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Ben Chananja · 1861-04-27 · 17 (27.4.1861) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
17 (27.4.1861)
Date
1861-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage znm ״Ben Chananja" Nr. 17 311Öc1111crfofjjnnjj in Srrliicn. Schreiben des Belgrader isr. Gemeindevorstandes an den Red. d. B. CH. Hoehwrirdiger Herr .l^berrabbiner l % bekannter Edelsinn und Ihre Theilnahme für die Schicksale Ihrer RcligionSgenossen veranlassen nns bei unserer gegenwärtigen bedrängten Lage, nnö an Ew. Hochw. zu wenden. Die israelitische Bevölkerung Serbiens hat unter türkischer Herrschaft, wie auch bei Gründung deS FürstenthumS Serbien unter den Fürsten Milosch und Michael Obrenowitz alle bürgerliche Rechte genessen. Erst im Jahre 1843, »11׳ ter Fürst Alerander Karageorgewitz, gelang eS dem serbischen Kaufmannstand durch seinen Einfluß beim Fürsten und Senat durchzusetzen, daß sich die Israeliten mit ihren offenen Geschäften hinter die Stadtmauern Belgrad'ö zurückziehen mußten, so daß ste weder im Innern des Landes, noch in den Vorstädten Belgrad'S Gründe besitzen oder Handel treiben durften. Daß diese Maßregel auf den ökonomischen Zustand der wenig bemittelten Mitglieder unserer Gemeinde ungemein nachtheilig wirkte, ist leicht zu errathen; sehr viele Familien, die sich durch Fleiß früher in Ehren nährten, wurden in den Bettelstand versetzt. Oft hat die israelitische Gemeinde den Fürsten Karageorgewitz um die Aufhebung dieser Maßregel gebeten, doch immer ohne Erfolg. Bei Wiedcrerhebung deö Fürsten Milosch znm serbichen Fürsten kam uns die erwünschte Erlösung. Eine der ersten Sorgen dieses edlen Fürsten war, den Israeliten, die er immer als besondere treue ttnterthanen kannte, die geraubten Rechte wiederzngeben; leider nicht durch ein Gesetz vom Senat angenommen, sondern durch eigene fürstliche Macht- Vollkommenheit. Scheuend vielleicht, daß die Jnlriguen des serbischen KanfmannstandeS die Durchsetzung der Emanzipation seiner treuen Israeliten hindern könnten, ließ er durch eine einfache Rote in der offiziellen Zeitung die Gleichheit aller Bürger ohne ReligionSanSnahme ankündigen und die treue Ausführung dieses Gesetzes den Reichs- und Bezirks- Vorständen befehlen. Die Israeliten benützten diese Gelegenheit und öffne ten Gewölber in verschiedenen Städten im Innern deS Landes. Ost haben die eifersüchtigen serbischen Kansteule Bittlitcn gerichtet, aber sie waren mit Stillschweigen, ja mit Indignation znrückgewiesen. Nach dem Tode deS edlen Fürsten — Friede seiner Asche — wurden die Jntrignen gegen diese Emanzipation kräftiger als je, und hatten leider den Erfolg, daß der Senat die Znrückversetznng der Israeliten in ihre früheren Zustände vervrdnele, weil ihre Emanzipation durch einen fürstl. Gnadenakt und nicht durch ein Gesetz votirt wurde. Die Kreis- und Bezirksvorstände verordnelen den jüdischen Kaufleuten im Innern ihre Gewölbe binnen 31 Tage zu sperren und sich nach Belgrad zurükznziehen. Wir haben gleich eine Bittschrift dem Fürsten Michael eingereicht, laut beiliegender Uebersetzung. Der Fürst ist nnS sehr geneigt, wie es bei einen hochgebildeten und hochsinnigcn Fürsten nicht anders zn denken, aber der Senat, beeinflußt durch den serbischen Kaufmannstand, ist gegen uns, die Bauernklasse ist dagegen für die Israeliten, was sie dadurch beweiset, daß sie, wo nur Jsraeliten sind, gern bei diesen kaust. Wir können auch nicht über Intoleranz der Geistlichkeit klagen-, es ist uns kein Fall bekannt, daß ein serbischer Priester von der Kanzel die Intoleranz gegen nns gepredigt hätte. Der gegenwärtige Erzbischof von hier hat sich gegen die Israeliten immer würdig gezeigt, mau sagt sogar, daß er die letzteren Maßregeln deö Senats gegen die Israeliten gemißbilligt hat. In einem Lande ohne Aristokratie oder großen Gutbesitz, bei der nieder» Kulturstufe der Bauern, ist der Kaufmannstand sehr einflußreich. Die Gemeinderäthe sind nur von Kaufleuten zusammengesetzt, sie haben auch großen Einfluß ans die Beamtenklasse und sogar auf die Senatoren, ihre Verwandte oder Freunde. Ew. Hochwürden kann ai'o die Schwierigkeiten unserer Lage ersehen und unsere ganze Hoffnung ruht ans der Gerechtigkeit und dem Edelmnthe unseres erhabenen Fürsten. ES wäre für nnS von sehr großem Vvrtheile, wenn die Presse für unsere Rechte bald und kräftig wirken gesuche an den Fürsten gegen diese Emanzipation der Israe! möchte; daher bitten wir, Ew. Hochwürden mögen veran-

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