Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 14 (5.4.1861)
- Date
- 1861-04-05
- Page
- Seite 129 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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129 wahrhaft frommer Jute unC dabei ein דמה ist, seinen Platz auSfüllen kann. 5Ut? ich dieses einigen Vorstands ׳Mitgliedern mitgetheilt batte, die sich später zum Herrn Rabbinen begaben, erklärte derselbe, er glaube nicht, daß eS bei den Verhältnissen der Amsterdamer Gemeinde möglich sei, die dortige Rabbinerstellc zu besetzen; seine Angelegenheit speziell sei noch sehr in Frage. Zum Ueberstusse, ans Wunsch der Herren gab er noch die Erklärung, definitives in der Sache nichts vorzunebmen, ohne vorher seinen Vorstand in Kenntnis; gesetzt zu haben. Und obgleich ich nachher aus Amsterdam die Nachricht erhielt, daß die Berufung unserS würdigen Hrn Rabbiner dorthin unterbleiben werde, waS ich sofort uuserm Herrn Präses anzcigte, den Tag darauf dasselbe von seinem Bruder in Amsterdam gemeldet wurde, beantragte und beschloß acht Tage nachher der Vorstand jene Gehaltserhöhung. Zum Ueberfluße sei bemerkt, trotzdem Ihre KoreSpvndentcn ü!. R als den ״Leibjäger und ersten Inquisitoren" Herrn Rabbinen bezeichnen, Herr Rabbiner dennoch auö gewissen Gründen R.'S Pesachzucker keinen Koscherbrief gibt. Zum Schlüsse bemerke ich noch, daß es buchstäblich gelogen ist, wenn Ihre 4 Herren bemerken, eS wäre ein Beschluß unseres Vorstandes, bei Zusammenkünften kein Wort ד״ת zu reden; den מלאכת מהשבת besitze ich nicht, ich lese von derartigen Blättern zuweilen nur den Kladdaradatsch. Vor einigen Monaten heiratete ein Mitglied der שס הכי" א, da haben während der Mahlzeit fünf wirkliche Lomdim Thora gesprochen. Wahr ist hingegen, daß wir hier die sogenannten ״Wörtchen" und ״Spitzfindigkeiten die in Schwindlcien" enden und unter dem Namen ת1רה anögegeben werden, nicht gut ertragen können. Jetzt, Herr Redakteur bin ich neugierig, wer mir Ein Wort Unwahrheit in diesem ganzen Schreiben nachweist, und begierig von Ihnen zu vernehmen wer die ארבעה בנים sind, obwohl ich im Voraus weiß, daß darunter nicht zu finden ist weder der הכם, noch der תם nicht einmal der שאינו יודע לשאול. Ludwig Rapp. Jlndjöcmcrftimjjci!!)er .}kMtioii. Die vier Herren, welche mir unterm 6. Feber d. I. den Nr. 7 abgedruckten Korreöp. Art. einsandten, werden hoffentlich keinen Anstand nehmen, sich zu neune». Geschieht dies von ihrer Seite nicht, so müßte es von meiner Seite geschehen. Ich glaubte einen Theil der zahlreichen, mir aus dem In- und Auslände zugekommenen Kundgebungen gegen Hirsch der Öffentlichkeit übergeben zu müssen, da die in so weiten Kreisen verbreitete Indignation die Zeitrichtung charakterisirt. Ich selbst bin weit entfernt, diese Indignation zu theilen; vielmehr scheint es mir nicht billig, Hrn Rabb. Hirsch vom Standpunkte der Wissenschaft, der Kritik und des Fortschrittes zu beurtheilen, und ihn von diesem Standpunkte aus als einen Mucker zu verschreien. Herr H. gerirt sich seit vielen Jahren als entschieden orthodoxer Rabbiner; was er spricht und schreibt und thut, kann mithin nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit und der Kritik nur im Lichte der Orthodoxie betrachtet werden. Der Borwurf, daß sei» Auftreten gegen Frankel verketzernden Fanatismus verrathe enthält