Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 21 (24.5.1861)
- Date
- 1861-05-24
- Page
- Seite 184 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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184 sein Wissen. Allein er ist sich des Einwurfes bewußt, der schon dem Saadia so schwer zu widerlegen war, — des EinwurfeS von der allmälig sich röthenden Dattel — Gott ändert sich freilich nicht, doch die Menschheit entwickelt sich, und dieser menschlichen Entwickelung gemäß könnte gar wol die ewig unveränderliche Weisheit ihre Gesetze modisiziren. Ist doch auch der denkende Bibelleser genöthigt, zu einer ähnlichen Erklärung die Zuflucht zu nehmen bei so manchem sonst unverständlichen Schriftansdruck, wie z. B. ״Gott bereuete", oder ״Gott sprach: ich will verzeihen" wo man ebenfalls annchmen muß, nicht mit Gott, sondern mit den Menschen ist die Umwandlung vor sich gegangen. Doch eS ist überhaupt Jbn-Daud'S Sache nicht, Beweise zu häufen. Beweise müssen gewogen, nicht gezählt werden. ״Besser Ein scharfes Pfefferkorn als ein ganzer Korb mit Kürbissen" (S. Einl. zum Emuna rama S. 3). Nachdem also aus der Schrift selber so unzweideutig und unwiderlegbar hervorgeht, daß die Gesetze für alle Ewigfeit gegeben worden sind, wozu braucht eö dann noch mehr der Beweise? — Ja, dieser ans der Schrift selbst geführte Beweis ist ihm so unerschütterlich und ward von den Geguern der Ewigkeit selber für so unwiderlegbar erkannt, daß sie demselben nicht anders aus dem Wege zu gehen wußten, als indem sie zu einer ganz eigenthümlichen Behauptung ihre Zuflucht nahmen. Und gegen diese Behauptung, die, nebenher bemerkt, nnö von kritischer Wichtigkeit erscheint, richtet nun der ReligionSfilosof und GeschichtSforscher aus Toledo die Geschosse seiner Dialektik. Die islamitische Polemik gegen daö Judenthum scheint eine eigene Literatur zu Tage gefördert zu haben, — auch Jbn-Daud (S. 79) spricht vorübergehend von einem derartigen Opnskulnm. — So werthlos derartige Schriften an und für sich gewesen sein mochten, für die Literaturgeschichte wären sie von ungewöhnlichem Nutzen. Ein Hauptmoment, daö sich durch dieselben zog, scheint nun die Behauptung gewesen zu sein: die von Gott durch Mose gegebene Thora — auch der Islam erkannte deren Göttlichkeit an — sei im babylonischen Eril in Verlor gerathen und Esra habe dafür eine andere substituirt. Lassen wir gegen diese Behauptung den Geschichtöforscher Jbn-Dand selber das Wort nehmen: ״Nicht auf einmal verließ Israel sein Land, sondern nach und nach. Zuerst nämlich führte Sancherib ungefähr vier Fünftheile desselben in die Städte Aschnrö ab, zwar mit Gewalt, jedoch ohne Mord nnd Plünderungswuth, ja er richtete die freundlichsten Zusicherungen an die Bewohner Jerusalem'S (2. Königs 18, 32). Ungefähr 120 Jahre später kam Nebukadnezar und führte einen Theil des Volkes, darunter angesehene Männer und Profeten, als Ehananja, Mischael und Asarjah ins Eril. Auch der so fromme Daniel befand sich in ihrer Mitte. Gäben wir nun auch zu, daß die große Menge keine Abschrift der Thora mit sich führte — wie könnten wir dies von Daniel und seinen Gefährten annehmen? Sollten Männer, wie diese, aus ihrem Lande weggezogen sein, ohne ihren größten Schatz, ihre Thora mitzunehmen? Und räumten wir auch ein, daß der Drang des Momentes ihnen dieses nicht gestattete, nun, so blteb doch ein bedeutender Rest deS Volkes im Lande zurück, warum hatte also Daniel, nachdem er in Babylon zu den höchsten Ehren gelangt war, nicht vor Allem aus der Heimath her eine Abschrift des ihm gewiß so theuern BucheS verlangen sollen? — Dann noch ferner, ungefähr neun Jahre später kam Nebukadnezar zum zweiten Male nnd führte den König Jechanjah, den Profeten Jecheskel, Mordechai n. A. nach Babel, nnd wie, auch diese sollten kein Sefer Thora mit sich genommen haben in die Verbannung? — — Und gesetzt, wir geben alle diese Ungereimtheiten zu und sagen, Esra kam nach 70 Jahren von Babylon und schrieb eine ganz veränderte Thora nieder — wie, hätte ganz Israel ihm dieses zugestanden? Wie, hätten alle Nahen und Ferneu, die in den Städten Gosens und Persiens wohnten, und die im Lande Israels zurückgeblieben, und die nach Mizraim und Afrika gezogen waren, so einstimmig ohne Gegenrede und Widerpart darein gewilligt? Und doch finden wir die Thora allgemein und ohne Ausnahme in allen Gemeinden Israels, von Indien bis nach Spanien, und weiter im Westen von Afrika bis nach Äthiopien, und im Süden von Theman bis zu den äußersten Städten der Mongolei, nach demselben Terte, ohne die entfernteste Abweichung, so daß sogar die drei welche im Urterte klein geschrieben waren, auch in allen bekannten Abschriften, die cS gibt, so Vorkommen. Wie ist es nun anzunehmen, daß Esra alle Menschen zu seinem Unternehmen beredet habe?" Wir müssen aber auch erklären, warum wir die Be- Häuptling, gegen die Jbn-Daud hier so energisch daS Wort führt, als kritisch wichtig bezeichnet haben. Ueber die maimunischen 13 Glaubensartikel ist in ältenr nnd neuerer Zeit sehr?vieles geschrieben worden. Mar könnte fast eine eigene Literatur hierüber zusammenstellet). Daß übrigens Maimuni nicht der Schöpfer, sondernnur Vermehrer und Vervollständiger dieser Glaubensartikl gewesen, weiß jeder Kundige. Hatte doch Jehnda Hadissi schon vor Makm. 10 Glaubensartikel ausgestellt. Ebeiso wäre eS nicht schwer zu erweisen, daß eö keineswegs — itie Mandelssohn im Jerusalem behauptet -- ein ״bloS zufällger Gedanke" war, der Maim. diese Glaubensartikel znsalimenstellen ließ, sondern daß bedeutsame geschichtliche Einsilsse als Faktoren beim Hervorheben einzelner Lehrsätze aus dem reichen GlanbenSinhalt des Judenth. thätig waren.