Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1861-05-10 · 19 (10.5.1861) · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
19 (10.5.1861)
Date
1861-05-10
Page
Seite 172 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543023-2543043--2106-2545849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

172 Wir haben nun alles gesagt, was über die jüdische Traktätchen- Gesellschaft zn sagen ist. Wir haben die Biografie eines neugeborenen Kindes mit Liebe und Fleiß und Wohlwollen für Mit- und Nachwelt geschrieben. Die Verfasser der Traktätchen haben fich nicht genannt. Ob Bes cheidenheit dieselben veranlagte der Welt ihren Namen vorznenthalten, oder S e l b st k e n »t n i ß, ist nicht zn bestimmen. Sollte letzteres der Fall sein, so wäre der seine Takt der Verfasser zn bewundern. Wir haben nun die Traktätchen, ihre Verfasser, und alle die daran betheiligt sind, gehörig gelobt. Wir wollen voranssetzen, daß man nnö erlauben wolle, einige allgemeine Bemerkungen daran zu knüpfen. Es konnten dieselben einigen Leuten brauchbar sein. Diese werden sie aber gewiß nicht lesen. So mögen denn diese Bemerkungen, in der weiten Welt heriimfliegen, bis sic jemand finden der sie brauchen kann. Wir können dem Leser nicht versprechen, daß die nachfolgenden Zeilen ihn befriedigen werden. dieses hängt nicht von nnö, sondern von ihm selbst ab. Wir können aber dem Leser wol versprechen, daß wir uns kurz fassen wollen. Wir wollen in. Voraus gerne zngcstehcn, daß der nachfolgende Anssatz im Ganzen nicht nothwendig ist, wenn der Leser nur zu Ende gestehen wollte, daß manches darin nicht überflüssig war. Daß der Leser eine feine Nase hat, davon sind wir fest überzeugt. Genau genommen, wäre das Nicderschrcibcn dieser nachfolgenden Bemerkungen gar nicht nothwendig gewesen. Dieselben stehen im Geiste des Lesers lebendig. Hätte er dieselben nicdcrgcschriebcn, so hätten wir nnö verbunden gefühlt. Wenn wir übrigens diese Bemerkungen dennoch dem Papiere anvertrauen, so geschiehct es bloß, znm Besten derjenigen Leser, welche in diesem Augenblicke vielleicht, ans uns unbekannten Ursachen, abgehalten sind von ihrer feinen Nase Gebrauch zn machen. Würde der Leser von nnscrcr Einsicht so überzengt sein, wie wir von seiner feinen Nase, so hätten wir beide Ursachen zufrieden zu sein. Sollten wir uns beide in einander täuschen, so wäre es uns herzlich leid. D1\ I c in a n d. (Fortsetzung folgt.)!! Inland. j Aus Mähren, im Mai. Jgn. W. hat iu dem Streite Hirsch Frankel den mähr. Gem. eine Erklärung zur Unterschrift vorgelegr, : die nllgcsähr aussagcn soll, daß Hirsch nicht nur der größte Manil. der Gegenwart sei, sondern daß vielleicht seit Beit Amram kein größerer . Manu gelebt habe; und wurde in Vir. 18 der Z. d. Z. von ״vielen Stimmen ans Mähren" abgefertigt. Dagegen ist von meiner Seite nichts cilizuwenden; aber in dieser ״Abfertigung" wird ihm der Vor- Wurf gemacht, wie er eine solche Aufforderung an den gefundeil Sinn der mähr. Gem. habe stellen können; hierin muß ich H. Ignatz W. , vcrthcidigeu. Daß die mährischen Gemeinden H. nicht gekannt hatten, beweist die jetzige Abfertigung des I. W.; zeugt es nun von einem gesundcil; Sinn, einen Menschen, den man nicht kennt, als Landrabbiner anzn- , stellen's Was iu der ״Abfertigung" gesagt wird, daß Hirsch bloö von Nikolöburg ohne Znstiinmnng der andern Gemeinden, anfgenommen wurde, ist unrichtig. Die Vorsteher säst aller Gemeinden waren in die- , scr Angelegenheit 1845 zn Brünn bei H. Eilt. Gomperz s. A. versam- , mclt und Hirsch wurde einstimmig ansgenomulcn. > H.'S erstes Auftreten in Mähren war anmaßend, weil er durch! die gestellten Fragen in seinem ersten Nundschreiben in die Rechte der 1 OrlSrabbinen griff; und keck, weil er zu den Vorständen sprach, wie ' zu seine» Untergebenen, nicht einmal eines Prädikates würdigte er sie. Er schrieb: ״An den Vorstand der isr. Gemeinde zu . . . ." Und doch war Proßnitz die einzige Gemeinde, die Selbstbewnßtscin genug besaß, um nicht zn antworten. Es wäre bald zu einem inhaltsschwerem Rechtsstritt gekommen; denn einige Monate später schrieb er an Proßnitz noch wegwerfender; worauf er von dieser Gemeinde eine derbe Znrechtwcisung erhielt und H., trotzdem, daß Nabb. Fasset inständigst bat, keine gerichtlichen Schritte zn thnn, klagte beim Gitberninm und wer weiß, welcher הלול השם entstanden wäre. wenn nicht die Märztäge 1848 ihren Einzug gehalten hätten; dann freilich war jeder Vorstand in den Zilichriften des Hirsch ״hochgeehrt" ״löblich" .׳e. Zeugt nnn ein solches dcmüthigc Kriechen der Gcmcindcn von einem gesunden Sinne? Von seinem ersten Nachtlager zn Prcran. wohin viele Nabbinen und gelehrte Männer kamen, den neuen Landrabbinen kennen zu lernen, bis zn seinem Abreisen ans Mähren, hat Niemand ein Wort ״Tanral," von ihm gehört, und daß sein übriges Wirken nicht gerade zur Beglückniig der mährischen Jndcnschast war, wird von de» ״viele» Stirnmen" in der ״Abfertigung" zngestanden und doch wollten ihn die mährischen Gemeinden znm Landsrabbiner behalten. Was in der ״Abfertigung" gesagt wird, daß sich die Gemeinden gefrenet hatten, als H. Frankfurt mit seiner Gegenwart beglückte, ist wieder unrichtig; fast alle Gemeinden, sogar auch Proßnitz (denn damals war Fasset nicht mehr dortiger Rabbiner) sandten Dcputirte nach NikvlSbnrg, um zn verhindern, daß mit diesem צו־יק nicht ״die Herrlichkeit und der Glanz" aus Mähren weiche. Zeugt dies von cuicm gesunden Sinne? Hirsch hat Statuten verfaßt, von denen die ״vielen Stimmen ans Mähren" selbst cingestehen, daß sie berechnet sind, die Gemeinden zu knechten »nd dem Landrabbiner eine unbeschränkte hierarchische Ge- Walt cinznränmen, und doch wurden sie von den mährischen Gemeinden angenommen. Was in jener Abfertigung gesagt wird, daß die Statuten an dem gesunden Sinn der mährischen Gcmcindcn scheiterten, ist wieder unrichtig. Sämmtliche Komitümitglieder, welche doch von den Gemeinden gewählt wurden, haben, mit Ausnahme des einzigen Fasset, den Statuten;ngcstimmt. Im November 184!) war zn Nikolöburg eine Versammlung der mährischen Gemeinden, resp. deren Bevollmächtigte, und da war Fasset gegenwärtig, der gegen diese Statuten sprach und als Hirsch sah, daß sie scheitern könnten, verschob er, unter dem Vorwände, die Versammlnng sei nicht vollzählig, die Berathung und rief anf später eine neue Versammlnng ein. Fasset erkannte, daß er sich die Komitü-Mitgliedcr zu Feinden mache und mit seiner Meinung scheitern werde; er schrieb seine Meinnng in das Komitü »nd trat ans. (Dieser Absagebrief FasselS wurde ein Jahr später in den ״Wiener Blätter" abgedrnckl). An seine Stelle kam Hr. Platschet, gegenwärtiger prov. Landesrabbiner zn Mähren und bei der neuerlichen Versammlnng der Bevollmächtigten wurden die Statuten angenommen. Wieder war Proßnitz (damals war Fasset noch dort) die einzige Gemeinde, die öffentlich dagegen protestirte. Nicht an dem gesunden Sinn der mährischeu, sondern au dem gesunden Sinn der böhmischen Gemeinden scheitcrtcn diese Statuten. Bestätigt von dem mährischen Komitü und den Bevollmächtigten, wurden sie der Behörde vorgelegt, von dieser der böhmischen Judcnschafr zur Berathung hingegeben und dort sielen sie Der gesunde Sinn der mährischen Gemeinden betreffs Hirsch kann erst nach dessen Entfernnng erwacht sein und sonach war es vom Herrn I. W., der von diesem Erwachen wahrscheinlich noch nichts wußte, nicht so thöricht, sich zn Gunsten Hirsch'S an die mährischen Gemeinden zn wenden. ״V. 0 Wien, 2. Mai. Der ״Thcresien-Kreuzer-Vcrei n zum Schnlnnterrichte armer isr. Kinder" hat seinen Jahresausweis veröffentlicht. Der Verein dehnt in d. Augenblicke s. Wohlthatcn über

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.