daher keinen Tadel, sondern ein Lob: die entschiedene Orthodoxie ist fanatisch, muß fanatisch sein. Wenn aber Herr H. nicht der Anwalt, sondern der treue Anhänger deö von ihm vertheidigten Systems ist, so fragt eö sich: warum stellt er nicht den Antrag, daß 1)1׳. Frankel, der nach seiner Ueberzeugung die Göttlichkeit der rabbanitischen Tradition leugnet, in den Bann gelegt werde? Herr Hirsch wird dagegen einwenden, daß im Jahre 1861 über Niemanden der Bann ausgesprochen werden könne, und daß er überhaupt jede materielle Verfolgung im Innersten seines Herzens verabscheue. Wir wollen ihm dies recht gerne glauben. Allein wie steht eS dann mit seiner ostenstbeln Orthodoxie? Indem er den 394. Abschnitt deö Jore Den für antiquirt erklärt, weil sich derselbe mit der Kultur der Zeit nicht vertrage; stellt er sich auf Stein'S Standpunkt, so daß zwischen ihm und seinem Gegner durchaus keine prinzipielle Differenz stattfindek! Wenn sich Herr Hirsch im Ernste für den Nachfolger der altorthodoren Rabbinen Frankfurt's ansieht, so möge er sich bei den Greisen seiner Gemeinde nach den Gründen erkundigen, welche im Anfänge unseres Jahrhunderts den Bann über den gelehrten, traditionSglänbigen R. Nathan Adler hcrbeiführten, und sich die Frage vorlegen: was hätten die Urheber jenes Bannes einem Traditionsleugner gegenüber gethan? — Herr Hirsch wird vielleicht zu seiner Rechtfertigung geltend machen, daß er sich wol in kultueller, aber nicht in kultureller Rücksicht zur orthodoxen Doktrin bekenne, und daß eS ihm, als deittscheu Gelehrten deö 19. Jahrhunderts, psychologisch nnmöglich sei, auf religiösem Gebiete Zwangsmaßregeln überhaupt, und dem Banne insbesondere das Wort zu reden, .ob auch alle Rabbinen des Alterthnmö und des Mittelalters, und alle wahrhaft orthodoxen Rabbinen der Neuzeit solche Maßregeln für religiös geboten und für sehr heilsam halten. Mir dieser Unterscheidung des kultuellen und kulturellen Momentes hängt allerdings zusammen, daß Hr. H. in der von ihm geleiteten Schule im schreienden Widerspruche mit der Mischna und zwei Schulchan Arnchs *) durch unverehelichte Lehrer Unterricht ertheilen läßt. Allein wer berechtigt Hrn. H. zu jener Unterscheiduug? Wie kann er für die Jntergrität deö rabbinischen Jndenthums in die Schranken treten, lvenu er selbst den ganzen großen 334-sten Abschnitt deö Jore Dea, wie nicht minder andere Vorschriften des Schulchail Aruch aus dem einzigen Grunde für veraltet und abolirt erklärt, weil sich deren Inhalt mit seiner deutschen Bildung nicht verträgt? Den Gesinnullgsgenossell des Hrn. H. in Ungarn zolle ich bereitwillig die Anerkennullg, daß dieselben in ihrem frommen Eifer viel folgerichtiger zu Werke gehen. Hr. Di׳. Hildesheimer in Stuhweißenburg wurde wegen eines vermeimlich ketzerischen, in d. Bl. abgedruckten Artikels gegen den Vorsteher Jakob Herzog klagbar, und wollte denselbeu zu sechömonatlicher Haft verurtheilt wissen. Später — nachdem Herzog die Verantwortlichkeit für die Veröffentlichung abgelehnt hatte — war Hr. Dr. Hildeöh. so freundlich, sich *) M. Kidd. 4, 13. 11. d. beiden Gem. das. I. Dea 245. 12. Eb. Ha-Ezer 22, 20. Rücksichtlich des von Hrn. R. besprochenen FallcS ist überdies noch zu vergleichen: Eb. Ha-Ezer 22, 5., lvenn auch das. 8- » vielleicht zu Gunsten d. Betreffende» angeführt werden könnte.