Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 18 (3.5.1861)
- Date
- 1861-05-03
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543042--2096-2545838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
163 ans weiter Ferne zu bcrnfen, wenn ich nun für würdig befunden war das GotteSwort zn lehren, sollte ich nnwerlh sein, für die materiellen Interessen meiner Glaubensgenossen einznstelicn? Wahrlich der Geist ist nicl't von der GebnrtSfcholle abhängig, Brcölan gründete ein Seminär und fragte nicht darnach, ob der hochberühmte Direktor ein Preuße sei. Dr. Frankel wurde trotzdem er ein Böhme, ein Prager ist, obnc Anstand für diese Stelle ersehen, Geist und Wissenschaft haben in der ganzen Welt Bürgerrechte. Die Ungeduld des Publikums lies den Redner nicht sortfahrcn ׳, die Versammlung löste sich von selbst ans. Am 10. wurde von dem Wahlkomitü eine zweite Wählcrversammlung berufen, um die Vorwahl und die Wahlbesprechnng zn leiten. Die Wähler stellten sich am Josesstädter Nathhanü zablreich ein. Einstimniig werde ans Antrag des Dr. Bodanßkp'S, Advokat Dr. Friedrich Wiener zum Präsidenten gewählt. Auf Antrag desselben wurde die Debatte über jeden Kandidaten, nach alfab. Ordnung derselben eröffnet. Nachdem der Präsident die Verzichtlcistnng der Dr. Gitschin, Dr. Randnitz, Dr. Lasch ans die Kandidatur, den Wählern anzeigte, begann die Debatte über die Kandidatur Dr. Kämps's. Ein Redner sprach recht warm zu Gunsten derselben, es sei nothweudig, daß auch das jüdisch-religiöse Element im Landtag vertreten sei. Welche Ansiregnngcn machen die Protestanten um ihren Geistlichen einen Sitz in der Laudcövcrsknimlung zu verschaffen, Redner glaube mithin die Kandidatur Dr. Kämpf's unterstützen zu müssen. Hierauf replizirte Dr. Wien. Daß die Znden speziell nicht als eine GlanbeiiSgenossenschast, sondern in ihrer Eigenschaft als Staatsbürger zur Wahl für den Landtag berufen wären, da handle cS sich durchaus um nichtSwenigcr als religiöse oder KultuSsragcn, sondern vor allen um Geldfragen zu ordnen, das Verkehrswesen, die Industrie, die Agriknltnr, das Bergwesen zu heben, das Wohl des gesammtcn Landes zn fördern und sonnt die crhöhcie Steucrkrafl zur Finanzrcgulirnng möglich zu machen, dem Schulwesen ans dem LandeSfondc die nöthigc Unterstützung zn vcrschaffcn. Man kann in d. Theologie sehr gelehrt sein, ohne in diesen einer religiösen Persönlichkeit fern stehenden Gegenständen, Kenntniß zn besttzen. Gegen Dr. Kämpf habe Redner noch den Einwand, daß derselbe daö preußische Bürgerrecht sich Vorbehalten, mithin wol Bürger zweier Staaten ist. Er kann gewiß ein Herz für seine RcligionSgenosscn haben, ob er aber Oesterreich, liebt? ob er für die Integrität Oesterreichs und dessen Einheit mit Leib und Seele einzustehen bereit ist: diese Frage ist durch den Vorbehalt des preußischen StaatSbürgerrechtcS schon genügsain beantwortet. Nachdem Hr. P. noch hervorhob, daß Dr. Kämpf der Natur seiner Stellung nach als Rabbiner und Prediger eines bloßen Vereins, dem derselbe bloö auf Grund eines zeitweiligen Kontraktes vorfleht, der aber nach beiderseitigem Ermessen auch gekündigt werden könne, nicht so gänzliche Unabhängigkeit besäße, überdieß die Deputirtcnvflichten ihn mit seinen Predigcrpflichtcn in Kollision brächten, wurde die Diskussion über die Kandidatur des Redakteur Dr. K u h begonnen. Dr. Bodanßky setzte die Vortheile auseinander die die Wahl dieses Herrn darbietcn würde. Redakteur Kuh kämpfe täglich für die Freiheit, habe eine mächtige Rednergabe, erfreue sich der angesehensten Bckaniitschaste», sei überdies ein Kind der Josefstadt, welche bei dieser Wahl nur sich selbst ehren würde. Dr. Wien unterstützt gleichfalls die Wahl Knh'S und empfiehlt sic als die Glücklichste die die Wähler thnn können. Da erhob sich G. M. Merorle. Bei allen großen Verdienstcn und vortrefflichen Eigenschaften dieses allbelicbtcu Kandidaten sehe Redner sich gezwungen gegen denselben das Wort zu nehmen und es ist die Pflicht eines Jeden, der cs mit dem Lande gut