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Ben Chananja · 1861-04-12 · 15 (12.4.1861) · p. Seite 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
15 (12.4.1861)
Date
1861-04-12
Page
Seite 136 (sequence 6)
Language
German
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136 Und was lehrt der Thalmud über mors voluntaria? erzählt, daß vier hundert Jünglinge und Jungfrauen einer Entweihung ihrer Unschuld vorzubeugen, in den Fluthcn ihren Tod suchten. Tosafoth begreifen nicht, wie der Thalmud diese Handlungsweise als einen Heroismus preisen kann, da sie doch im Widerspruch mit dem Grundsätze des R. Chanina ben Teradjon stehe: מוטב שיטלנה מי שנתנה ואל יחבל בעצמו. Die beiden Erklärungen, welche Tosafoth zur Hebung dieses Widerspruches geben, sind nicht recht einleuchtend. Nehmen wir aber an, daß die jüd. PrariS in Bezug auf mors voluntaria sich der eben angeführten Theorie der spätcrn Stoiker anschloß und daher den Grundsatz des Rabbi Chanina b. Teradjon alö übertriebenen Rigorismus nicht beachtete, so ist die Frage von Tosafoth von selbst erledigt; daß aber dies wirklich der Fall ist, beweiset folgende Stelle in Josefus Geschichte des jüd. Krieges "). Da heißt cö: Wir reichen dir Arm und Schwert. Willst du freiwillig sterben, so endest du alö der Juden Feldherr; mußt du sterben, so fällst du als Verräther. Vergebens suchte Jos. durch eine lange Rede, die er an das Volk hielt, die Martine R. Chaninaö für sich geltend zu machen; das Volk nahm wenig Notiz davon und ward noch mehr erbittert gegen ihn; ferner erzählt Josefus,^) daß sich viele Farisäer bei der Erstürmung der Stadt Jerusalem durch Pompejus lieber selbst von den Zinnen stürzten, um nur nicht den Tod aus der Hand des Feindes zu erhalten. Anmerkungen. י) Vita 2. ־׳) M. N. Th. 3. K. 13-14. B. O. 17. <) Akcdah K. 5. ף N. D. B. 2. E. 53 f. C. 62 ibid. ״) s. Zedek Umischpat v. Faßt. I P. 91. 2. 1. R) I. Sanh. 91. 2. '') Man vergleiche hierüber Rappoport im Kcrem Chemed B. 4 und Dukes Nachweis im Orient über אפשר לחתיכת בשר לעמוד ג׳ ימים ד •בלא מלה P. 91. Abschn. 6. ") 7 8- 28—29. 2י) Fusk. B. 1. C. 30. '3) Gitin S. 57. b. M) B. 3. R. 8, 4. 1r׳) Th. 1. B. 1. C. 7. Korrespondenz. Ausland. ß Berlin, im März. Die 9lngclegenheit unserer Glaubensgenossen in Ungarn wird nicht bloS von den deutschen Inden, sondern überhaupt von der ganzen deutschen Presse mit 9lnfmerksamkeit verfolgt. Die einzelnen Blätter nehmen je nach ihrer Partcischattirung eine verschiedcne Stellung zu dieser Frage ein. Die Krcuzzeitnng, die die freisinnigen Ungarn in nicht minderenl Grade als die Juden haßt, tischt regelmäßig alle Attentate und Prügelgeschichtcn, unter denen die nngarischen Inden in letzter Zeit zu leiden hatten, auf, hocherfreut darüber, daß die Juden geprügelt werden und daß die Ungarn durch solch mittelalterliches Gcbahren ihrer eigenen Sache schaden. Und dießmal muß man der Kreuzzeitung ihr Siecht lassen: sie har mit richtigem Instinkt die Achillesversc der ungarischen Frage getroffen. Wenn ein Land, das über eine halbe Million jüdischer Mitbürger zählt, von diesen gar keine Notiz nimmt und ihnen die in allen zivilisirien Staaten bereits zugestandenen Rechte vorenthält, so muß man au der Bilrung, der politischen Reife, dem wahren Freiheitssinn dieses Volkes einigermaßen zweifeln. Selbst die freisinnigsten Blätter, tic im Beginne der Bewcgilng für die Ungarn enthusiasmirt waren, haben ihre Begeisterung allmälig hcrabgestimmt. Der jüngst veröffentlichte Brief Klapka'S an die französischen Journale gewährt nur einen schwachen Trost und wir sehen mit Spannung den Verhandlungen