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Ben Chananja · 1861-04-19 · 16 (19.4.1861) · p. Seite 144

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
16 (19.4.1861)
Date
1861-04-19
Page
Seite 144 (sequence 6)
Language
German
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144 Das Buch ist für Kinder geschrieben. Wir wünschen der edlen Dame so lange zu leben, bis es die Kinder verstehen werden. Rein menschliche Gedanken und Gefüble und sprachliche Eleganz haben sich in diesem Buche zur guten Stunde vereinigt. Die Gefühle ehren den Menschen, die Sprache ehrt die Schriftstellerin als solche! Eine ganze Welt ist vereinigt, das Lob der edlen Dame zu proktamiren. Wir können »NS daher von dieser angenehmen Beschäftigung dispennren. Die segenspendende Hand der edlen Dame ist allbekannt. Ihre Feder so sein und zierlich ist aber nur Wenigen bekannt. Das Buch, welches ihr zum Schmucke gereicht, hätte durch ihren Namen, wenn dieselbe für gut befnnden hätte ihn dem Buche vorznsetzen, einen noch höher» Schmuck erhalten. Bescheidenheit — oder sonstige unbekannte Gründe, haben den Namen der Welt vorenthalten. Es ist aber das öffentliche Geheimniß, wer die Versaßcrin ist. Es ist daher nicht nothwendig, daß wir es verrathen. Das Buch ist interessant -- für Nnitari er, und kann auch unter Umständen, für Juden nicht schädlich sein. Das Buch bestehet aus 2 Abtheilungcn. Die eine enthält allgemeine moralische Lehren, die andere speziell-jüdische Sachen. Z. B. dir jüdischen Feste u. s. f. Dem Wesen nach stehet dieses Buch in der Mitte zwischen einer Predigt und einem Handbuch der Religion, ohne eins von beiden zu sein. Die allgemeinen moralischen Lehren find positiv. Das jüdische darin aber nur negativ. Für die allgemeine Moral ist zu viel Biblisches darin. Für das speziell-jüdische ist zu wenig Jüdisches darin. Es ist das Buch zwar nicht christlich, aber es ist ein protestantischer Geist darin, der nicht für unfern Geschmack ist. Das Buch heißt zwar nicht Predigt; Es heißt ״Anreden" (Adrcsses). Es ist eine Art Predigt außerhalb der Synagoge gehalten. Einen Toast und eine Predigt kann jeder Engländer machen. Es ist zwar nicht jeder Toast gut, es ist nicht eine jede Predigt erbaulich. Talent ist zu beiden erforderlich. Der gute Wein aber, erträgt auch einen schlechten Toast, der g e d u l d i g e Zuhörer erträgt auch eine schlechte Predigt. Eine gute Predigt zu machen, ist das Talent des Predigers. Eine schlechte zu hören das Talent des Zuhörers. Daß zwischen Esra und D. W. Marks — ein Zeitraum von 2500 Jahren beinahe — im Judenthume etwas geschehen sein muß, darf man getrost vermuthen. Es wäre sehr fatal, wenn gar nicht» geschehen sein sollte. Es ist anch wirklich manches geschehen. Seit 2600 Jahren ist dieses unter den allgemeinen Namen Tradition bekannt. Die Pro testanten haben die Tradition abgeschafft. Es ist dieses der erste Grundsatz ihrer Religion. Bei den Juden ist dieses noch nicht geschehen. Man muß bis dorthin, wo die Tradition abgeschafft werden wird, dieselbe immer in allen Rejigionsbüchern mit sich führen. Alle geoffenbarte Religionen haben eine Tradition. Alle Tradilionen haben eine Allegorie. Alle Allegorie hat man nicht entbehren können, obwol man sie theilweise als schädlich betrachten mußte. Es find die meisten Predigten doch heute auch nur Allegorien. Diese Allegorien zu finden und rhetorisch zu beleben und zu schmücken ist die Aufgabe des guten Predigers, wenn er nicht etwa als Filolog oder als Thalmudift austrcten will. Tradition stempelt die Gedanken, welche der Gesammiheit gehören, mit den Zeichen der Individualität einer einzigen Glaubensgcsellschast. Daß die Juden eine Tradition haben, ist kein Zweifel. Das wenigste, was sie thnn, ist in der Bibel zn finden. Was die Bibel ist mit) was sie nicht ist, darüber gibt die Tradition Kunde. Ob sie wahr oder falsch ist, ob sie gut oder schlecht ist, das kann gleichviel sein, Kinder müssen erfahren, daß es eine Tradition gib! Es siebet dann bei ihnen, ob sie eü