Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 14 (5.4.1861)
- Date
- 1861-04-05
- Page
- Seite 130 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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130 dieses Minimum von ״sechs Monaten" von dem Szegeditter Komitatsgerichte für meine geringe Person zn erbitten. Hirsch'S Knappe, Hr. Gottlieb Fischer, das Haupt der Korachitcn in Stnhlweißenburg hat seine Gesinnungsgenossen im Jahre 1855 mit nicht genug zn lobender Aufrichtigkeit geradezu aufgcfordert, alle Rabbinen, die in irgend einer Beziehung gegen den Schulchan Aruch entscheiden, bei der Regierung zu dennnziren*). DaS heiße ich orthodor; aber wenn Hr. G. F. zu der Ueberzengnng gelaugt, daß selbst der Chef des Generalftabes der Romantik der Fahne der Orthodoxie nicht treu bleibt; wenn er sieb die Einsicht verschafft, daß Hr. H. den 331. Abschnitt d. I. D. und eine große Anzahl anderer §8im Sch. A. ohne alle Schonung streicht: wird er es nicht für seine Pflicht anerkennen, beim Senate der freien Stadt Frankfurt die nöthigen Schritte zn thun, um die Integrität des Sch. A. zu rehabilitiren? Ob der Frankfurter Senat auf die Anklage eingehen werde, ist allerdings sehr zweifelhaft; . daS Szegediner KvmilatSgericht wollte ja auch auf die Anklage des Dr.'s Hildeöh. nicht eingehen. Aber der Fromme muß des Seinige thun! Die Anrufung der polizeilichen Assistenz ist, wie Hr. Gottl. Fischer mit Recht voranssetzt, ein sehr cmpfchlenSwertbeö Mittel zur Erhaltung der Orthodoxie. R. Jakob Emden sagt vortrefflich: Gelobt sei der, der seine Welt Wächtern überliefert hat, und an die Stelle der unö in der Zerstreunng fehlenden Straswerkzenge die Beamten der Fürsten treten ließ, die darüber wachen, daß die Thora in Israel beobachtet, und die Ketzer ansgerottet werden**)! Ich bin wirklich weit entfernt, die Illusionen der Frankfurter Jeschurungemeinde zerstören zu wollen. Aber von wissenschaftlichem und religionsgeschichtlichem Gesichtspunkte betrachtet ist Hirsch ein Mann der Reform, wie es Stein ist. Daß H.'s Reformen viel gemäßigter sind, wird Nieinand leugnen. Aber indem er thalmudische Satzungen als dem Zeitgeiste widersprechend rücksichtslos abschafft; indem er thalmudische Anschauungen als mit der Zeitbildnng nicht vertraglich deöavouirt; indem er sich nicht scheut, den naiven Glauben der Ortbodorie mit germanischem Mystils- Mus zu ersetzen: begibt er sich selbst des Rechtes, für die Orthodoxie in die Schranken zn treten. Besäße die orthodoxe 1 Judenheit in Deutschland einen Hengstenberg, derselbe würde י dem Hrn. Hirsch ohne Zweifel auf die Finger klopfen, und! dessen rationalistische Halbheit nach Gebühr geißeln. Ein! jnd. Hengstenberg würde aber auch die Mühe nicht scheuen,; den angefochtenen Traditionsglanben mit gelehrten Waffen! zn verlheidigen. Hr. H. hat dies, so viel mir bekannt ist,! bis zur Stunde nicht gethan: seine Lamentationen sind daher! vorläufig nur — blinder Lärm! Hr. L. Rapp ist wegen seiner Anhänglichkeit an seinen Rabbiner nur zn loben. Wie er sich aber als gotlesfürchtiges Mitglied der Jeschurungemeinde konnte Hinreißen lassen, das מלאכת מהשבת mit dem Kladdaradatscb in eine Linie zu setzen, ist mir unbegreiflich. Ich habe nicht die Ehre, mit dem Verf. d. fraglichen 2 Schriften, Hrn Salomon Geiger in Fr. am M., in Verbindung zu stehen. Aber jeder Kundige, ׳) Delataim U-Bariach 7, b.! ואס יערה ער־־^ לב מוח־ה מהדש להורות דבר עד שדע . . . תרימו כשוסר קולכם .