Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 19 (10.5.1861)
- Date
- 1861-05-10
- Page
- Seite 171 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Mittel angewendet werden, welches der Arzt gegen einen schmerzhaften hohlen Zahn anräth: Er muß heraus!! Wird das vom praktischen Standpunkte aus bisher Gesagte resumirt, so ergibt sich das Resultat, daß es durchaus nicht als Nothwendigkeit geboten sei, die hohen Behörden mit der vom Herrn Hochm. beantragten Petition zu belästigen. Ja es wird sogar nach anderweitiger Berücksichtigung der Behauptung Raum gegeben, daß der Dualismus bei Dirigirung israelitischer Hauptschulen für Lehrer und Schule zugleich heilsam sei. Denn bei der Anfeindung und Bekämpfung, welche die isr. Schule noch immer innerhalb der Gemeinde oft zu erdulden hat, ist es sehr ersprießlich und nothwendig, daß sie an dem Rabbiner nach Innen, der Gemeinde gegenüber und an dem christlichen geistl. Direktor, resp. Inspektor der Behörde gegenüber eine befürwortende Vertretung habe. Zum Schluffe berufe ich mich noch auf die Worte deS weisen Kohelet: Besser sind zwei als einer, denn u. s. w. und auf die Worte unserer Weisen im Thalmud: Sei nie allein Richter in einer Sache! welche auch indirekt den als unklug bezeichnen, der nngetheilte Verant- Wörtlichkeit unberufen sich aufzubürden strebt. Korrespondenz. Ausland. London, im April. Diese Welt die mail oft ein Jammert h a l genannt hat und noch nennt — bietet dennoch allerlei AngeuehineS dar. z. B. Liebe, kurze Predigten, den Augenblick der Versöh- »!mg, den Augenblick, wo ein unerträglicher Schwätzer die Gesellschaft verläßt u. s. f. Andere zu loben, die cs verdienen, ist für edle Naturen ein geistiges Fest. Abgesehen davon, daß dieses die beste Gelegenheit ist, sich selbst loben, ohne daß man cs merkt, so hat es den Vorthcil sein Nrthcil, seine Bescheidenheit und seine Kenutniß zu zeigen. Ein solches geistiges Fest wollen wir jetzt im Kreise unserer Leser feiern. Wir fühlen uns so glücklich in ihrer Gesellschaft. Die jüdische Traktätchen-Gesellschaft, welche hier seit einigen Monaten ins Leben trat, soll der Inhalt der nachfolgenden Zeilen sein. Diese Traktätchen erscheinen nicht regelmäßig. Alle 2—3 Wochen etwa (oft trennt sie ein längerer Zwischenraum) wird eins auögegcben. Sic enthalten einige biblische, einige thalmudische Sentenzen hebräisch mit englischer Ucbersetznng, eine populäre Erposition irgend einer Aibclstclle macht, den Hauptinhalt ans. Es sind bis jetzt 6—7 solcher Hefte erschienen. Diese Art Belehrung verdient allen Beifall, und ist dem Unternehmen eilt gedeihlicher Fortgang zu wünschen. Ein F l ä m m ch e n kann, so gut wie eine Flamme, leuchten und erwärmen, wenn auch nicht in so großem Umfange. Traktätichen können so gut wie Traktate den Geist erleuchten und das Herz erwärinen, vorausgesetzt, daß die Verfasser derselben entweder wirklich etwas wissen, oder wenigstens so viel wissen, daß sie nichts wissen, genau gcuoiuinen das letzte Resultat deü Wissens, welches aber die wenigsten glauben. Das Echo beginnt nicht von selbst, es verbreitet nur, was es gehört hat. Literaturhistoriker beginnen nicht von selbst, auch nicht Rezensenten, sie verbreiten nur das Gesagte. Wir wollen, daß das Echo diese Blätter seien. Eine eigentliche Rezension darüber zu schreiben, ist nicht unsere Absicht, abgesehen davon ״daß das Echo nie Rezensionen schreibt, so machen cS diese Traktätchen