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Ben Chananja · 1861-05-03 · 18 (3.5.1861) · p. Seite 161

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
18 (3.5.1861)
Date
1861-05-03
Page
Seite 161 (sequence 3)
Language
German
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161 wärtige Augenblick ein ״Zeit zu schweigen, oder eine Zeit zu reden" sei. Zu der Versammlung wurde dieö gar nicht in Betracht genommen! Eine Norm für die inneren Angelegenheiten der ungarisch-jüdiseben Gemeinden, deren Organisation in religiöser Beziehung, ist eine Forderung der Zeit, deren Dringlichkeit nach erfolgter Emanzipation erst recht augenfällig hervortreten wird. Nun sind aber die in einigen Landern gegenwärtig bestehenden kirchlichen Verfassungen der Juden durchgängig im Wege der Oktroirnng entstanden, was in Ungarn weder geschehen, noch von den Juden gewünscht werden kann. Wäre es nicht an der Zeit, sich in dieser Rücksicht an einen Anfang, einen Versuch, eine Vorarbeit zu wagen? Dimi- (lium facti qui cocpit habet. In der Versammlung wurde hierüber keine Silbe laut. Der jüdischen Wissenschaft hat das ungarische Israel noch eine große Schuld abzutragen. Zu der Eregetennnd Tosafisten-Schule deS Mittelalters hat es gar kein Konti»- gent gestellt. Vereinzelt steht im 15. Jahrhundert R. Eisak aus Tyrnau, der die Gebetstücke verzeichnet, und die Synagogenordnung für alle Tage deö Jahres znsammengestellt hat. Die Schriftsteller, welche in Ungarn später die kasuistische nnd pilpnlistische Literatur bereicherten, waren meist Ausländer. Die Landeskinder, die sich in neuerer und neuester Zeit um die jüd. Literatur Verdienste erwarben, haben in ihrer Heimat die geringste Aufmunterung erfahren. Dukes nnd Stern, die einer unserer Freunde mit Recht besonders berücksichtigt wissen wollte, haben gerechten Ansprach auf die thätige Anerkennung ihrer Landsleute. Bis zur Stunde ist ihr Name noch an keinem grünen Tische genannt worden! Diese und ähnliche Gegenstände wären ohne Zweifel bei der Pester Versammlung zur Sprache gekommen, wenn diese wirklich die ganze ungarische Inden sch aft repräsentirt, und solchergestalt einiges Vertrauen zu sich selbst gefaßt hätte. Da aber nur die Minorität der nng. jüd. Bevölkenutg vertreten, und daher dieses Vertrauen nicht vorhanden war; so kannten die anwesenden Repräsentanten keinen innigern Wunsch, als die Sitzungen geschlossen, und sich selbst auf der Heimreise zu sehen. Die Ursachen, ans denen die quantitative Mangelhaftigkeit der Repräsentanz herzuleiten ist, scheinen uns in praktischer nnd historischer Beziehung zu wichtig, als daß wir dieselben nicht einer nähern Erörternng unterziehen sollten. Im Mittelalter, welches aber in der Geschichte der Inden seine Zeitgrenzen viel tiefer absteckt, als in der allgemeinen Welt- und Kulturgeschichte, waren es einzelne jüdische Männer, welche von ihren Brüdern als Fürsprecher bei den Machthabern verehrt wurden. Man nannte einen solchen Fürsprecher Sch'thadlan (שתדלן). Diese Bezeicbuuug welche sprachlich ein Monstrum ist-''- charakterisirt den traurigen Zustand der Inden, welche stets der Fürsprache und Fürsprecher bedürftig blieben. Die jüd. Geschichte aller Länder nennt solche Sch'tadlanim; auch die ung. Judenschaft hatte die ihrigen. Ob der jüdische Graf ״ThebanuS", welcher unter Andreas II. daS Dorf Besenvö ־*) besaß, die Reihe derselben eröffnet, vermögen wir nicht zu sagen. Auö späterer Zeit werden genannt: Salomon aus Stnhlweißenbnrg (1396), Sank aus Ofen 11110 Saul aus Pest (1306), Farkaö auö Oedenburg (1331), Ruwl aus Preßburg (1336), Mayor auö Ofen (1333), — die drei letzter» waren Fürsprecher der Inden beim Könige Matthias Corvin (1358), — Cm. Szerencseö, der Schcinchrist (1390—1525), Jakob Mendel in Preßburg. Die Reihe der hervorragenden Sch'tadlanim in Ungarn beschloß R. Koppel Theben, der rechtschaffene, fromme, reiche, wohlthätige Vorsteher der Preßburger Gemeinde, dessen Nachkommen bis auf den heutigen Tag mit Stolz den Namen ihres verehrten Ahnherrn nennen. Unter der Vorsteherschaft R. Koppel'S besaß Preßbürg unbestritten die Hegemonie der ung. Gemeinden. Am 12. Nov. 1796 übergab N. Koppel dem znr Eröffnung deS Reichstages anwesenden Kaiser und Könige Franz 11. im Namen der ung. Inden eine silberne vergoldete Schüssel mit 20,000 Gulden in Gold, wozu später noch 1200 Gulden gefügt.wurden Ä). Aber die Tage der Preßburger Hegemonie waren gezählt. — Der königl. Statthaltereirath °), welchen Karl III. (VI.) am 21. Jänner 1723 in Preßburg eingesetzt und Gr. Zinzendorf am 1. März desselben Jahres eröffnet hatte, wurde am 28. November 1783 auf Befehl Kaiser Josef's II. nach Ofen verlegt. Schon diese Entfernung deS hohen Dikasteriums mußte den Preßburger ״Bekanntschaften" bedeutenden Abbruch thun. Andererseits nahm die junge Pester Gemeinde einen raschen Aufschwung. Während noch 1780 nur zwei Juden, Abelsberger und Liebner das Privilegium besaßen, die Pester Märkte zu besuchen, zählte die Pester Gemeinde 1799 schon 111 Familien. Nach Verlauf eines Menschenalterö scheuten sich die Pester Stimmführer nicht mehr, den Preßburgern die Hegemonie streitig zu machen. Und sollte es einem Freunde geschichtlicher Parallelen iu den Sinn kommen, diesen Hegemoniestreit mit dem eifersüchtigen Antagonismus zwischen Sparta und Athen zu vergleichen, so würde derselbe in Preßburg das dorisch-konservative, in Pest das jonisch-progressive Element vertreten finden. Im Anfänge deö vierten Jahrzehents nnsers Jahrhunderts trat A b r a h a m Hirsch L e m b e r g e r für die Preßburger, Gabriel U l l m a n n für die Pester Richtung in die Schranken. Beide waren tüchtige und thätige Träger ihrer Tendenzen. Der Umstand, daß sie Reichstage in Preßburg

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