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Ben Chananja · 1861-04-27 · 17 (27.4.1861) · p. Seite 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
17 (27.4.1861)
Date
1861-04-27
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
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151 Furcht, daß sic es jetzt anfangen wcrvcn zu thun: Wir haben dieses nur ausgehoben, um zu zeigen, wie leer eine GlaubcnSgesellschaft ist, wenn sic ihre eigene Sachen nicht kennt, und lauter fremde Sachen uachäffend in sich anfnimmt. Ohne uns in Diskussionen einzulaffcn, verweisen wir bloS aus das Gebetbuch, worin von kopfhängerischen Gedanken keine Rede ist. Es findet sich Vernünftiges außerhalb der Tradition. Wo aber die Tradition nur dem Vernünftigen ihren Stämpel aufgcdrückt hat, darf dieser Stämpel nicht fehlen. Was wir über das NcnjahcSfest lesen ist sehr vernünftig, ist der Inhalt des ׳ונתנה תוקף welches die thalmudische Idee von dem göttlichen Gerichte (יו□ הדין) enthält. Es gehört dieses der Tradition an, in der Bibel stehet nichts davon. Der ונתנה תוקף obwol derselbe nicht auf dem Berge Sinai gegeben wurde, ist seit Iahrhuriderten in allen nicht spanischen Gemeinden aufgcnommcn worden. Die Juden haben bei dem Nezitircn viele Thräncn vergossen: Es bat in seiner Einfachheit mehr Einfluß ausgeübt als die neueru theatralischen Vorstellungen die man zuweilen in der Synagoge zum Besten gegeben hat, die bloß Nachäffnng des christlichen Kultus sind, ohne Rücksicht auf deren Nothwcudigkeit ף. Es ist in dem Buche die Fräse ״wir müssen das Gesetz des Wechsels alzcptiren." Dieses Gesetz des Wechsels, welches den Menschen in sehr engen Banden hält, ist allgemein menschlich und hat mit keiner bestimmten Religion und am allerwenigsten mit dem *שוסו Blasen etwas gemein. Ein altgricchischer Filosof, verlor einen Sohn. Ohne Thränen zu vergießen begrub er denselben, mit der Bemerkung: ״ich wußte wol daß ich einen sterblichen Sohn erzeugte." Dieser Filosof hat sehr richtig das Gesetz des Wechsels in sich ausgenommen, und konnte das *שוסו Blasen wol entbehren. Das jüdische Gebetbuch gibt auch darüber Auskunft. Es ist dem Filosofcn oder dem silososischen Kulturhistoriker erlaubt, manches Spezielle zur Allgemeinheit der Idee zu erheben. Theilweise ist dieses auch das Wesen der Allegories). Dieses aber für Kinder zu thun, ist nicht nur überflüssig sondern schädlich. Einmal müssen ja die Kinder das Spezielle erfahren. ״Es ist nicht nothwcndig — sagte einst ein chinesischer Filosof — daß man ein Buch schreibe, cs ist aber nicht überflüssig, daß man von der Sache etwas verstehe worüber mau schreibt". Lob und Tadel sind, wie so viele andere Dinge in der fisischen Welt, nicht nach der Menge sondern nach der Beschaffenheit zu bemessen. Das Lob oder der Tadel eines Kenners ist höher anznschlagcn, als das Lob oder Tadel von tausend Unwissenden. Wie manche Stoffe in der Natur sind Lob und Tadel selten rein zu finden. Lob ist zuweilen mit Höflichkeit gemischt. Tadel mit Personlichen Rücksichten. Aber selbst nach Abzug dieser fremdartigen Stoffe, bleibt noch genug übrig um sich daran zu halten, wenn Lob und Tadel von einem Verständigen auügefprocheu werden. Der Respekt, welchen wir vor der Verfasserin dieses Buches haben, hat uns abgchalten eine eigentliche Rezension zu schreiben. Der Respekt aber, den wir vor Literärgeschichte haben, hat uns abgehalten gänzlich zu schweigen. Wir loben das Buch nicht und tadeln es auch nicht. Man tadelt Gutes zuweilen, daß es nicht noch besser ist, man lobt Schlechtes zuweilen, daß es nicht noch schlechter sind. Bücher wie das hier besprochene, sind selten so gut um getadelt zu