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Ben Chananja · 1861-05-17 · 20 (17.5.1861) · p. Seite 181

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
20 (17.5.1861)
Date
1861-05-17
Page
Seite 181 (sequence 7)
Language
German
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181 Wenn er aber fürchten lernt die jährlich sich wiederholende allgemeine Lehrerversammlung, wo die rationellen Kräfte sich reiben, die geistigen Funken sich elcktrisiren werden, wo erwachen wird das Bcwnfitscin der ״höher» Mission des Lehrers״, wo die Intelligenzen sich erkennen werden, der intellektuelle Stral die Unwissenheit beleuchten wird? Er wird diese Lehrerversammlung fürchten, wird lernen, sammeln, zur (Srfcuntutfj‘ kommen, daß Wissen Leben ist und Unwisscnheit Tod. De» unermeßlichen Einfluß jährlicher Lehrer-Konferenzen in Galizien ans die Bildung der Lehrer wie indirekt ans die des Indenthnms können wir in der Zuknnfi-Perspcktivc als glänzendes Bild hinstcllcn. Die Herren Inspektoren und Direktoren der galiz. Schulen sind alle erleuchtete Männer in Israel. An ihnen ist es, den Funken anfznfangen und für diese Idee sich zu erwärmen. Sollen wir unfern Kollegen im deutschen Oesterreich und im regsamen Ungarn nachftehcn? Soll cS überall tagen und nur bei uns immerfort nachten? S. D c m a n t. Literarische Anzeigen. Geschichte der Juden von Or. Grätz. 6. T h e i l. Heine sagt von einem Historiker ״sein divinotarischcS Auge sieht oft Dinge, wovon die Ehronik nichts meldet und die dennoch wahr sind. Er kennt sogar jene flüchtigen Thräncn der Vergangenheit, die Klio aufzuzcichncn vergaß." Mit denselben Worten ist das GcschichtSwcrk von Grätz zu charaktcrisiren, dessen Werth durch die mitunter gewagten Schlüsse und Folgerungen nicht beeinträchtigt wird. Die Fülle des anfgespeicherteii Stoffcs, die lichtvolle ungekünstelte Darstellung, der Freimnth des Urtheilö, das sich nicht hinter geschmückten Fräsen versteckt und die kritische Ab- Wägung des vorhandenen Materials, alle diese Vorzüge haben dieses Werk zu einem allgemeinen VolkSbnche, wie zu einer reichlich fließenden Quelle für den Geschichtsforscher gemacht. Für letzteren sind cS besonders die Noten und Erknrse, die neuen und überraschenden Resultate, auS dunkeln, vergessenen Geschichtüittomentcn hcrvorgerufcn, welche neue Bahnen in dem finstern Labyrinth der jüdischen Bergangcnheit anbauen. Wir wollen nicht sage», daß seine Untersuchungen überall znm Abschluß gekomincn und alle seine Resultate kritisch fest stehen, denn die zerstreuten dunkeln Denkmäler unserer Geschichte sind ebenso vieldeutig wie die phömzischen und assyrischen Inschriften. Beispielsweise wollen wir hervorheben, daß des Verf.'ö Ansicht über das Alter der Massora und der Punktalion in dem 5. Thcil seiner Geschichte bereits eine leider nicht gründlich eingehende Entgcgunng von Luzzatto Hamagid 4 (S. 04) hervorgcrufen hat und daß seiner Erklärung des massorctischen Wortes אשל ניתא Pinncles (dort Seite 103) eine andere nicht zurückzuweiseude cutgegeugesetzt hat. In dem vorliegenden 6. Theil, der den Zeitraum vom Untergang des GaonatS bis zum Tode Maununiö (1027 —1205) umfaßt bewegen wir uns auf geebneten Bahnen, wo die äußeren Gcschichts- Momente nur aus einer Abwechslung von Schmcrzenö- und Freudenthranen bestehen, das innere Geistesleben dagegen sich zu einer Blnthe entfaltete, deren Früchte wir noch genießen. Die Träger des Geistes in dieser Kultnrperiode sind Männer, über deren Leben, Wirken und Schriften die bewährtesten, kundigsten und geistreichsten Schriftsteller unserer Zeit geschrieben haben; neue weitreichende Forschungen waren daher nicht zu erwarten, aber dennoch ist die sprudelnde Quelle des Verf.'s nicht versiegt. Die Geisteörichtnng eines Gebirol, Iehnda Halevi, Ibn Esta, Maimun und vieler Andern wird von ihrer Lichtniid Schattenseite mit kritischer Schärfe dargelegt und aus ihren inhaltsreichen Schriften ihr