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Ben Chananja · 1861-04-27 · 17 (27.4.1861) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
17 (27.4.1861)
Date
1861-04-27
Page
Seite 158 (sequence 12)
Language
German
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158 «Schulen eilen, um die ihrigen zu retten, allein sie fanden die Thüren vom wüthenden Pöbel beseht. Es dauerte nicht lange, da stürzte der ergrimmte Hanfe auch in die heilige Wohnung, und würgte Alle. Der Geschichtschreiber Slewe erzählt, den schüchternen und eingeschüchterten armen Inden die Schuld dieses graulich an ihnen verübten KanibaliSmnö in die Schuhe schiebend, die Inden hätten den Beichtvater mit Steinen geworfen, er rieth ihnen anfznhören, sie aber antworteten, nein, wir wollen nicht anshören, hast du doch deinen Herrn Gott bei dir, laß dich schützen, und warfen so lange aus ihn, bis sie ihm daö Sakrament ans den Händen schlugen, nun folgten die Mordszencn, und König Wen. zcl soll gesagt haben, die Juden hätten an diesem Tage wie vor Lllterö gebräuchlich gewesen, in ihren Häusern sitzen, und den Ehristen keine Ursache geben, besonders aber den Priester in dem göttlichen Werke nicht ״Verhinderniß thnn sollen." Man braucht diesen Bericht nur zu lesen, um ihn sogleich als nnächt und falsch zu erkennen. Pelzet wagt eS nicht, ein solches grelles falsches Faktum der Nachwelt zu überliefern, er schildert die Schuld der Inden vorsichtiger, und berichtet, daß ein Jude vielleicht von Ohngefähr einen Stein ans den Priester geworfen habe. — Die Chronisten scheinen in der Zeitangabe dieser Metzelei zu divergiren, von einigen wird der letzte Tag des Passahfestes, von andern der Tag nach demselben als der mit Blut und Thränen bezeichnele Tag angegeben. Leider haben beide recht, denn ans der Elegie, wodurch Abigdor diese Gränelszene verewigte, ist zu ersehen, daß die Christen gegen Abend deS letzten Passahtages zu würgen begannen, und daö blutige Geschäft noch am andern Tage fvrtsetzten. Der Name Abigdor Kro, ist in der Selicha אה כל התלאה dem ersten Anblicke nach nicht verewigt, wahrscheinlich fürchtete der fromme Verfasser eine Verantwortung, der aufmerksame Leser findet nicpts destoj weniger eine Hindentnng ans seinen Namen. Die Elegie ist j nämlich alfab. geordnet, gleich dem größten Theil deS Namens; deS Vers. אניגדר und am Schluffe kömmt auch daö Wörtchen 1 קירא vor. Es ist kein Zweifel, daß die von I. Kvhen anj gegebene Jahreszahl 1389, und nicht 1388, wie andereI angeben, die richtige ist. Wir brauchen nur die Ereignisse j des Jahres 1389 inö Auge zn fassen, um zu begreifen, wie ן diese Schanderszene ungestört verübt werden konnte. In diesem Jahre war es, wo sich die Städte an den Kaiser wendeten, nachdem sie im Kriege gegen die Fürsten die Blüte ihrer Mannschaft verloren hatten, für die Auslösung ihrer Gefangenen sehr bedeutende Summen zahlen mußten, von allen Seilen gedrängt, und von dem vorher mit ihnen verbuudenen Theile der Ritterschaft verlassen wurden. Die Fürsten schickten ihrerseits ebenfalls Gesandte an Wenzel, und forderten ihn auf, den Bund der besiegten Städte zu treuneu, und nach Deutschland zurück zn kommen, um durch Dekrete dasjenige zu vollenden, waö ne selbst im Felde so glücklich begonnen hätteil. Wenzel war in großer Verlegenheit, so daß er damals sogar ans den Gedanken kam, die deutsche Krone niederznlegen. Er schrieb daher ans Ostern 1389 einen Reichstag nach Eger ans, nacbdeni er den Abgesandten der Fürsten die bittere Antwort ertheilt hatte, daß er nicht Lust habe, gleich seinem Vater lind Großvater