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Ben Chananja · 1861-04-27 · 17 (27.4.1861) · p. Seite 157

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
17 (27.4.1861)
Date
1861-04-27
Page
Seite 157 (sequence 11)
Language
German
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157 In dieser Hoffnung verpflichten wir uns auch ferner dabin zn wirken, damit unser Handel in Inneren deS Laudes dem Wehle deS Landes diene, nnd daß wir u«S würoig beweisen jener Woblthaten die uns in diesem Lande zu Theil werden. Mit diesem Versprechen bleiben wir in tiefster Unterthänigkeit E n c r e r D n r ch l a u ch t ganz tryebcnllt U11tcrH)rt!1cu w. Vorstände der isr. Gemeinde. Belgrad, am 28. März!861. III. Eingabe des Belgrader isr. Gemeindevorstandcs an beit Fiirstl. Predstavnik. bu e r e E x z c 11 c n z. Wie ans der hier beigelegten thelegrafischen Depesche zu ersehen, haben die in Schabatz ctablirten Israeliten, von dem betreffenden Natsalnikate Befehl erhalten, sich mit ihrem Handel nach Belgrad zu begeben. Gleiche Befehle wurden von den übrigen Natsalnikaten des Landes publizirt. Nachdem aber die ergebenst gefertigten Vorstande der hiesigen israelitischen Gemeinde, mittelst eines am 20. d. M. an Seine Durchlaucht, unseren gnädigsten Landesfürsten gerichteten Bittgesuches, die endliche Regelung und gesetzliche Feststellung der Zukunft der Israeliten in diesem Lande forderten — so bitten wir Euere Erzellenz dahin zu wirken, daß die obenerwähnte Verfolgung der Israeliten im Innern deö Landes bis zur finalen Entscheidung dieses Gegenftandeö sistirl werde. Indem wir uns nnd unsere Gemciude einer hohen Gnade Euerer Erzellenz empfehlen, verbleiben wir mit tiefer Ehrfurcht Euerer Erzellenz Ergebenste Vorsteher der isr. Gemeinde. Belgrad, am 29. März 1861. bar Nzchab Uw, Obe:rabbi!1er in Prag. Von BezirfSrabbincr Dr. M. D 1t f ch a f. Dieser^ fromme und berühmte Rabbiner blühte in der zweiten Hälfte d. 1-1. Jahrhunderts, eines Jahrhunderts, in welchem kein Gesetz die Macht besaß, die Juden vor der Grausamkeit zu schützen, welche seit den Kreuzzügen mit unaufhörlicher immer erneuerter Wuth gegen sie loö stürmte, in welchem die Juden keinen andern NahrungSzw eig hatten als Wucher und Trödel, die man begünstigte, um sie aus-׳ zusaugen, in welchem sie, wann man so sagen darf, an dem Staatsschiffe daS Steuer r u d e r waren; dem Adel verhaßt, weil er, um seinen Lüsten zu fröhnen von ihnen Geld anöborgcn und hohe Zinsen zahlen mußte, dem Volke eben deswegen verhaßt, und von der Geistlichkeit im Namen der Religion der Liebe zu allen Unmenschlichkeiten gegen sie noch aufgestachelt. ttebermuth, Grausamkeit, Hinrichtungen und Mordscenen wüthete gegen die jüdischen Gemeinden dem Rhein entlang in der Schweiz, in der Mitte DeutschlandS, im Baierlande, in Oesterreich. — R. Josef Hakohen im Emek Habacha erzählt von einer Grauelszene, die sich zu den Zeiten AbigdorS in Prag zugetragen, folgendes: Am 22. Tage deö Monates Nißan 5149, Sonntag den 18. April 1389, llnirillgten die Bewohner Prags den Weinberg deö Herrn der Heerschaaren, d. h. die israelitischen Familien, indem daS Volk aus allen Enden hervor kam, ein jeder mit der Art in der Hand gleich den Holzhauern, die Hände gegen jene ausstreckte, und viele mit. dem Schwerte erschlug, so daß die Berge erzitterten, und die Leichen der Juden waren damals wie Kehricht in mitten den Straffen. Sie schmähten die Lehre deS Herrn, und lästerten die Ausspräche der Heiligen Israels, und bei all dem legte sich ihr Zorn noch nicht, und hielten sie ihre Hand anögestreckt, verbrannten viele, zogen die in dem Staube Schlummernden aus ihren Gräbern, und schlngen ihre Leichensteiue kurz und klein, und eS war keiner, der jene damals anS ihrer Gewalt rettete. Als nun viele von jenen Inden sahen, daß daö Unheil über sie ergangen war, brachten sie sich ihrem Glauben znm Opfer, der König Wenzel war damals nicht in Prag, da er nach Eger gereist war, und daher traf jene dieses Unglück. Die Inden tödteten sich alsdann unter ein- «ander, mancher seinen Bruder, seinen Freund, sein trautes Weib, seine Söhne und Töchter, damit die Christen sie nicht quälten, nnd es stieg ihr Flehen zum Himmel empor. Siehe eö o Herr, und schaue, und führe ihren Streit. R. Abigdor Kro klagte damals in seiner Selicha um sie. Diese Selicha erzählt, der Gemeindevorsteher fiel summt seinem Bruder dem frommen und seinem einzigen Sohne. Der greise Gesetzeölehrer tödtete eiligst seine Kinder und HauSleute, die Synagoge die alte wie die neue wurden eingerissen, und der Pöbel schändete, nachdem er überall Brand und Verheerung augerichtet hatte, auch noch die Leichen, und zerbrach die Grabsteine." In dem Munde der Prager Israeliten lautet die Erzählung, daß im I. 1388 am 7. Tage deS Passah sich einige Knaben auf der Straße tummelten, und sich scherzend Sand und kleine Sternchen einander zuwarfen. Indessen kam ein Priester mit dem Kr., und unglücklicher Weise sielen einige Sandkörner auf den Priester. Die Christen fielen über die erschrockenen Kinder her, aber die Eltern befreieten sie aus den Händen der Grausamen. Da eilte der Priester in dem beschmutzten Ehorrock auf deu altstädter Ring, und schrie: Entweihung, Verrath und Mord. Ehe eine Stunde verging, hatte sich eine unzählbare Menschenmenge um den Priester versammelt, mit Mordwerkzeugcn bewaffnet. Alles schrie einstimmig: Schlaget sie todl die verfluchten Juden. Gegen Abend stürmten diese Rotten in die Judengaffen, und machten alles ohne Schonnung nieder. DaS Blut floß in Strömen. Die Männer wollten aus den.

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