ותשסכו שיה לסני מלכנו ") Tor Ha-Kc». 3-1. a. der dessen lehrreiche Aufsätze gelesen hat, muß bekennen, daß derselbe zu den ersten Thalmudgelehrten Deutschlands gehört. Einen so verehrnngöwürdigen תלמיד הכם sollte Hr. R. zn schätzen wissen, und dessen literärischc Arbeiten sollte er nicht ungelesen lassen. In dem 1. Hefte d. מ״נל S. 45. ist nun allerdings von den הםידים הרשים (nenorthodoren Romantikern) die Rede, die es verstehen, einen Zaun um d. Thora zu machen, damit sich dieselbe nicht mehr verbreite, als denselben lieb ist. Auch wird das. S. 16 erzählt, daß einer der modernen Ehaßidäer bei einem religiösen Festmahle schrei-! end behauptet habe, es sei nicht mehr Brauch, דברי תודת! zn reden. Daß ein Rabbiner im Spiele gewesen sein müsse,! erhellt ans der witzigen Anwendung der Schriftworte, womit 1 die Episode schließt / אז איהם ינקיתי מפשע רב. Die Abschaffung der Bnßgebete an den Frankfurter Fasttagen*) ist durch den Mangel an zehn fastenden Personen durchaus nicht gerechtfertigt. R. Gerson Aschkenasi, welcher im 17. Jahrh. Hrn Hirsch'S Vorgänger in Nikolsb. war, erklärt in seinem zn Franks, am M. gedruckten Werke Abodat Ha-Gerscboni ausdrücklich, daß zur Abhaltung der ' in Rede stehenden Gebete die Anwesenheit!0 fastender Per- , sonen nicht nothwendig sei :כי סליחות אינו כרוך בתענית ואיני תליי בי לתל , lRr. 57). ßk. Sam. Ha-Levi führt diese Entscheidung an (Macbz. Ha-Schek. 566, 1). Weit entfernt von der Voraussetzung, daß dies dem Hrn Rabb. Hirsch; unbekannt sei, bin ich genöthiget, zn seiner Rechtfertigung anzunehmen, daß er bei der heut. Stellung d. Juden in Franks, manche Ausdrücke in den bezüglichen Selichot anstößig gefnnden, und daher die Selichot ans seiner Synagoge verbannt hat. Stein beobachtet dasselbe Verfahren. Allerdings lhnt er dies in einem größer« Umfange; aber ein prinzi- Preller Unterschied ivaltet offenbar auch hier nicht ob. Beide Rabbiner, St. und H., erkennen an, daß veraltete Theile der Liturgie abolirt werden müssen, und beide aboliren dieselben auch wirklich. Ueber das Mehr oder Weniger der zu abolirenden Stücke könnte wol ein Fusion beider Svnagogen stattfinden, sobald sich nur Hr. H. entschließt, die Konfusion anfzugeben, die in seinen Grundsätzen herrscht. Herr I)r. Gnggenheimer ist auch in dieser Rücksicht viel konsequenter: er möchte das נקים לעינינו gar unter den Schutz der Polizei gestellt wissen. Viel bedenklicher als die Abrogation der Selichot muß endlich der Umstand erscheinen, daß die Jeschnrnngemeittde die in Rede stehenden Fasttage nicht beobachtet. ES ist wahr, daß dieselben nach Jore Dea 228, 26 ganz suspendirt werden könnten. Diese Maßregel müßte aber von der Majorität der Frankfurter Gemeinde ausgehen. So lange dies nicht geschieht, muß des Fasten beobachtet werden. Hr. H. wird hoffentlich nicht unterlassen, in s. Jeschurnn über die nothwendige Beibehaltung dieses Fastens einen fulminanten Arlikel zu schreiben. Mich wird es sehr freuen, ihn hierauf ansinerksam gemacht zu haben. ד Mir r!nt M-fi wicijc!}aftuhjc Mannt: תענית גרוש ס״ס am 2«. (5'Illl (wegen der Bcnreibuug am 22. August lül4; תענית פ י נץ am 20. Adar, aus welche» פודים פינץ wlgt (steht mit derselden Katasirose in Berbiudung, und bezieht sich auf Bintz Fcttmilch); כ״ד סבת t»r Erinnerung an de» großen Brand im I. litt. Druck von Sigmund Burger in Szegcdi».