Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 18 (3.5.1861)
- Date
- 1861-05-03
- Page
- Seite 162 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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162 gehalten wurden, begünstigte in Beziehung auf jüd. Augelegenheiten das Uebcrgewicht der dortigen Gemeinde; doch hat die Zeit zu Gunsten der Pester Hegemonie entschieden, welche 1846 — bei der Berhandlnng über die Toleranztar- Ablösung — ihren Kulminationspunkt erreichte. Glcichwol war der Pester Aufruf von 1848 nicht im Stande, eine Repräsentanz aller jüd. Gemeinden zu bewerkstelligen. Die letzte Versammlung vertrat nur die Minorität der iliig. Jsr.T) Sie wäre für die Pester Hegemonie noch minder schmeichelhaft ausgefallen, als dies wirklich geschah, wenn die Beschickung derselben den Gemeinden Auslagen verursacht hätte. Die überwiegende Mehrheit der Rcpräsentauten hatte sich aber der Verpflichtung unterzogen, die Reisekosten selbst zu bestreiten. Die Vorsteher der Pester Gemeinde hatten zwar von ihrer Seite nicht nur durch die Berufung der Gemeinderepräsenlanten, sondern auch durch andere, dieser Berufung vorangegangeue Zirkulare an die 1mg. Gemeinden thatsächlich bewiesen, daß sie sich im Besitze der Hegemonie glauben. Andererseits erfüllten sic aber nicht eine einzlge Forderung, welche die hegemonistische Würde an sie stellte. Sie verschafften sich nicht einmal ein authentischeS Verzeichniß der Gemeinden, so daß manche Gemeinde gar keine Einladung erhielt. Die Einladung selbst geschah, wie vor 1848, nach dem Vorbilde deS alten feudalen Systems, so daß eine Versammlung im repräsentativen Sinne nicht einmal zu Stande kommen konnte. Zinn kann zwar über die Nothwe׳׳digkeit oder Nützlichkeit einer solchen Versammlung in diesem Augenblicke eine Meinungsverschiedenj heit obwalten; jeder Einsichtige wird aber einräumen, daß | eS möglich gemacht werden sollte, eine Vertretung der gesammten ungarischen Israeliten zu berufen, indem ja leicht Umstände cintreten können, unter denen sich diese Berufung als dringlich Herausstellen würde. Auf welche Weises soll nun diese Berufung geschehen? Wir können kein anderes Mittel, als daß die Pester Gemeinde die Zügel der Führerschaft, die ihrer Hand entfielen, wieder aufnehme. Da der ung. isr. Verein in Folge der Aufforderung der ung. Akademie eben jetzt damit beschäftigt ist, vollständige und genaue Tabellen über die jüd. Bevölkerung U.'ö anfertige» zu lassen, so möge der Pester Vorstand dieses Unternehmen nachdrücklich unterstützen, und nach den gewonnenen Resultaten von einer dazu eingesetzten Kommission einen Vorschlag über die Repräsentanz der ung. Israeliten anfertigen lassen. Dieser Vorschlag wäre den Gemeindeu mitzutheilen, und die schriftliche Verhandlung darüber so lange zu pflegen, bis eine Einigung erzielt wird, waS in diesem Augenblicke mit keiner besonder» Schwierigkeit verbunden sein kann. Dadurch wäre eine eigentliche Repräsentanz der ung. jüd. Gemeinden ermöglicht, und der Pester Gemeindevorstand hätte in dem Augenblicke, n׳o die Berufung der Repräsentanz nothwendig erscheint, dies nicht in einigen flüchtig hingeworfenen Zeilen, sondern in einem Zirkulare ausführlich zu motiviren, und die Gegenstände der Berathnng genau zu bezeichnen um die Vertreter aller Schwestergcmeindcn um sich versammelt zu sehen. Ä. n m e r k u n g e n. ') Ben Wan. HI. 166. Nr. 15 d. Bl. S. 13-1. ׳') Daü ה d. Hithpaöl wurde beibehalten, während das מ wegsiel. Das Hithp. ist aber unrichtig gebraucht, denn ohne Zweifel dachte man an das thargumischc שדל überreden (2 M. 22, 15 und Raschi das. Nicht. 1*1, 15), mid man hatte שדלן sagen müssen. Allein cS wnrde שדל »nd השתדל verwechselt, woraus das fraglich Monstrum entstand, das sich nur bei den germanofränkischen und polnischen Juden studct. Bei Znnz Bortr. S. -13!» ist dieses Wort nicht angeführt. ') Es gibt in Ungarn 10 Ortschaften dieses Namens; welche dcrielbc dem jüd. Grasen gehörte, ist nicht zu ermitteln. •"') Abr. Trcbitsch Ehron. S. 65, Nr. 145. ל Im srühern Kanzlei style: cxcelstun Consilium Locumtentiale regiuin, daher man auch die Statthaltcrci schlechthin Consilium nannte. ') Gar nicht vertreten waren d. jüd. Gcm. in d. Kom. Abanj, Arva, Bcrcgh, Borsod, Esaund, Eiscnburg. Harjdukcnbezirk, Hont, Kumanieu, MarmaroS, Oedcnbnrg, Prcßbnrg, Naab, Sümcgh, Szathmür, TemcS, Torna, Torontnl, Thnroz, Trentschin, Ugocsa, Ung, Weißenbnrg, Zemplin. ZipS: ferner in den Freistädten: Gnus» TemeSvür, Oedcnbnrg, Trentschin, Neusatz, Zonibor. Mangelhaft vertreten: Bihar, Bcßprim, Zala. Korrespondenz. Prag, 20. März 1861. Stadtverordneten- und Landtagswahlen in der Iosefstadt. (Fortsetzung und Schluß*). Herr Prof. I)r. Wessely wies ans seine Doppclcigcnschast als jüdischen Theologen, wre als Juristen bin, welche ihn zur Betretung jüdisch-religiöser, wie staatSbnrgenlich-matcrieller Interessen am gccignetesten befähigt. Redner erntete vielen Beifall. Am Schlüße dankte derselbe für den wohlwollenden Empfang, äußerte, wie sehr er auch gegenwärtig für seine Wahl gesprochen, es ihm doch bei der großen Berantwortlichkeit die ein LandeSabgeordneter überhaupt vorzüglich aber ein jüdischer über sich nehme, fast lieber wäre, wenn die Wahl einen Würdigercn treffen sollte, doch glaube er, wäre cS für Prag ein rechtes ArmnthSzengniß, so etwa ein Ausländer gewählt werden dürfte. Es sei dieses kein Persönlichkeit gegen den vom Redner hochgeehrten Prof. Di־. Kämpf, sondern blvs gegen dessen Eigenschaft als Ausländer, wie wohl er schon 14 I. in Prag wäre, so sei dies doch zu kurze Zeit, um die Interessen genau zu kennen. Hieraus bestieg Herr I)r. K ä m p f die Redncrbühne: Wie, sagte er vor 14 Jahren hat man für die Kanzel in Prag keinen fähigen Mann gesunden und war somit genöthigt mich *) S. Nr. 14.