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Ben Chananja · 1861-04-12 · 15 (12.4.1861) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
15 (12.4.1861)
Date
1861-04-12
Page
Seite 135 (sequence 5)
Language
German
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135 R. Jsak b. Mose Sh-aiita 4j beweist;ui Genüge, Da!; die Theorien des MaimonideS, Ralbag und Beclünoth Olam ganz antithalnmdisch seien, indem sogar aus einer Midraicbstelle hcrvvrgehe, daß ״selbst die Fußsohle deö Menschen koömisch höher stehe als Die im Firmament stralende Sonne." Vernehmen wir nun den Stoiker Cicero, wie er sich über diesen Punkt auSspricht. ״Und nun möchte JemanD fragen, um wessen willen denn so weit um fassende Anstalten getrofsen seien? Ob der Baume und Krauter wegen, Die keine Empfindung haben? DaS wäre ungeraumt. Oder wegen Der Thiere? (5'S ist aber eben so unwahrscheinlich, daß Gott wegen sprachloser und nichtsbegreifender Geschöpfe sieb io viele Mühe sollte gegeben haben. Um welcher Wesen willen ist die Welt erschaffen worden? Natürlich um derjenigen Wesen willen, welche Vernunft haben, Und diese sind Die Menschen, offenbar die vollkommensten Wesen."׳') Nun gibt Cicero dies ausdrücklich als einen Lehrsatz der Stoiker, und eS erhellt hieraus die vollkommene Nebereinstimmnug der thalmudischen Teleologie mit der der Stoiker. Stoische A r e t v l o g i e i m Thal nt u d. In alter und neuer Zeit versuchten alle filosofischen Geister, welche die Sittlichkeitsidee nicht für einen leeren Schall hielten, ein Moralprinzip, d. h. einen allgemeinen Satz ausfindig zu machen, welcher daS Kriterion deS moratischen Handelns bestimmt und deutlich augebe. Die vollständige Darstellung aller, in den verschiedenen filosofischen Schulen zu Tage geförderten Moralprinzipien ist Gegenstand einer Geschichte der Moralsilosofie. Wir möchten hier bloS die kantische Formel naher inS Auge fassen. Sie lautet bekanutlich: Handle so, daß die Marime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann. Krug in seiner Tugendlehre hat aber bereits nachgewiesen, daß diese Formel ihrem wahren Sinn nach von Zeno, dem Stifter der stoischen Schule ausgestellt wurde, indem dessen geforderte Symfonie und Homologie gar nicht denkbar sind, außer wenn Jeder bei allen seinen Handlungen seine Marime so nimmt, daß sie von allen gebilligt und befolgt werden könne. Wie lautet nun das Moralprinzip der thalmudischen Ethik? Die Mischnah fragt: איזהי היא דרך ישרה שיבור לו האדם Daß wirS hier mit einem Anlaufe zur Ausmittlung eines Moralprinzips zu thun haben, dafür sprechen zwei Gründe: erstens weil die Frage sonst keinen rechten Sinn hätte") und zweitens spricht dafür daS Wort שיבור, indem schon Plato aotrri von niQtn׳ wählen soll hergeleitet haben. Wie löst nun die Mischna ihre Frage?') בל שהיא ה ביארה לעושיה ותפארה לו מן הארם ganz übereinstimmend mit der stoisch-kantischen Formel, also abermals ein Berührungspunkt der Pharisäer mit den Stoikern. Für die Nichtigkeit unserer Voraussetzung weisen wir zum Ueberflusse noch darauf hin, daß cö R. Jehuda hanasi ist, der diesen Satz aufstellt, er derH keinen Hell daraus macht, von dem Stoiker, dem ihm befreundeten Kaiser Mark Aurel die Lehre vom EreatianiSniuö der Seele angenommen zu haben. '׳'). 3. S l o 1 ׳ ch c P a r a D 0 r a 1111 Thal in u d. Ich erlaube mir zuerst einige Bemerkungen von 1)1׳. D a u e r über Die st o i s ck) e n Paradoren, wörtlich wiederzugeben. ״Paradoren, sagt derselbe, heißen bei den S t o i k c r n Schnlsätze aus dem Gebiete der E t h i fr welche für den Laien etwas Auffallendes, dem natürlichen «itme und Gefühle des in daö Geheimnifi der stoischen Filosofic Uneingeweihten geradezu Widerstreitendes haben, ein Eindruck, welcher von den stoischen Filosofe» durch die konzise Fassung, nackte Kürze und schonungslose Schroffheit, mit der Diese Sätze auftreten, und wodurch sie dem Bewußtsein deS gewöhnlichen Menschen imponircn und ihm gleichsam einen Stachel eindrücken, sich nicht bei seinen hergebrachten VorauSsetzttngen zu begnügen, sondern durch das zu erweckende Gefühl der Nichlbefriedignng üch zu tieferem Forschen an der Hand der stoischen Filosofic treiben zu lassen, absichtlich hervorgerufen und gesteigert wird. Diese Formen der ethischen Dogmen der Stoiker ist hiernach keine bloö willkührlich und zufällig gewählte, sondern sie steht im engen Zusammeithattge mit der' stoischen Ethik überhaupt und mit dem Verhältnis;, in welcher sich diese namentlich in dem Schlußsteine ihres Systemeö in dem von ihr aufgestellten Ideale deö Weisen zu den hergebrachten Lehren der srühern ethischen Svsteme setze." Welches waren nun die wichtigsten Paradore der Stoiker? Der beredte Cicero hat sie nnS aufbewahrt und sie lauten: Alle Thoren sind wahnsinnig; der Weise allein ein freier; der Weise allein reich, der Weis e allein ein König. Alle diese Paradora sind aber im Thalmud vertreten ״Nur der ist frei, sagt die Mischna, "') der der Lehre sich befleißiget;" die Rabbinen welche den Farisäern als Ideal der Weisheit gelten, werden Könige genatutt: מאן מלבי רבנן; der Sünder als daö Gegenbild in der Sprache deS Thalmuds vom Weisen wird als ein Wahnsinniger dargestellt "אין אדם הטא אלא א״״ב נכנס בו רוה שטות" und endlich: יש לך דעה מה הסרת אין לך דעה מה קנית. 4. Die Theorie über Autochria bei den Stoi kern und Farisäern. ES wurde der stoischen Ethik von vielen Seiten der Vorwurf gemacht, daß sie den Selbstmord als unsträflich erklärt; allein man that ihr Unrecht. Wvl berichtet Diog. Laeit. 1'), daß Zeno, der Stifter der stoischen Schule sich selbst daS Leben mit einem Stricke nahm, weil er sich den Finger gebrochen und keine Lust mehr am Leben fand; doch die'später» Stoiker, welche noch in vielen andern Beziehungen von den älteren abwicheu, modifizirten die Lehre vom Selbstmorde dahin, daß nur auS Sittlichkeitsgründen, wenn. eS sich z. B. darum handelt , der Schändung seiner menschlichen Würde zu entgehen, der freie Tod (mors voluiitaria) gestattet sei. AuS Cicero'-) ist deutlich zu lesen, daß die später!! Stoiker nicht mehr und nicht weniger über den. Selbstmord lehrten.

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