die böhmischen Gelder ans Reisen in Detttschland zu verwenden. Wenn lvir nicht irren, so dürste dieser blntige Akt auch mit dem Benehmen Wenzels gegen die Geistlichkeit im Znsam- I menhange stehen. W. war nichts weniger als rücksichtvoll gegen die damalige Geistlichkeit. Er verfuhr in seinen Erb landen, so oft es im einsiel, militärisch oder ans sklavische Weise mit den Klerus; er zeigte sich in Rücksicht der Lehre als ein Freund derjenigen Männer, welche Wiklifs Scbriften nach Böhmen, und dessen Lehre ans die Kateder und Kanzeln von Prag brachte, er lag, wie mit dem Herrenstände, so auch mit der Geistlichkeit sehr oft in Streit. Ein Hauptgrund dieses Geistes war die fortwährende Geldverlegenheit Wenzels, welche daher rührte, daß ein großer Theil der Krongüter an die Geistlichen und Ritter gekommen war. W. verfuhr mit der Geistlichkeit aus eine eigene Art. Der Dechant in Breslau hatte, im Widerspruch mit der damaligen engherzigen Zunft- und Stadtabgabenverfassnng, fremdes Bier nach BreSlan kommen lassen, und der Magistrat dasselbe angenommen. Dafür thateu die Geistlichen die ganze Stadt in den Bann, und stellten jeden Gottesdienst ein. Ein ^heftiger Streit entbrannte. Wenzel nahm Partei für die Stadt, jagte das Domkapitel auf 2 Jahre hinaus und gab dessen Güter preis, bis sich die Geistlichkeit in seinen Willen fügte. Die Geldverlegenheit aber brachte Wenzel mit Inden oft und häufig in nahe Verbindung. Nach Luzzatv's Bericht Halichoth Kedem S. 79 soll W. mit dem Prager Oberrabbi Abigdor im intimsten Verhältnisse gestanden sein, und sich diesem für die Achtheit des jüdischen Glaubens erklärt haben. Man hat Ursache diesem Berichte beinahe Glauben zu schenken. W. äußerte sich offen gegen allen kindischen Aberglauben, gegen den mechanischen Gottesdienst, gegen alle Relignienverehrnng, gegen welche daö geistige Indenthnm stets zu Felde zog. W. nahm einst keinen Anstand, während seines Jagdlebens, den päpstlichen Legat zn zwingen, ihn und seinen ganzen Hof von den Fasten zu diöpensiren. Eben so war er in Rücksicht von Dogmen, welche daö reine Judenthum nicht akzeptirt, sehr freisinnig, er verhöhnte ganz laut die Lehre vom Fegfener, und als 2 reiche Bürger, die nachher durch HnffenS Predigt berühmt gewor- Vene Kirche Betelhem zu Prag erbauten, in welcher viele Zeremonien und der Bilderdienst abgeschafft wurden, erklärte W., daß diese Art von Gottesdienst die einzig wahre und fruchtbringende sei. Kein Wunder, wenn die Geistlichkeit und daö Volk für dieses Gebahren und diese Herterodorie die Inden verantwortlich machte, mit denen, und vorzüglich mit deren Rabbi W. nähern Umgang pflegte. Abigdor starb nach Znnz zur Geschichte S. 105, im I. 1439. Wir besitzen kein liter. Werk v. ihm. Dagegen war er nach Landshut, Dukes 1c. ein fruchtbarer und lvbenswerther Paitan. Er verfaßte nach ihnen einen PiSiuon אל נקמות. der sich in einem Prager Machsor von הק״יד befindet; eine Ode ans den Bräutigam אהד יחיד ומיוחד im Buche בי־כה המזון einen Pmt ד' בקר השמע קירי gedruckt im Sebach Toda; endlich befinden sich einige Gebete von ihm im sefardischen Machsor. Wir müssen aber erst noch genau untersuchen, ob nn!er Abigdor Verfasser aller dieser Gebetstücke war, denn es will uns bedünken, daß es noch einen Abigdor Kro gab, weil im 3- 1595 in Wien eine Frau starb, die ans ihrem Grabsteine genannt wird: Hinde Tochter des .מה״ אבנדד קריא L. Bickure Hai lim von Slera 1844 S. 55. Das ist offenbar ganz ein anderer Abigdor als der in Rede stehend,. 1439 gestorbene Rabbiner Abigdor.

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