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Ben Chananja · 1861-05-24 · 21 (24.5.1861) · p. Seite 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
21 (24.5.1861)
Date
1861-05-24
Page
Seite 185 (sequence 3)
Language
German
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185 Wir gehen nämlich von der Ansicht aus, das Bedürfniß gewisse Glaubensartikel in den Vordergrund zu stellen mache sich immer dann fühlbar, wenn andere ReligionSsysteme oder sonst herrschend gewordene Doktrinen dem Religionsbekeuntnisse einer Gemeinschaft gegnerisch in den Weg treten, so daß es noth thut, den eigenen GlaubenSinhalt von dem Anderer scharf abzugrenzen. Da wird es dringendes Bedürfuiß, dem Bekenner einige stereotype Schätze an die Hand zu geben, die ihm als Schiboleth deS eigenen Glaubens und fremden Systemen gegenüber dienen. Es ließe sich derart an der Hand der Geschichte nachweisen, wie nach und nach auS dem großen Lehrinhalte deS Judenthumes einzelne solche SchiboletS hervorgetreten sind. Doch würde uns hier eine solche Untersuchung von unserm Gegenstände zu weit abführen, und wir möchten uns hier nicht gerne eine bei den Logikern sogenannte furaßncrui «tf a)10 ytvoj zu Schulden kommen lassen. Nur ein Moment wollen wir hier ins Auge fassen, das unseres Wissens bis jetzt noch nirgends beleuchtet worden ist. Die maimunischen Glaubensartikel wurden bekanntlich unserer Gebets'ammlung unter der Form des Ani ma’amiu einverleibt^). Dabei ist jedoch mit dem Artikel 8 eine höchst sonderbare Umänderung vorgegangen. Während nämlich bei Maimuni der 8. Glaubensartikel von Offenbarung spricht (תורה הן השמים), daß nämlich die ganze Thora, wie sie nnS Moses gegeben, ihm von Gott unmittelbar mitgetheilt worden fei — lautet derselbe da in folgender Weise: ״Ich glaube, daß die ganze Thora, wie sie sich jetzt in unfern Händen befindet, dieselbe ist, die dem MoseS ist übergeben worden" 7). Welchem Einfluß ist diese Aenderung znzuschreiben? Wir glauben die Antwort ans diese Frage gefunden zu haben. Wir haben nämlich von Jbn-Daud erfahren, wie die islamitische Polemik vorgab, die Thora sei nicht mehr die von Mose überlieferte, da diese in Verlust gerathen und von Esra durch eine andere ersetzt worden fei8). Diese islamitische Tendenzlüge mag in nachniaimonidischer Zeit zu solcher Tragweite gediehen sein, daß man von jüdischer Seite eö für nöthig erachtete, in die stereotyp gewordenen Glaubensartikel eine Stelle dagegen anfzunehmen. Aus Pietät gegen Maimuni — und vielleicht auch aus Pietät gegen die von ihm angenommene Zahl dmzehn8) — wollte man dessen 13 Glaubensartikel nicht nocl durch einen vierzehnten vermehren. Man nahm daher mit vem 8. Glaubensartikel eine Aenderung vor; denn das Be'enntniß der Offenbarung fand man nicht mehr nöthig auözichrechen, — kam eö doch Niemanden, selbst den Bekenner» der ander» Religionen nicht, in den Sinn, eö in Abrede zr stellen, daß Gott sich wirklich dem Moses geoffenbaret. — Man setzte daher an dessen Stelle ein dringlicher be'undenes Moment, nämlich das Bekenntniß der von den Jslamiten bestrittenen Identität der Thora. (Fortsetzung folgt.) Anmerkungen. ') Emuua ranui.ed. Weil, Frankfurt a. M. 1857, Hebräischer Tert S. 82. Das. 5 Hauptst. 2. Absch. 3) Auch der von uns bereits zitirte Scharastaui rcserirt hierüber: ״Die Jahud gestehen durchaus keine Umbildung des Gesetzes zu. Sie sagen, die Abrogation der Gesetze wäre eine Sinnesändernug und eine solche sei bei Gott nicht zulässig" (l. c. I. S. 249). y Wir sprachen hierüber ausführlich in unserm Aufsatz: ״Der filosofische Gotteöbegriff in den arabisch-jüdischen Quellen", in Frankrl'S Monatsschrift 1860 S. 423 ff. 5) Sehr instruktiv schrieb hierüber Ludwig Schlesinger in seiner historischen Ginl. zu Albo'S Jkkarim S. XVI ff. Auch der Herr Ncdakteur dieser Blätter lieferte über die jüdischen Grundlehren einen höchst lehrreichen Beitrag (Ben Chananja 1858 S. 49 ff.). Zu der Behauptung Philo's, daß alle Gesetze der Thora aus dem Dckalog sich heraus entwickeln lassen, wird daselbst (S. 60) bemerkt, daß dieselbe Auschanung zwar nicht in dem altern, aber doch in dem jüngern Midrasch (Bamidbar v. 13) sich Nachweisen läßt. — Einigermassen scheint es uns jedoch, daß selbst der Gemara schon diese Anschauung nicht fremd gewesen sein dürste. Dies glauben wir ans folgender Stelle entnehmen zu können: (Sabbat 87 a): שבר אח הלוהות׳׳מאי דרש אמר ומה ססה שהוא אהד מת״ריג מצות אמרה תורה וכל ב״נ לא יאבל בו, התורה כלה כאן וישראל מומרים על אהת כמה וכמה. ״) Sogar in deutsche Reimverse wurden dieselben zu Anfang d. 15. Jahrh. gebracht, obschon bedeutende rabb. Autoritäten sich gegen Feststellung von bestimmten Glaubcnöart. mißbilligend aussprachcn. S. Likk. Maharil הרוזזת ומשקולות שעושין בלשון אשכנז עלהיהור ועל י״ג עקרים הלואי שלא יעשו מפני שרוב ע״ה סבורים שבזה תלוי• כל המצות ומתיאשים מכמה מצות עשה דלת. Bergt, hierüber auch Zakvb Jbn-Chabib, En Jakob, Ans. Megilla. ') Wenn hier derselbe Gedanke, wie bei Maim. anSgedrückt werden wollte, dann müßte die Stelle lauten: א״מ שכל התורה המצויה ע״ב היא נתונה למשה ר״עה מאת הבורא י״ש. ף lLmnna rama Seite 79: וכאשר הניעו לכבל , קם בהס איש ושמו עזרה ונזכר ממקצת התורה ושבה קצתה וכתב להם ואת התורה הנמצאת עתה בידם. ״) Man glaubte nämlich, Maim. habe mit besonderer Absicht die Zahl 13 angenommen, als Parallelle zu den 13 Attributen Gottes und den 13 hermenentischen Regeln deö R. JSmael — obschon Albo (Jkk. I. 3) und Abrabancl (ראש אמנה Kapitel 10) diese Ansicht verwirft. Versuch einer umständlichen Analyse des Sohar. Von Ignatz Stern, Schuldirektor in Hold-Mezö-Vrisürhely. Fortsetzung ״)• §. 128.—173. a. Eine unausgeführte Reisennterhaltnng über Sam. II. 12.—176 d. Eine vom Zanne gebrochene ') S. I. Jahrg. S. 266, 308, 360, 448, 506. II. Jahrg. S. 16, 68, 212, 357, 450. III. Jahrg. S. 63, 172, 261, 406, 465, 505, 606. *

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