des Landtages entgegen, um uns z» überzeuge», ob die Ungarn nur in einem Frciheitsransche schwärmen oder ob sie nachhaltige, ernste Freihcitögcdanken haben und die Bahn der Kulturvölker betreten wollen. Wie ich soeben den öffentl. Blättern ciitnehmc, werden die Vertreter sämmtlicher jüd. Gemeinden Ungarns nach Pest zu einer Bcrathnng cinbcrnscn. Wir wünschen diesen Konfcrenzen gewiß den günstigsicn Erfolg, können aber nicht genug zur Vorsicht mahnen! Ich übergehe zu einigen TageSneuigkeiten, die für die Leser Ihres Blattes vielleicht einiges Interesse haben werden. Zunächst berichte ich Ihnen alö Kuriosum, daß Dr. Sachs den letzten שבת הגדול an Stelle des verstorbenen O e t t i n g e r die übliche Derascha hielt. Wenn auch eine solche Deraschah למדנים vom alten Kaliber, wie sic thcilweise bei Ihnen noch zu Hanse sind, nicht vollständig zu bcfriedigeu vermöchte, so lieferte sie doch einen merkwürdigen Beweis, wie sehr die Lichtung für den in den verflossenen Jahrzehcndcn in Deutschland vielfach geschmähten Thalmud wieder im Zunchmcn begriffen ist. Die Hirschischc Partei hat in dem von ihr muthwillig heraufbeschworenen Streite eine große Schlappe erlitten, sie ״pfeift schon auf dem letzten, Loch." Es geht dieß unzweideutig aus den Mitteln hervor, zu welchen sic in letzter Zeit greift, um ihre Ehre zu rehabilitircn. Um sich von dcnr Vorwürfe der Ignoranz in thalmudischen Dingen, der von allen Seiten gegen sie erhoben wurde, zu reinigen, hat sie sich aufs hohe Roß gesetzt und sich einen Advokaten Diaboli in der Person des einstigen Darmstädtcr Rabbiners Anerbach verschrieben. Wenn ein Mann wie Anerbach, dessen vorausgegangene rabbinische Wirksamkeit in solchem Maße gekennzeichnet ist, daß jeder besscrgesinnte Jude gern darüber einen Schleier breitet, wenn ein solcher Mann, der aus wohlverstandenen Gründen die Oeffentlichkeit, die ihm einst so arg mitspielte, scheuen sollte, nun mit seinem vollen Namen ein hebräisches, an Albernheiten und Schmähungen reiches Pamphlet im Dienste der Hirschischc» Partei veröffentlicht, — nun, so ist diese Partei gänzlich ruinirt und es fehlte nur noch zum letzten Wurf, daß sie sich von den Gemeinden ein ehrenrettcndcs Zeugniß für ihren Hort und Heiligen geben läßt. Und auch dieses Mittel hat sie nicht verschmäht. Die Erklärungen der Frankfurter Gemeinde haben Sie gewiß gelesen. In anderen Gem., in denen Hirsch früher pontifizirte, werden Schriftstücke kolportirt in welchen die Gemeinden bezeugen sollen, daß Hirsch ein Lamdan, ein יחיד בדודו, kurz der jüdische Papst sei. R13UW teneatls nwiei! In die Kolportage haben sich verschiedene Personen getheilt. Der Kol- Porteur für Mähren heißt, wenn ich nicht irre, Wolf, der für Ostsriesland Dr. Marr aus Wien, der Ihnen vielleicht bekannt*), für uns aber eine unbekannte Größe ist. Wir, die wir noch innner int Punkte des Hirschischen למדנות bis zur Ketzerei ungläubig sind, erwarten mir Spannung das Zeugniß der thalmndischen Reise, das mährische Tuchfabrikanten und ostfriefische Pferdehändler in ihrer Eigenschaft als Gemeindevorsteher Herrn Hirsch ausstellen werden, und gedenken dasselbe in seinen verschiedenen Variationen als Anhang der demnächst crschei-!!enden neuen Ausgabe der DpistoIns obsemorum virorum beizugcben. Inland ־־־ Wien, Ich lese mit vielem Eifer den ״Ben Ehananja" seit feinem Entstehen und habe die Ucberzengnng gewonnen, daß es der Nceaktiou nicht um Schönfärberei zu thnn ist. In dieser Ueberzen- "> Vielleicht gibt einer unserer Wiener Korreöp. Auskunft über diesen Doktor-Kolporteur. Red.

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