andere Sprüche sind uns ans dem Mibahar peninim bekannt. ES waren von jeher die kürzesten Sprüche, welche sich der längsten Eristcuz zu erfreuen hatten'"). ES ist hier nicht unsere Absicht, Sprüche aus diesem Buche anszuheben; die große Zahl der vortrefflichen Sprüche würde die Wahl sehr erschweren; der Raum, welcher uns für die Anzeige gegönnt ist, würde dieses auch nicht erlauben. Folgende aber auSzuhcben, dürfte uns erglaubt sein, indem besondere Gründe dazu vorhanden sind. ראשית האף שבעדן וסופה נחמת ..der Anfang des Zorne« ist Wahnsinn, daö Ende desselben, ist Reue"'") Eap. 29. die Worte תנועת השכל יקרר. ונכבדת מתנועת ״ הטבעBewegung des Verstandes ist edler und ehrwürdiger als die Bewegung der Natur"'׳)- Es ist hier die Rede von der Liebe der Kinder zu ihren Eltern. Es ist der Sinn dieses Satzes, daß die Liebe der Eltern zu ihren Kindcrn nur von der Natur dictirt ist, während die Liebe der Kinder zn Eltern von der Natur sowol als von dem Verstände zugleich dictirt ist,- und daher höher anzuschlagen ist. Interessante Parabeln sind ebenfalls allenthalben ringeflochten. Die Parabel der 3 Freunde (Eap. 11.) ist eine der interessantesten. Sie wird wahr bleiben für immer und wird erst mit der Menschheit selbst auSsterben. Eine Schiffsladung voll Predigten wiegt diese einzige einfache Parabel nicht aus. Manche dieser Erzählungen haben früchzcitig ihren Weg in europäische Sammlungen gefunden, so z. B. lesen wir in einer alten französischen Sammlung'") von dem kleinen Vögelchen. Es werden auch aus unserm Buche hie und da Stellen anonyniangeführt. So von Men ach em Mciri"), von Bcchai Ascher"). Eine Erzählung ist amplificirt von Zsak Onkeneira") So oft, wie das מבחר wird selten ein Buch zitirt'"). Das Gedicht דבר חכמה וסודותיו (Eap. 15.) ist anonym in einer Berliner Handschrift'׳'). Zwischen dem Tachkemnni des Alcharisinnd dem Ben hamelech ist eigentlich gar kein innerer Zusammenhang. Zwar enthält das erst genannte Buch ebenfalls manches im Geiste des nnscrigen z. B. (Cap. 3.) Es ist jedoch dieses nicht die Hauptsache dort. Heber ha- Keni der Held des Tachkemnni ist ein geistreicher Mann, der in allen Satteln gerecht ist, der unter Heiligen, wie ein Heiliger sprechen und dieselben auch übertreffen, und unter geistreichen weltlichen Leuten durch seinen Witz glänzen konnte"). Es ist der Eharaktcr des Heber ha - Keni in allen Situationen zu glänzen. Der alte Sufi in dem Ben hamclech hat nur einen Charakter — ein Sufi. Er hat Talent genug, hat aber alle andere Charakter«, die er ebenfalls annehmen könnte, in der Welt — die er verlassen — hinter sich gelassen. Es ist die Sprache, welche uns führt hier diese zwei Werken für einen Augenblick zusammen zn nennen. Wie Alcharisi war Abraham bei, Chisdai auch ein Meiftcr der hebräischen Sprache. Er hat den hebräischen Sprachschatz so zn handhaben gewußt, daß nur wenige Unebenheiten oder Arabiömen Vorkommen, und der Massiv styl leistete ihm, wie allen hebr. Stylisten von Geist, gute Dienste. Die metrischen Poesien, die hier eingeschaltet sind, sind meistentheils nicht sehr hoch. Man muß bedenken, erstens, daß sie nur liebersetznngen sind, nnd ferner, daß Popularität ihr Zweck ist. Die Gedichre im Tachkemnni, sind besser als die seiner Nebersetznng der Makamcu des Harisi"). Abraham bei, Chisdai hat sich übrigens als Dichter nicht ausgezeichnet. Wir wollen nun einiges über dieses Buch in seiner sprachlichen Beziehung bemerken; Andeutungen aller Art, die anderwärts vielleicht ausführlicher betrachtet werden könnten. Das Buch selbst ist in gereimter Prosa (Melizah) geschrieben"); worin metrische Gedichte von allerlei nngenanilten Dichtern eingewebt sind, die mit den Worten ״so sagt der Dichter" (ואמר המשורר) eingeführt sind. ES war dieses üblich bei den arabischen Gedichten, so bei Algazali") Jbn Ehallicau u. a. m. Sie dienen oft als Beleg zu irgend etwas, oft nur als Schmuck der Rede. Manche dieser Gedichte sind geistreich und haben einen höher« Schwung, manche derselben sind nur metrische Prosa. Dadurch daß derselbe Gedanke oft in

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