Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 19 (10.5.1861)
- Date
- 1861-05-10
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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168 mit der für und wider dieses Thema schon in seiner Zeit gekämpft worden sein muß, ein Kampf, der übrigens we- Niger durch Reibungen im eigenen Schooße des Judenthumeö — obschon eö im Jahrhundert des Chiwi Alkalbi 2) nnd seines nicht unbeträchtlichen Anhanges auch daran nicht gefehlt haben mochte — als durch Anregungen von außerjüdischen Kreisen her wach gerufen worden sein dürfte. Wir haben bei einer andern Gelegenheit angcmerkt2), daß Saadia's Methode stark an die deS Aristoteles erinnert, indem er, sowie dieser, bei allen seinen Untersuchungen erst durch eine eingehende Kritik früherer Meinungen sich den Weg bahnt zur Darlegung seiner eigenen Ansicht. Bei seiner Behandlung der Frage über die Ewigkeit deS Gesetzes ist dies auch der Fall. Und wie bei der Untersuchung über die Einheit Gottes, Saadia, die christlichen Versuche, Belege für die Trinitat in der Bibel nachzuweisen, in ihrer Nichtigkeit zu zeigen bemüht ist, so erfüllt ihn dasselbe Streben auch da — bei der Untersuchung über die Ewigkeit der Thora — den muselmanischen Versuchen gegenüber, ebenso aus der Bibel heraus die Wahrheit der Sendung des Profeten von Mekka zu erweisen. Beide, Christenthum und Islam, hatten sich nämlich darin gefallen, gerade aus dem Judenthum heraus sich ihre Bestätigung zu holen. Sie glaubten, den Bekennern des Judenthumö gegenüber, einen nicht kleinen Triumf hiedurch zu feiern. Derartige Argumenta ad hominem gingen aber gar oft in's wahrhaft Lächerliche über4). — Mohamed selber hatte zwar behauptet, sämmtliche auf ihn Bezug habende Stellen in der Schrift (der Thora) seien absichtlich verfälscht oder vertilgt worden (Koran, Sure 2); trotzdem bemühten sich die muselmännischen Theologen, von jüdischen Apostaten hierin unterstützt, die Wahrheit ihres Profeteu aus der Bibel herauszuklügeln 5). Die Stelle nt Deuter. 18, 15 wurde auf den Profeteu des Koran bezogen, ja sogar den Namen Mohamed entdeckte man in der Schrift (במאד מאד Genes. 17, 20). Als Hauptbeleg jedoch, auf den man mit besonderen Triumfe hinwieö, weil er unwiderlegbar schien, galt die Stelle (Deuter. 33, 2): ״Gott ging aus am Sinai, leuchtete vom Seir und strahlte vom Berge Pharan." Noch der bekannte Zeitgenosse Jehuda Ha-Levi'ö, der Mohamedaner al-Scharastani in seiner Geschichte der Sekten (Tert ad. Curetoii Pag. 166, Haarbrückers Uebersetznng 1. S. 251) thut ganz stolz mit diesem Beleg und setzt des Weiten auseinander, wie Sinai das Judenthum, Seir daö Christenthum, und P har an — wodurch das Gebirge von Mekka bezeichnet werden soll") — den Islam bedeute; ebenso wie die drei Ausdrücke: aufgehen, leuchten und strahlen, die drei Grade der Offenbarung, den Anfang, die Mitte und die Vollendung bezeichnen. Die jüdischen Araber betrachteten es als Ehrensache, die Nichtigkeit dieser Auslegung darzuthun. Unseres Wissens eröffnctc Saadia hierin den Reigen. Da er für die Ewigkcit der Thora kämpft, so muß er den Händen seiner Gegner diese Waffe entwinden. Sinai, Seir und Pharan erklart er daher nur für drei verschiedene Bezeichnungen des einen und desselben Gebirges, drei angrenzenden Landschasten entnommen. Mit dieser Ansicht Saadia's will sich jedoch JbnEsra nicht befriedigen (Pentat. Komment, zur Stelle), doch zeigt ihm schon der einfache Schriftsinn, daß hier weder von Christenthum, noch von Islam, sondern nur von Israel, dem der sterbende MoseS den Segen ertheilt (dies zeigt schon das Pronomen למו , das sich auf בני ישראל deS früher» Verses rückbezieht), die Rede sein kann. Auch Abraham ben Daud׳) hält sich verpflichtet, jenen von den Mohamedanern so mißdeuteten Satz in seiner richtigen Bedeutung wieder darzustellen. Sinai, Seir und Pharan sollen (mit Bezug aus Numeri 10, 11 und Deuter. 1, 1) nur bekannte Reisestationen Israels bezeichnen. Eben so kommt auch Maimuni in seinem herrlichen Sendschreiben an die Gemeinden zu Jemen auf diese Stelle zurück. Ein Moslem gewordener Jude daselbst hatte nämlich geglaubt, seine früher» Glaubensgenossen um so sicherer von der Wahrheit des Islam überzeugen zu können, wenn er ihnen aus der heiligen Schrift selbst Belege dafür nachweist. Und so mußte wieder jene Stelle herhalten. Maimuni bemerkt dagegen, daß schon die Präterita, die durchgehends in jenem Verse gebraucht sind (בא ׳זרה .הופיע), ganz deutlich gegen eine solche Auffassung sprechen. Zugleich warnt er höchst nachdrücklich gegen das Hcrausreißen von Stetten aus ihrem Zusammenhänge ל , da solche nichts beweisen, sondern nur irreleiten und zu den höchsten Mißverständnissen führen können. Saadia's Beweise für die Ewigkeit der Thora lassen sich in zwei Hauptargumente zusanuneufassen, und zwar in biblische und silvsofische. Die Bibel nämlich stellt ihre Gesetze immer als für die Ewigkeit gegeben dar, ja einem großen Theil derselben ist es ausdrücklich hinzugefügt, daß sie ״für alle Geschlechter" ihre bindende Kraft behalten sollen"). Man könnte freilich einwenden, daß der Ausdruck ״ewiges Gesetz" (הקת עולם) nicht in strikter Buchstäblichkeit zu fassen sei, da die Schrift selber den Begriff ״ewig" nur auf ein Jahrfünfzig beschränkt; allein dann hätte der Sabbat, obfchon als Zeichen und Bündniß für die Ewigkeit eingesetzt, schon in den Zeiten des Jeremias außer Kraft getreten sein müssen, und doch gewahren wir daö Gegentheil (Jerem. 17, 22).