Jdccngang verfolgt. Wir heben besonders hervor die Gedankcnentwickelnng des Buches Kusari von I. Halevi (148 ff.), der die Weltwcisheit als eine zndringliche Kupplerin abwies und der Filosofie keine Berechtigung zngcstand gegen offenkundige Thatsachcn anziirtttnen, sondern man müsse dies als unumstößliche Wahrheit hinnehmen, und erst von da ans beginnt ihre Wirksamkeit, sich die Thatsachen zurecht zn legen und sic mit Gedanken zu durchleuchten. Wie in׳. Reich der Natur da» Denke» die thatsächlichcn Erscheinungen, so auffallend und vernunftwidrig sic auch anftretcn, nicht weglcugncn darf, sondern sich bemühen muß, sie zu fassen, ebenso müsse cS sich auf dem Gebiete der GottcScrkenntniß verhalten. Das Judcnthnm könne daher nach diesem System gar nicht von der Filosofie angefochtcn werden, j weil es auf einem festen Grunde beruhe, den der Denker rcspektircn müsse, a u f d c m G r u n d d c r T h a t s a ch e n. Als Gegenstück zu diesem System machen wir auf den Jdccngang MaimuniS im M. Nebuchim ansmerksam (365 ff.), der die Weltwcisheit nicht wie Jehuda Halevi abwies, sic vielmehr als höchste Instanz in göttlichen Dingen anerkannte, wogegen das Indenthum, so sehr cS auch M. ins Herz gewachsen war, in seinem System — das der Verf. bündig und lichtvoll uns vorsührt — zu kurz kommen mußte, weil er dessen Grnndcigenthümlichkeit zu erfassen verhindert war. Weil er die Offenbarung der Thora nicht in vollster Bedeutung als Mitthcilung der Gottheit an fein Volk nehmen durste, mußte er den größten Profetcn zn einem Halbgott über den menschlichen Kreis hinaus erheben, daun wieder halb und halb in Widerspruch mit seiner Grnndlheoric zn dem Nothbehelf greifen, das Volk habe am Sinai ״eine zu der Zeit in der Lust geschaffene Stimme" vernommen, und wiederum es habe nicht sammtliche Gebote mit dem Ohr erfaßt. (376). Was wir bei dieser gründlichen und frcimüthigen Darstellung vermissen, ist, daß G. nicht genügend hervorhob, daß M. mit dem Fuße auf thalnindischem Boden stand und mit dem Kopfe an die höchste Regionen des menschlichen DenkuttgSvermögens ragte, daher keine Schriftwerke der Vergangenheit so zum Stützpunkte der entgcgcngesetzten, sich bekämpfenden religiösen Richtungen benutzt werden, wie die Maimnn'schcn; die eine Richtung folgte dem ״Führer", die andere ergriff seine ״mächtige .Hand." Ja sogar eine Theorie wurde zitweilen von beiden Richtungen angegriffen; so z. B. von Abarbanel die Aufstellung der Glaubensartikel, weil alles im Iudenthuill fuiidamental sei und eö durchaus keine bevorzugte G. A. gebe, wie auch M. selbst den Gruubfatz ausstcllt, daß zwischen den Worten der Schrift ״Und die Sohne Ehams waren Kusch und Mizrajinl" nnd ״Ich bin der ewige dein Gott" .׳c. kein Unterschied sei; von der andern Richtung, der der Verfasser die Worte lieh (S. 328), weil er dem freien Deuker ein gebieterisches Halt zurief und die Grenzschcide zwischen Gläubigkett und Ketzerei nicht aus dem festen Gebiete der religiösen Prariö, sondern auf dem lockern Boden der religiösen Theorie ausstellte und damit das ätherische Element des Gedankeus in den Bannkreis erstarrter Forinelil führte. Der Verf. welcher mit scharfer, kritischer Wage die literarhist. Arbeiten seiner Vorgänger abwicgt, hat doch, wie uns scheint, hie und da den Schwerpunkt der Wahrheit verrückt. So hat er als eine nicht zu bezweifelnde Thatsache (S. 172) gesagt: ״Joses Kara war der Sohn des AgadasaillinlerS Sinion, Verfasser des Ialknt", und (Seite 60) ״dieser war ein Bruder v. M. b. Ehclbo", währ, gegen diese Konjektur RappaportS erhebliche Bedenken (Orient 1844 S. 253) geäußert wurden. Daß sich, wie der Verf. sagt, alle Zitaten ans S. Hakabod bei M. Takn in S. Ehasidim finden, ist uns nicht bekannt; ebenso kann man von dem nicht mehr vorhandciien Buche S. Hakabod auch nicht sagen, daß des S. Eh. es absorbirt habe. Daß R. Jehuda ans Paris-

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