werden, und selten so schlecht um gelobt zu werden Hätte dieses Buch einen Mann zum Verfasser, so hätten wir gewiß eine sehr gute Rezension darüber schreiben können, falls wir es überhaupt gewürdigt hätten anzuschen. Nicht daß wir Ansprüche auf Gelehrsamkeit machen, die Unbekanntschast des Autors mit seinem Gegenstände hätte unserer Rezension Glanz verliehen. Der Dilletantismus dieses Buches hat ein Bischen kritischen DilletantiSmnS von unserer Seite hcrvorgcrufen. ״Man ist so lange frei sagt ein arabisches Sprichwort bis man ein Buch geschrieben hat." Wir hätten diesen ganzen Brief der edlen Dame schicken können׳ Wer weiß ob sic den geschriebenen Brief anzusehen gewürdigt hätte? Wir haben den geschriebenen in einen gedruckten Brief verwandelt; ob sie ihn anzusehen würdigen wird? Wir wären untröstlich darüber. Sollte gar kein Trost uns geblieben sein? Ein einziger ist uns geblieben. Vielleicht dies ist er -lesen andere Leute unfern Brief. Daß ein Unbekannter bekannt zu werden wünscht, ist eine Thatsache. von welchen ich ans den letzten 3000 2manche Beispiele anführen könnte. Wir verrathen hier das Geheimniß, daß auch wir diesen Wunsch seit einigen Wochen hegen. Wir waren daher so frei, den Leser dieser Blätter zum Mitgehilfen zu machen, bei der Ausführung dieses Wunsches. Wir hoffen wenigstens die Verzeihung des Lesers, so wie auch der Leserin, falls edle Blaustrümpflichkeit sich zum Lesen desselben geneigt fühlen sollte. vr. Zeman d. Anmerkungen. ') Selben: Tablc Talh oft gedruckt. Ein sehr interessantes Werk. ף Zn Schottland besonders, aber auch in England heißt der Sonntag der christliche Sabbat. Es begegnet dieses Wort dem Leser, in Zeitungen und frommen Abhandlungen, die einen theologischeu Anstrich haben. Zn Schottland aber — wie wir hören — ist dieser Ausdruck ganz allgemein. Der christliche Sabbat — dies muß mau vor klugen haben — ist eine christliche Tradition. Denn im neuen Testamente stehet nichts von Sonntag. ב) Die Traurigkeit eines englischen Sonntags haben alle Reisenden beschrieben. Alle öffentlichen UntcrhaltungSplätze als Theater, Konzertsäle u. s. f. sind geschlossen. In Schottland essen viele kalten Speisen um nicht am Sonntag zu kochen. Das Wunder ist, daß doch kein מגן אברהם bei der englischen Nation eristirt. Wir wollen bei dieser Gelegenheit unsere Ansicht aussprechen, daß die Gcsunkenheit der nieder» Klaffen in England von diesem unnützen christlichen Sabbat herrührt. Diese Klaffen haben keine Gelegenheit sich menschlich zu unterhalten. Sic müssen sich betrinken. Ihre Sünden zu überzählen scheinen sie auch keine Lust zu haben. Und so könnte sagen sie betrinken sich 0116 שמים- <) Es mag bei dieser Gelegenheit bemerkt sein, daß die D i ssentcr in England weder Orgel noch Kon firm atiou haben. Selbst die englische Kirche hat die Orgel erst in de» letzte» 60—70 Jahre» eingeführt. Früher hielt sie cs nicht statthaft, und betrachtete cö als Nachahmung der römisch-katholischen Kirche. 5) Herr L. Dukes hat in seinem Buche über Salomo b e n G e b i r o l (S. 107) einige Audentnugen über Allegorie gegeben. Paris, 3. April. Ich kann es nicht aussprechcn, wie sehr mich die Bemerkung der jüngsten Nr. des Ben Chananja, S. 108 getroffen hat. ״Während im Mittelalter die Chachme Zarfath eine solche bedeutende Stellung in der jüd. Literatur cinnahmen, daß noch heute ihre halachischeu Produkte maßgebend sind, standen die französischen Gelehrten der Gegenwart bis jetzt, ungeachtet des regen jüdischen GeistcSlebcn ganz im Hintergründe." Leider nur allzu wahr! Unsere Geistliche, sowol die Ober als Unter Rabbiner bekümmern sich wenig um

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