Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 17 (27.4.1861)
- Date
- 1861-04-27
- Page
- Seite 153 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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153 ritterliche Adel entwickelt seine außerordentlichen Kräfte, der Anführer in ihrer Mitte, gleichsam von einem höher» Geiste inspirirt, erscheint überall, wo die Gefahr am größten, wo der Angriff am heftigsten ist und wo eS etwas gitm AitSbcffer» gibt. Wunderbar! Die Fisiognomic dieses Mannes hat einen orientalischen Typus, ich habe etwas ÄhnlicheS ans dem Kasimirplatz in Krakau, auch in unserer Stadt, ja sogar in diesem Saale gesehen. Die Sache ist ganz natürlich, jene belagerte Stadt ist Trembowla und jener oberste Anführer ein polnischer Jude. Samuel Chrzanovski (Beifall). Ein jüdischer Held also vergießt sein Blut für'S Vaterland (Beifall). Er ist ein wahrer Held, in dessen Adern Makkabäcrblut fließt. Ein aiidcccs Kapitel euerer Geschichte reicht schon in die neueste Zeit. Sich'! Eben ist das Schlachtfeld verlassen worden, im Schatten eines Busches stirbt einsam ein polnischer Krieger, in dem man den höher» Offiziersrang erkennt — würdest du es glauben, daß es ein Jude war, der ans dem Felde der Ehre bei Dertheidigung seines Vaterlandes starb? Und cs ist doch dem so, denn jener sterbende Offizier war Berko, Oberst des polnischen Heeres (Beifall). ״Liebet einander wie Brüder!" ein schöner Grundsatz, aber cs ist schwer, daß dir derjenige zugethan sei, den du mit Füßen tretest. Die Gleichstellung wird die Juden ihre» Mitbürgern nähern und den Grundsatz gcgenseitiger Bruderliebe verwirklichen; denn eine besondere jüdische Nation gibt es nicht, ebenso wie es keine katholische, protestantische Nation gibt, denn sonst wäre ja ein Volk im Volke; es ist bloß ein mosaisches oder alttestamentarisches Bekenntniß, als Theil derj gesammten Nation, welche aus allen Einwohnern des Landes besteht (Beifall). Wenn cs gestattet ist den Lantagödeputirten irgend eine Instruktion zu geben, so würde ich sie derart formuliren: Sei gerecht, fürchte Niemand, und offenbare deine Meinung so, wie dir dein Gewissen diktirt. An diesen Grundsätzen festhaltend, wird eS uns vielleicht gelingen, das Gebäude einer bessern Zukunft zu errichten! (Beifall)." 'Nach' Herrn Dübs betrat Herr Dr. Oswald HönigSmann die Rednerbühne und sprach wie folgt: ״Ich stelle mich zu einem ungleichen und sehr schweren Kampfe nämlich zu einem Kampfe mit einem sehr würdigen und allgemein geachteten Manne, der eine Vergangenheit hinter sich hat. Ich habe eine solche Vergangenheit, wie Herr DubS, dem es mir gestattet sei, hier öffentlich meine Hochachtung zu bezeugen, nicht. Ich habe keine Vergangenheit hinter mir, aber was den guten Willen dem Lande gegenüber betrifft, so stehe ich darin Niemand nach (Beifall). ״Ich bin ein Jude und das Land, wo ich geboren bin, liebe ich überaus (Beifall). Ich bin ein Jude und da ich zu einer seit 2000 Jahren gedrückten Bevölkerung gehöre, so habe ich Mitgefühl mit der gedrückten polnischen Nation (Beifall). Ich bin ein Jude, gehöre daher zu einem Volke, welches aus lauter Volk besteht, und keine Eintheilung in Stände kennt, keine Aristokratie hat; ich bin daher ein Demokrat, aber kein Demagog." Ohne sich in Einzelheiten über das Verhältniß Galiziens zum Gesammtstaate einzulaffen, erklärt HönigSmann sich für die Autonomie und wendet sich hiraus zur Gleichstellung der Juden. ״Ich bin weiter für die Gleichberechtigung der Juden j(Beisall). Ich habe oft Behauptungen gelesen, wir wären gleichberechtigt; denn wir sind vor dem Gesetze gleich mit den Christen. Leider ist dem nicht so! Ich verlange Gleichberechtigung in Schule, Amt und allen Zweigen des Erwerbes. So lange dies nicht erfolgen wird, solange die