meint, gegen dessen Kandidatur zu stimnien. Herr Kuh ist seit seinem Angriff ans das Kleinod der Ezechischen Literatur der Gegenstand des Hasses aller unser ezechischen Lanrslcnte, wir Inden leben mit beiden Nationalitäten brüderlich in Friede», haben auch im Jahre 1848 nicht Ursache gehabt, j die Deutschen vorzugsweise als unsere Freunde zn erkennen, wir haben mithin gar keinen Grund unseren ezechischen Brüdern, in der Person des Herrn Kuh, dessen leidenschaftliches Dcutschthum so ausgesprochen ist, einen Fchdcrhandschnh hinznwerfen. Allerdings können wir es nur; bedauern, daß wir das so bedeutende Talent des Herrn Kuh für uns; nicht fruchtbar machen können, allein dieser Herr hat sich selbst unmög - lich gewacht. Die Debatte über Herrn Dr. TodeSko dauert sehr kurz. Zum Schluß wurde ein Brief des Herrn von Lämmel verlesen, in welchem derselbe bei den Wählern der Joscfstadt kandidirt. Das Resultat ist bereits gemeldet. Prag, 10. April. Während der verflossenen Feiertage hatte cs das Ansehen als ob der Geist der Ncncrnng sich der ganzen Prager Judengemeiudc schon bemächtigt hätte. In den meisten großen Synagogen wurden Sitzungen gehalten, um über Reformen zn bcrathen, doch wurde blos in der Meiselsynagoge irgend ein crwähncnSwcrthcS Resultat erzielt. In dieser Synagoge wird nach geschehcnciu innerm Umbau deutsche Predigt »nd Ehoralgesang cingeführt werden. Herr Dr. Hübsch Prediger in der Nensynagogc soll dem Vernehmen nach, das Recht TranungS-! suuktionen vornehmen ztl dürfen, erhalten haben. X Pest, 1. Mai. Im Bezug ans die jndenseindlichen Erpek- . torationcn in der hiesigen Stadt-Repräsentanz (17. d. M.) wird die jüd.! Gem. zu Folge des am vcrg. Sonntage gefaßten Aeschlnsscö ein strenges! Stillschweigen beobachten. Wie sehr sich in weiter Entfcruilng selbst der schärfste Blick täuschen könne, beweist Hör »'S Brief an Dr. R5zsay, Vors. d. nng. Vereins, welcher diesen Verein anfmnntert, vor Allem dahin zu wirken, daß die Emanzipation eine vollendete Thatlache werde. Der nng. Verein hat ohne Zweifel eine schöne Zttknnft; aber seine Bedeutsamkeit in politischen Fragen wird von Hr». H. offenbar zu hoch angeschlagen. UebrigeuS wird sichcrm Veruchmen nach die ״Adresse" oder der ״Beschluß" einen Passus cuthaltcn, in welchem die Emanzipation der Juden implizite anögcsprochen sein wird. Die Adresse ist allerdings kein Gesetz, sie ist aber ein Programm, daö der Gesetzgebung zur Richtschnur dienen wird. Wie ich höre, ist bei einigen hiesigen gebildeten ,Gemeindeglicdcrn der Gedanke aufgetaucht, Dukes ans London hiehcrzubcrufen, um von demselben einen doppelten Eykluö von Vorlesungen — für Frennde der Wissenschaft von Fach und für Gebildete — über Geschichte der jüd. Literatur halten zu lassen. Der gegenwärtige Augenblick ist einem solchen Unternehmen allerdings nicht günstig;!hoffentlich wird jedoch die AnSsührnng nicht lange auf sich warten lassen, sobald sich die Verhältnisse abgeklärt haben. צ- Altofen, 2. Mai. Die Nachricht von dem Preßburger ״Proteste" hat uns gewisser Maßen zum Tröste gereicht. Wenn sich selbst in Preßburg der Einfluß der Zeit geltend macht, wie sollte er sich bei uns nicht geltend machen? Unser Vorstand wollte vor Kurzen« die Gemeinde mit der Aufnahme eines hochorthodoren Rabbiners überraschen; die Gegenpartei holte den Stuhlrichtcr herbei, und die augcblich unregelmäßige Wahl unterblieb. Literiirische Äiyeigen. Schir Ha-Schirim. Pred., gehalten am 7. Tage des PeffahfesteS, v. Dr. Ad. I e l l i n c k in Wien. Wien 1861. Bendiner. 8. 15. Vorl. Predigt will inhaltlich eine Apologie Israels bieten, und sic löst diese Aufgabe ans eine sehr würdige Weise. Die Fehler, welche dem Helden von Schir Ha-Schiriin häufig vorgcworfen werden, stellt sie nicht in Abrede; vielmehr hebt sie dieselben mit aller Schärfe hervor, erklärt sie aber als Produkte verschiedener historischer Faktoren, die von dem Drucke, unter dem die Inden seufzten, unzertrennlich waren. Die Beseitigung dieser Faktoren ist die Sache der Gesetzgebung wo diese