Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 21 (24.5.1861)
- Date
- 1861-05-24
- Page
- Seite 187 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Was fand ich dort von Mosche Rabbcnu? Hören und lesen Sie, Herr Redakteur. hört es Ihr Männer von Frankfurt. Halberftadt und Main;! Von Moses sagt R. Simon Ha-Gadol: ונתץ נפשו על התורה בדעת ובכלועציה! O, welcher Jammer! Also auch Moses batte eine andere Ansicht von der 0תירה שבע״ als die Zeloten unserer Zeit, auch Moses ein Anhänger des Breslauer Seminars! Und für diese Pijntim will man eine Synagoge bauen!! §. Wien, 19• Mai. Wie ich höre, gebt der Vorstand der Gemcindc damit um. eine Revision der Gcmeindestatuten vorzuuchnicn. Wir wünschten vor allem, daß der Oeffentlichkcit mehr Rechnung getragen werde. Wir wollen gerade nicht, daß bei offenen Thüren verhandelt werde; aber die Gemeinde hat das Recht zu erfahren, was der Vorstand im Laufe des Jahres beschließt. Der Vorstand braucht nicht die Oeffentlichkcit zu scheuen, denn sein Thun nnd Lassen gebt aus den reinsten Motiven hervor. Es wird daher gut sein, wenn von Zeit zu Zeit Berichte über die Verhandlungen abgcstattct werden. Wir glauben atlch, daß diese Berichte von gutem Einflüße auf die jüdischen Gemeinden in den Kronländern sein dürften. Die hiesige Gemeinde hat durch den Tod der Frau Josefine v. KönigSwarter, Vorsteherin des israel. FrauenvcreinS, einen schweren Verlust erlitten. Sie war in vollem Sinne des Wortes eine fromme jüdische Hausfrau כסה פרשה לעני וידיה שלהה לאניק. Zur letzten Soirä beim StaatSministcr waren Herr Prediger Mannheimer und Herr Jos. Wertheimer geladen und zwar letzterer als Vertreter der Gemeinde. Es blieb auch nicht unbemerkt, daß der Herr Kardinal Rauscher mit Herrn Kuranda, den er gewißcrmaffen aufsuchte, sich längere Zeit unterhielt. Herr Seminar-Direktor I)r. Frankel aus Breslau wird hier erwartet. Wie ich vernehme hat der hiesige Vorstand welcher dem Semittarc jährlich einen Beitrag von 105 fl. zukommen läßt, jüngst die Gelegenheit ergriffen und Hrn. vr. Frankel.ein Schreiben, in welchem dessen Wirksamkeit sehr anerkennend hervorgehobcn wird. gerichtet. Wien, .19. Mai. Die isr. Gemeinde ,.Ansche Emet" in Albany N.-Nwünscht einen Rabbiner anzustellen, der ein guter Prediger sein soll. Der Gottesdienst Choral mit Sulzer'schen Gesängen. Anstellung fir aus zehn Jahre. Gehalt vorlänsig 1000 Dollar, für Schule und Religionsunterricht ertra 2—300 Dollar jährlich. Hierauf Ncflektirende wollen sich an mich wenden. Vr. I e ll in e k. Literarische Anzeigen. Prinz und Derwisch, oder dieMakaw.en des JbnCchiSdai. Von vr. W. A. Meise l . . . Pest. 1861. 8°. Angezeigt von Leopold Dukes. Und wiegt es zwischen Ernst und Spiele Auf schwanker Leiter der Gefühle. (S ch i l l e r). Mehr als sechs Jahrhunderte sind verflossen, seit dem ein geistreicher Rabbi — Abraham ben Chisdai — ein berühmtes arabisches Buch ins Hebräische übersetzte. Es hat zu allen Zeiten Bewunderer unter hebräisch kundigen Lesern gefunden. Ein deutscher Rabbi hat jetzt die Pforten des Verständnisses für deutsche Leser geöffnet durch eine talentvolle deutsche Uebersetzung. Wir beeilen uns zugleich zu Anfang zu sagen, daß dieses Buch höchst verdienstlich ist. Talent und Geschmack sind dem deutschen Uebersetzer, wie einst dem hebräischen, bei seiner Arbeit zur Seite gestanden. Fleiß— welchen das Talent auch bedarf — hat allenthalben sich thätig bewiesen. Der Uebersetzer hat mit einem Worte alles Mögliche für das Buch gethan. Das hebräische Sprüchlein יש מקבל שכר בלי יגיעה (mancher empfängt Belohnung ohne Mübc ') findet auf denselben keine Anwendung. Für die Belohnung, welche