glauben wollen oder nicht. Daß es übcrbanpt eine Bibel gibt, erfährt man erst durch die Tradition. Wir haben das Wort Traditio» nicht in diesem Buche gesehen. Ob dieser Brief überflüssig ist, oder nicht, dieses hängt — genau genommen, von der Frage ab: ob das Buch worüber dieser Brief handelt, überflüssig ist oder nicht. Diese Frage aber beantwortet zu sehen, darf der Leser von dem Korrespondenten an» allerwenigsten erwarten. vr. Jemand. (Fortsetzung folgt.) Inland. H. Pest, 14. April. Wie ich höre sind die Zweifel, ob die Versammlung der Repräsentanteu der jüd. Gemeinden Ungarn's zu Stande kommen werde, nunmehr geschwunden. Ein Thcil der Vertreter ist bereits angelangt, andere werden mit den nächste» Eisenbahnzügrn erwartet. Unter den Angckommencn sind einige Doktoren. Dem Redakteur des Ben Ehananja, der heute Morgens als Vertreter der jüd. Gemeinden im Csongrndcr Komitate cintreffen sollte, war am Bahnhofe eine Ovation zngedacht*). Obcrrabb. Mciscl hat am letzt verflossenen Sabbate das Gebet für Fürst und Vaterland in ungarischer Sprache verrichtet. Von einem Zweikampfe, der in diesen Tagen zwischen hervorragenden Persönlichkeiten soll stattgesundcn haben . ist an Sie wol nicht zu berichten. Dagegen muß ich das ״Duell auf Carmel" erwähnen. Es ist dies die Uebcrschrist eines deutschen Aussatzes, welcher einer hebr. Streitschrift bcigegebcn ist. Vers.: David Schlesinger, Rabb. in Bösing. Vers. d. Mecholath Ha-Machnaim. Gegenstand: Die Almemorfrage. Hr. Rabb. Schlesinger überläßt seinem Gegner, dem Hrn. Dr. Mciscl, nicht die Wahl der Waffen. Vielmehr dringt rr darauf, daß sich auch letzterer in der großen Fehde, aus die rr sich eingelassen, der hebr. Sprache bediene. Pest, 16. April. Die hent. Sitzung der anwesenden Repräsentanten der ung. isr. Gem. wurde bei verschlossenen Thüren gehalten; doch kann ich Ihnen aus unzweifelhafter Quelle die Beschlüsse mittheilen: die in der Folge abzuhaltenden Sitznngen werden bei offenen Thüren geschehen; jedem Repräsentanten steht es frei, seine Vortragssprache lnngarisch oder deutsch) zu bestimmen. Die ung. Redner sollen jedoch gehalten sein, ihre Vorträge ins Deutsche zu übersetzen. DaS Protokoll wird in beiden Sprachen abgefaßt werden. Morgen Näheres. Pest, 18. April. In der gestrigen, öffentlichen Sitzung der Repräsentanten ung. Gem. wurde beschlossen, bei dem Landtage nicht um die Emanzipation zu petitionireu. Eine Minorität, an deren Spitze Holländer stand. sprach für eine Eingabe beim Landtage. L ö w setzte ausführlich auseinander, daß eine Eingabe im Namen d e r ung. Juden nicht möglich sei, indem die Gemeinden in 23 Komitaten und 5 Freistädten gar nicht vertreten seien. Ligeti'S Antrag, die Gesinnungen und Erwartungen der Juden in Ungarn am Schlüsse des Protokolls auf eine angemessene Weise auszudrücken, fand vielfache Unterstützung, und wurde von Löw dahin erweitert, daß zur Abfassung dieses Protokolls eine Kommission gewählt werde, was auch wirklich geschah. Dagegen fand seilt Antrag, daß der isr. ung. Verein unterstützt, und 3—4 jüd. Jünglingen, die das Studium der Rechte beendet haben, eine Unterstützung zn bestimmen, damit dieselben als fleißige Zuhörer der LandtagSverhandlungen ihre politische Bildung vollenden mögen, vorläufig keinen Anklang. Doch haben sich bei der Abendfltzung des ung. Vereins, zn welchen! die Repräsentanten geladen, mehrere der letztern als Mitglieder des Vereins nnterzeichnet. In dieser Sitzung kam auch die nng. Bibelübersetzung zur Sprache, worüber heute eine Besprechung stausiudcn soll. Ans Galizien. Am 26. März l. I. sand i»l jüdischen Tempel zu Lemberg eine Versammlung der jüdischen Wähler statt, zu welcher auch, wie der Przeglad berichtet, die polnischen Landtags-Kandidaten Herr 1)r. JieiniaikowSki und Graf Borkowski (beide Reichötagsdepulirte im Jahre 1848) geladen wurde». ’) Für die freundliche Begrüßung von Seite der Pester israel. Jugend (am Abende dess. Tageü) meinen herzlichen Dank. R e d.

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