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Ben Chananja · 1861-04-27 · 17 (27.4.1861) · p. Seite 152

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
17 (27.4.1861)
Date
1861-04-27
Page
Seite 152 (sequence 6)
Language
German
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152 r>a« jüdischen Geistesleben 71271 CE"2 כי• Das Wenige was bei uns auf dem Gebiete der Religion nnd der Moral geschieht, geht von Laien ans. So die Nebersetznng der Bibel, der Gebete, so die Meditations biliques 8ur le Pentateuque, la Semaine Israeli ts. Einer der Uebersetzec der Gebete ist ein Deutscher, so wie Mnnk ebenfalls ein Deutscher ist. Der einzig französische Gelehrte der die Chachme Zarfath auf eine würdige Art vertritt ist unser Land mann G. Carmoly, über dessen literarische Thätigkeit ich nächstens ausführlich schreiben werde. V. A. Inland v Wien, 19. April. Prof. Pinsker ans Odessa, der rühmlichst bekannte Vers. d. Lik. Kadm. über die Karäer, laßt jetzt hier eine hebr. Schrift n. d. T. H2271 מבוא אל הנהור האשורי או drucken, die nicht verfehlen wird, die Aufmerksamkeit aller Bibelforscher in hohem Grade zu feßcln. Für die assyrische Pnnktation sind eigene Typen gegossen worden. ß Wien, 22. April. So eben hat die Presse verlassen: ״Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der jüd. Dogmen n. d. jüd. Kultus V. L. Skreinka. (Druck v. Friedr. Förster)." Bei der bekannten gründlichen Quellcnkimde des sel. Vers, wird sich d. Werk ohne Zweifel einer »veiten Verbreilung zu erfreuen haben. — Wien, 23. April. Dem soeben erschienenen 18. Berichte des Vereins z. Bef. d.IHandw. u. d. inl. Israeliten entnehme ich solgende Notizen: Die dieSj. Einnahmen von 6329 fl. 13 kr. hat die Ausgäbe mit 134 st. 76 kr. überschritten. Die größte Rubrik unter den Ausgaben, Wäsche 11. Bekleidung, betrug: 3592 fl. 82 kr. Das Vermögen des V. beläuft sich ans 53,837 fl. 93 kr. Im abgrl. I. hat der V. 49 Zöglinge aufgenomuicn und bei 11 Gewerben untergebracht; 33 haden die Lehre verlasse»; cuu Schluffe d. I. blieben 137 Zöglinge bei 12 verschiedenen Gewerben. Außerdem wurden 50 Lehrlinge, unterstützt.! 30 Zöglinge sind in Gewerbeschulen anfgenommen, 28 zu Gesellen gesprochen worden. Zn Folge des Umschwunges der bürgerlichen Verhältniffe wird es d. Verein gestattet sein, eine noch umfassendere Thätigkeit zu entfalten. Pest, 19. April. Die größeren ung. Zournale bringen folgende ״Erklärung״Bei der am 17. d. M. beim Gr. Eduard Kärolyi gehaltenen Konferenz habe!ch allerdings die parallel mit der Emanzipation zu geschehende Gründung eines Kulturvcreins zur Sprache gebracht; iu sonstige Motionen ließ ich mich nicht ein. Pest, 18. Apr. Oberrabb. L ö w." X Preßburg, 21. April. ״Offener Protest," — unter diesem Titel ist hier vor einigen Tagen ein vom ״Komitö für Ucberwachnng und Regelung der isr. KultuSgemeinde-Angelegenheiten" unterzeichneteö Schriftstück erschienen, welches den bisherigen hies. Gemeindevorstehec C. W. Pappen heim und dessen Kollegen der Willkür zeiht. Die so oft niedergehaltene Reformpartei der hiesigen Gemeinde, scheint neuerdings das Haupt erheben zu wollen. Dem Vernehmen nach ist Hr. Zgn. Deutsch in Wien v. d. hies. Orthod. aufgefordcrt worden, feinen vielbewährren Einfluß gegen die Neuerer geltend zu machen. © Pest, 21. April. Der zu Gunsten der Emanzipation geschriebene ״Aufrns״ v. dem gelehrten Sigmund Kranö in Körüs-Ladüny wird mit vielem Interesse gelesen. Der vielbewährte Religionslehrer Ziltz fährt fort, die Literatur seines Faches mit Erfolg zu bereichern. Sein Emunat Omen ist soeben in ung. Sprache erschienen. K. Göding in Mähren, 10. April. Die Zustände der hiesigen Gemeinde sind höchst erfreulich. Die oberste Direktionskrast ruht in der weisen und taktvollen Hand unseres Kultusvorstehers Herrn Friedrich Karplns, der schon vor zwei Dezennien als einer der