derselbe erhalten wird — der Beifall des einsichtsvollen Lesers ist nicht die kleinste — hat derselbe mit Mühe gearbeitet. Die Buchhandlung hat alles Mögliche für den Uebersetzer gethan, elegante Ausstattung n. s. f. Das Publikum könnte — es wäre so recht — für beide allemögliche thun, unverblümt gesprochen: es könnte daS Buch kaufen. Die elegante Ausstattung macht eS als Angebinde für Damen brauch-! bar. Man kann eS ferner 70-jäbrigen Großmutter sowol als seiner 18jährigen Tochter anbietcn. Erstcre hat schon so manches vergessen, da» Buch wird sie daran erinnern. Letztere wird hier etwas finden, wa» sic sväter verstehen wird. j Das vorliegende Buch ist moralisch, dadurch wird es nützlich, | es ist aber zugleich auch geistreich, dadurch wird eS interessant. Wo da» Nützliche und Jntccessantc in einem Buche sich gepaart finden — die Zahl solcher Bücher ist nicht so groß — darf man auf einen zahlreichen Kreis von Lesern rechnen. ES ist im Leben nicht immer thunlich, in der höchsten Tugend zu strahlen. Der kategorische Imperativ schreit laut; Umstände überschreien ihn oft. Ist es aber nicht immer thunlich selbst in Tugend zu glänzen, so kann man andere, die es thnn, mit Vergnügen bewundern! Ist ja Bewundern — ohne Neid — auch eine Tugend! Man liest so Reisebeschrelbungcn und spart dabei die Kosten der Reise selbst. DaS vorl. Buch ist moralisch und erbaulich zugleich. Ein Wort allein ist wie ein Mensch allein: gar nichts! beide erhalten ihren Werth erst von der Gesellschaft. Ob ein Mensch dumm oder klug, schön oder häßlich ist. erfährt ec in der Gesellschaft. In seinem Zimmer allein ist er weder das eine noch das andere. Bücher, das Ebenbild des Menschen, oft seine Parodie, erhalten ihren Werth ebenfalls in Gesellschaft, im Vergleich mit andern. Ein Buch allein ist weder gut noch schlecht. Der talentvolle deutsche Uebersetzer hat dafür gesorgt, daß jetzt die deutsche Welt d. Buch lesen könne. Derselbe hat für andere Raum gelassen, manches über die Stellnng dieses Buches zur Literatur. über die allgemeinen Ideen desselben n. s. f. zu sagen. Es dürften sich gewiß viele finden, welche darüber sprechen wollen und werde«. Bis dieses geschehen wird, erlaube man uns einige Worte darüber vorläufig zu sage». Uns kurz zu fassen, gebietet das Blatt; fragmentarisch zu sein, gebietet die Natur der Sache. Der Held unseres Buches ist ein alter Nasir^) (ein Susi, Beschaulicher), der sich von der Welt zurückgezogen hat, einen Prinzen in der Moral unterrichtet, und demselben gute Lehren gibt. ״DaS Alter" — sagt Roche-souconld — ״gibt gute Lehren, um sich dafür zu trösten, daß eS keine schlechten Beispiele geben kann." Daß unser Filosof nicht zu dieser Klasse gehört und eine bessere Vergangenheit hinter sich hat, darf man getrost voraussetzen. Liebe zur Wahrheit ist die Mutter der Diskussion. Liebe zu gefallen, ist die Mutter der Konversation. Das hier zu besprechende Buch ist dialogisch und hält die Mitte zwischen filososischec Diskussion und freundlicher Konversation. Unser Held war — wie bereits gesagt — ein alter Filosof, der sich von der Welt zurückgezogen, um sich selbst ganz anzugchören, ohne von dem kostbaren Genuß seiner Selbst gestört zu werden. Es hat zwar zu allen Zeiten Leute gegeben, welche die Welt flohen — wenn sie auch nicht immer in die Wüste gezogen sind — wie Diogenes u. a. m. Es haben die Cyniker, um nicht als Menschen zu sinken, für gut befunden, wie Hunde zu leben, als wenn sich jemand den Filß abschneiden würde, um die Winterbeulen loS zu werden. Bei diesen Filosofen aber hatte das Zurückziehen keinen Charakter, insofern kann es nicht mit dem der Sufis verglichen werden.