auch es nicht nothwendig: Wir wollen nur ihre Geburtsanzeige machen und die nachfolgenden Zeilen möge der Leser als ihren Geburtsschein betrachten. Vielleicht dankt uns niemand dafür. Vielleicht auch, daß wir diesen Traktätchen ein öffentliches Begrabniß veranstalten. In diesem Falle können die folgenden Zeilen auch als Grabschrist betrachtet werden. Da כתב שעל גבי הקבר (Schrift auf dem Grabsteine) nach thalmndischcr Ansicht dem Gedächtniß schadet, so hätten wir cS gar nicht schreiben sollen. Es war aber schon geschehen, wir haben den Ausspruch vergessen; ein Beweis daß die Thal,nudisten Recht haben. Das Judenthnm hat einst das Christenthum hervorgebracht, es hat lange noch darauf ««gewirkt *). Es war dies natürlich. Die Mutter übt gewöhnlich vielen Einfluß auch auf die Tochter aus. Im Laufe der Zeiten hat das Christenthnm auf das Judenthum eingewirkt. Wechselseitige Einwirkung ist das Gesetz der fisischen Welt sowol, als der moralischen. Es kann nichts lange für sich allein bestehen. Die Einwirknngen des Christenthums auf das Judenthum haben in neuerer Zeit sich mehr sichtbar gemacht**.) Die christliche Tr ak t a ten - G e se l l sch a ft ist als Beispiel für das Gesagte anzuführen. Die christliche Traktat-Gesellschaft hat in unendlicher Zahl solche Traktate geliefert ***) nach allerlei Richtungen hin, verschiedenartigen Inhalts, verschiedenen Tons, je nach dem Schichte der Gesellschaft, wofür sie bestimmt waren. Einige derselben hat der Zufall uns in die Hände geführt, wir halten dieselbe zu ihrem Zwecke für hinreichend. Es find sehr viele höchst abgeschmackte Traktate darunter, die das eigentliche Leben, nicht berühren, es sind manche historischen Inhalts auch darunter. Es sind alle diese Traktätchen wie sich von selbst verstehet und wie cS auch recht ist — gestempelt mit der christlichen Idee. Es ist nicht ihr Zweck Moral allein zu verbreiten, sondern christliche Moral. Von dieser christlichen Gesellschaft ist die jüdische eine Nachahmung. ES ist dies sehr nützlich, denn das Gute nachznahmcn — es geschieht so selten — ist gewiß keine Sünde. Ob das christliche Institut besondere heilsame Wirkungen auf die menschliche Gesellschaft hervorgebracht hat, wissen wir nicht. Wir wollen voraussetzen, daß dasselbe nichts geschadet hat. Es ist dieses auch ein Nutzen. Das jüdische Institut ist zu jung, um über die etwaigen Wirknngen dieser Traktätchen auf die große Menge etwas sagen zu können. Es hat, wie alle Jugend noch keine Geschichte, sondern Hoffnungen für se'mc künftige Geschichte. Es verdient Beifall. Dieses wollen wir hier wiederholen. Freiwillige Beiträge decken die Kosten des Druckes dieser Traktätchen, sie werden umsonst vcrtheilt. Zn edlen Zwecken fehlt eS hier nie an Beitragenden. Himmlische Belohnung einst, winkt freundlich dem Geber zu. und vorläufig gibt die Zeitung die Namen der Beitragende!!, was doch auch etwas für das menschliche Herz ist. Es ist dieses auch lobcnSwerth. *) In diesen Blättern (Hl S. 570) hat Hr. Dr. PcrlcS einige interessante Notizen gegenüber den Einfluß des JndenthumS auf das Christenthum in den ersten Jahrhunderten, Ähnliches hat Hr. L. D u k e s in Glossen seiner Blummcnlesc (Art. דרכי אמורי) angemerkt. Das Kapitel ״Aberglaube" in T h e o f r a st'S ״Charaktere" ist m mancher Beziehung der Betrachtung werth. **) Eine nähere Betrachtung dieses Gegenstandes wäre wünschcnswerth. ***) Diese Gesellschaft wurde 1799 gestiftet.