Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 16 (19.4.1861)
- Date
- 1861-04-19
- Page
- Seite 140 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Gesetzgebung und mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung der Gegenwart als eine legislative Maßregel fordert, welche der Landtag unbedingt auszusprechen hat. Nachdem Hr. LukäcS die Emanzipation von politischen Standpunkte besprochen und auf die neueste Wendung der ausländischen Journaliftik Ungarn gegenüber aufmerksam gemacht hat, fährt er fort: ״Der ungarische Landtag möge daher eilen, diesem ärgerlichen Anachronismus in unserm Vaterlande ein Ende zu machen, diesem versteinerten Ueberblcibsel mittelalterlichen Aberglaubens und mittelalterlicher Intoleranz, welches ans unseren übrigen, von der Freisinnigkeit, Billigkeit und religiösen Duldsamkeit diktirten Gesetzen, so häßlich herausschreit. Könnte man doch selbst das Andenken daran auslöschen, daß der Jude in Ungarn noch 1861 wcgenseinerReligion rechtlos war, was unsere Nachkommen eben so verwundernd, zweifelnd und erröthend hören werden, wie wir es kaum zu glauben vermögen, daß man noch im vergangenen Jahrhundert zu Szegedin Heren verbrannt hat. Knüpfen wir also diese von der Gerechtigkeit und Billigkeit, vom Zeitgeiste und unserem eigenen Interesse gebotene Maßregel nicht an erschwerende und verspätende Bedingungen, in denen die europäische öffentliche Meinung nur einen Vorwand zur Vertagung und Verwerfung erblicken würde." Das ist die Sprache echten Freisinns! Die Geschichte der Indien wird Moritz Lukäcs neben den erleuchteten Männern neiüren, welche seit Diontesquieu auch für die Juden die Rechte des Menschen und des Bürgers in Anspruch nehmen. Die Mische Üemciiiöe zn fimdcnfiurg in Mhren. Historische Skizze v. David Löwy, Oberlehrer daselbst. Gelänge es, aus dem Schachte dunkler Vergangenheit das erste Werden jüdischer Gemeinden allenthalben ans Licht zu fördern, das Ergebniß müßte ohne Zweifel eine überreiche Ausbeute für jüdische Geschichte liefern. Doch mag die Genesis derselben zu allen Zeiten etwa zweifacher Art gewesen sein: sporadisch, indem sich einzelne Familien oder Individuen an einem Orte ansässig machten, denen bald mehrere dahin folgten, besonders so der Ort an NahrungSquellen ergiebig war, bis sich endlich das Agregat der Einzelnen zu einem organischen Gemeinwesen mit den nöthigen Kultusinstitutionen erhob — oder eS langten ganze Massen auö ihrer bisherigen Heimat verdrängt und vertrieben schütz- und hilfesuchend an einem Orte an, um sich dort niederzulassen, wo ihrem flüchtigen Fuße eine Ruhestätte und wenn auch nur momentaner Schutz geboten ward. Auf letztere Weise entstand die jüdische Gemeinde Lundenburgs. Es war im Jahre 1651, also 19 Jahre vor der Austreibung der Juden aus Wien und den österrcichischon Erblanden, die 1670 erfolgte, vertrieb das Städtchen Feldsberg in Niederöfterreich an der Gränze Mährens ihre zahlreichen jüdischen Bewohner. Die armen Heimatlosen wendeten sich zu Lichtenstein, und dieser gewährte ihnen eine Freistadt auf seinen in der Nähe liegenden Herrschaften, worunter nebst Nikolsburg, Kostl, Eisgrub auch Lundeuburg gehörte. Der primitive Zustand letzterer Gemeinde war äuserst armselig. Der Gemeindeglieder waren nur wenige; ein amtliches Dokument vom Jahre 1702 zählt bloß einige 30 Familien auf, die in etwa 12 Häusern wohnten, und dennoch hatten sie 327 fl. jährliche Kontributionsgelder zu zahlen. Noch findet sich ein Supplikandum ddto 1741 vor, wo die ״ärmbste Gesambte unterthänige Juden Gemeinde in Tüfster submission" um Einfriedung des Begräbnißplatzes die Herrschaft ansucht, und sich dafür verbindlich macht, statt der bisherigen 15 fl. jährlich 20 Gulden zu zahlen. Das erste Gotteshaus ward im I. 1672 erbaut. Nachdem dieses gerade ein Vierteljahrhundert gestanden, ereignete sich folgende höchst merkwürdige Episode. Es war am 11. Teweth 1697) ת״נ״ה) da stand die kleine Gemeinde zur Neige des kurzen Wintertages vor der Synagoge, deS Schließers harrend, der zum Minchagebete dieselbe öffnen sollte. Doch wie ungeduldig auch die Menge harret, der Diener findet den Schlüssel nicht. Da wurden plötzlich die Harrenden vom Getöse eines Einsturzes aus den Räumen des Gotteshauses erschreckt, und in diesem Momente kömmt freudig und athemlos der Schließer mit dem gefundenen Schlüssel herbei, man öffnet, und nimmt mit tiefer Erschütterung und heiligen Dankgefühlen wahr, welcher Gefahr man entronnen; denn die Gewölbung war sammt und sonders eingestürzt! Die Verlegung des SchlüsselS war das providentielle Mittel zur Rettung der Gemeinde vom sichern Tode. Der Eindruck muß ein überaus mächtiger gewesen sein. Der derzeitige Rabbiner verewigte diese Rettung durch einen Pismon, und erließ die Verordnung daß dieser Tag ewiglich in dieser Gemeinde Vormittag ,בחפלה ובתענית und Nachmittags במשתה ושמחה ויום טוב gefeiert werde, welches auch heute noch zum Theile geschieht, wo dieser Tag vorzüglich als Schülerfest begangen, und der Schuljugend zuweilen auch ein Mahl gegeben wird. Auchin diesem Jahre noch fand solches statt. Auch wird beim Morgengebete nach einigen Selichoth alljährlich jener PiSmon rezitirt. Derselbe trägt das Akrostichon אני אליעזר הלוי אב״ד und die Jahreszahl ה״ת״ן תורה, und erzählt das Faktum im zwar reinen Hebräisch, doch in einer völlig unpoetischeu Form. Der Verfasser soll darauf nach Jerusalem auSgewandert sein, um auf heiligem Boden sein Dasein zu beschließen. In der daraus folgenden schönern Jahreszeit schritt