intelligentesten Männer Mährens bekannt war. So wurdet hier vor zwei Jahren ein neuer Tempel vom Prediger vr. Jellinek tingeweihet, welcher, kurz gesagt, herrlich genannt werden kann. Die ganze Gemeinde zält kaum mehr als 40 Familien. Nichtsdestoweniger wurde vor einem Jahre unter der Direktion des nunmehr, weil auf einen höhern Posten berufen, ausscheidenden Dirigenten Eohne, eine jetzt florirende Schule eröffnet. — Leider kann von der benachbarten ungarischen, mehr als 200 israelitische Familien zählenden Gemeinde Holics nicht so viel gesagt werden. Daselbst besteht eine öffentliche zweiklassige Volksschule, welche, so viel bekannt, entsprechende Leistungen aufzuweiscn hat. Allein es hat dem neuen Vorstände beliebt den von der srühern Regierung definitiv angestelltcn Lehrern zu kündigen, angeblich, weil die Schule wider den allgemeinen Willen d. Gem. gegründet wurde; ein Grund, der die Anschauung und den Bildungsgrad letzterer eben nicht in edelsten Lichte zeigt. Aus Galizien. Ende März. In Lemberg kandidirtcn für den Landtag: Markus Dubö und vr. Oswald HönigSmann. Am 17. d. M. wurde daselbst eine Wahlbesprechung gehalten und M. Dubö betrat, wie der kr26Alad berichtet, unter allgemeinem Beifallrufe die Rednerbühne, wo er eine polnisch» Rede hielt, die im Wesentlichen also lautet: Zuerst dankt er für die ihm bewiesene Zuneigung seiner Mitbürger und sagt, daß er ein Mann von Charakterfestigkeit ist, und nicht seine Grundsätze nach Bequemlichkeit wechselt. Als die erste und wichtigste Aufgabe des Landtages betrachtet er die Bildung des Landvolkes durch Gründung von Schulen, bessere Dotirnng der Lehrer nnd Einsührung des Schulzwanges; ferner macht er darauf aufmerksam, daß mau beim Landvolkc die Tugend der Sparsamkeit wecke durch Gründüng von Sparkassen; dann befürwortet er die Gründung von VerficherungSanstalten, den Bedürfnissen des Landvolkes entsprechend, wie es deren im Königreiche Polen gibt. Der Lqndtag soll auch auf die weitere Entwickelung des koustitutionellen Lebens hinarbeiten, als: Freiheit der Person, Preßfreiheit, Freiheit der Zusammenkünfte, Absondernng der politischen Administration von der Gerichtsbarkeit; hierauf berührt er die Steuern und auf die Zudenfrage übergehend, drückt er sich also aus: ״Indem ich auf die Gleichberechtigung der Juden übergehe, verlange ich solche nicht bloß im Interesse der Juden, sondern im Intereffe des allgemeinen Wohles. — Jeder Mensch muß leben; gestattet man ihm nicht so wie andere zu leben und zu erwerben, so nöthigt man ihn eine dem allgemeinen Wohle minder nützliche, ja sogar schädliche Erwerbsquelle zu wählen. Wenn du den Juden von der Landstraffe verdrängst, so hast du ihn durch dein Verfahren ans Irrwege geleitet (Beifall). Aber die Juden leihen auf Wucher! Dieser Vorwurf wäre gerechtfertigt, wenn die Inden ein Recht hätten Jemanden ein Anlehcn anfzndringen; aber die Sache verhält sich umgekehrt, denn sie werden oft durch Versprechungen, Komplimente und dgl. zum Leihen genüthigt. Sobald aber die Zeit der Rückzahlung des Kapitals kommt, so beginneu die angewachsenen Zinsen empfindlich zu werden, und es entsteht daher ein Lärm: Juden-Wucherer! Jüdischer Wucher! (Beifall.) In Warheit aber gesprochen, ist das thcilweise Euere eigene Schuld, denn seit ich Euch kenne, bcnöthigt Ihr nur immer und immer Geld! (Rauschender Beifall.) Leihen denn alle Juden auf Wucher? Wir haben ja Hand- Werker, Kaufleute. Landwirthe; eö gibt kein Feld der Wissenschaft, auf welchem die Juden nicht ihre Repräsentanten hätten. Daß die Juden keine Feiglinge sind ist bewiesen. Euere Geschichte enthält eine Menge schöner Blätter hievon, es sei mir nur gestattet einige derselben zu berühren. Da sieh! eine polnische Stadt ist von den Türken belagert, Schrecken bemächtiget sich der Bewohner, der

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