Juden nicht alle den Christen zukommenden Rechte erlangen werden, solange ist die gänzliche Verschmelzung der Juden mit der übrigen jLandeSbcvälkerung unmöglich. Ebenso unbegründet ist die Furcht, daß das Land durch die Gleichstellung der Juden seinen christlichen Charakter verlieren werde. Dieses brauchet ihr nicht zu befürchten; denn das Verhältniß der jüdischen Bevölkerung zur christlichen ist wie 1 zu 16. Die Jude!» find freilich talentvoll, die Unglücksfälle dieses Volkes haben zu seiner intellektuellen Entwickelung beigetrageu; es steht aber nicht zu befürchten, daß die Christen von den Inden verdrängt werden. Ihr habet ein Beispiel an andern Ländern, an Frankreich und an Belgien: dort herrscht Gleichberechtigung, und trotzdem haben diese Länder ihren christlichen Charakter nicht verloren. Ich bin der Ueberzeuguug, daß die Gleichstellung der Juden einen guten Einfluß auf die christliche Bevölkerung üben würde, sic würde Sie zum Wetteifer mit den Juden und zur Spannung ihrer moralischen und intellektnellen Kräfte anfpornen. Was verlange» denn die Juden so Außerordentliches? Sie verlangen nur, daß man nach Verdienst und nicht nach dem religiösen Bekcntniffe Stellen und Würden vertheile, daß die Juden in Wirklichkeit Andern im Gesetze gegenüber gleich wären, daß ihnen sreistünde, nach Höherem zu streben. Jeder wird nur eingestehen, daß ich bloß ein angeborneS Recht fordere. Der Egoismus hat einen Unterschied zwischen den Rechten dieser oder jener Klaffe der Gesellschaft cingeführt; aber jeder Mensch hat doch ein gleiches Recht zur Freiheit, Jeder ist mit gleichem Rechte, die Freiheit zu genießen, zur Welt gekommen. (Beifall.)" Neh. Landes. — Pest, 24. April. Von unserm verdienstvollen Oberkantor Friedman» ist eine kleine Sammlung religiöser Lieder erschienen, deren musikalischer Werth von Sachkennern sehr gelobt wird. Der hoffuungSvolle Dichter Adolf Tatay hat den ung. Tert dazu geliefert. Die Statute» des ungarischen Vereins find ebenfalls im Drucke erschienen. Als eine sehr zeitgemäße lit. Erscheinung muß ich die ung. Uebersetzung der Rede M acaulay'ö ü. d. Emanz., die vor Kurzem in Klsusenb. erschienen,bezeichnen. DerUcbersetzer, jur. Kand. L. Fischer, entwickelt auch sonst eine anerkennenSwerthe Thätigkeit zu Gunsten der fiebenbürgischen Juden. Rabb. Sam. Ro senk erg hat eine höchst interessante Bro'chüre,.die 1848-er Gesetze u. d. Gleichberechtigung der Juden" herausgegeben, und Paul S. Zilahv (isr. Stud.) hat dieselbe in'S Ungarische übersetzt. Der in ung. Sprache erscheinende ״uug. Jscaelite", red. v. Rabb. Rokonstein, erfreut fich einer weiten Verbreitung; wie ich höre soll anch Bartholomäus Ormody (als ung. Dichter vortheilhaft bekannt) mit dem Plane umgehen, ein ung. Journal zu gründen. Sie sehen aus all dem, daß unsere Glaubensbcüdec auf dem Gebiete der ung. Literatur eine anerkennenSwerthe Thätigkeit entwickeln. Daß L ö w'» neueste ung. Predigt ״die Auferstehung" nicht in den Buchhandel kam, ist jedenfalls tadelnSwertb. Von unserm berühmten Landsmann Horn in Paris wird sichern! Vernehmen nach eine allgemeine Statistik der Israeliten auf dem ganzen Grdenrunde erscheinen. Literarische Anzeigen. הצופה על דרכי המשנה, Beleuchtung des Werkes ״Darke Hamischna" von vr. B. Auerbach. Von X., in Frankfurt am Main. (Schluß.) S. 14. wird F. mit Hohn vorgeworfen, daß er in der M. nur zwei sinaitische Halachoth aufgefunden habe, während Ende Edioth noch eine solche aufgeführt ist, daß Elio nicht erscheint, um Etwas für rein oder unrein zu erklären. Beer in seiner Rezension (Z. d. M. G. S. 320) macht dieselbe Bemerkung, fügt aber richtig hinzu, F. habe sie ausgelassen, ״weil jene Stelle, als auf die Zukunft sich beziehend, mehr haggadischer Natur ist." In der That ist auch diese Stelle in der