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Ben Chananja · 1861-04-05 · 14 (5.4.1861) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
14 (5.4.1861)
Date
1861-04-05
Page
Seite 128 (sequence 10)
Language
German
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128 nur לכה דודי, Aus- und Einheben x. mit Chorbcglcitung gesungen wird. ES ist eine schamlos freche Lüge zu behaupten, daß Herr Rabbiner bei den Trauungen je nach dem religiösen Charakter ״deS Pärchens״ sich bald eines seidenen, bald eines wollenen Talis bediene; um so schamloser, und frecher ist diese Lüge, als diese Trauungen öffentlich in der Synagoge sind und sich Jeder überzeugen kann, daß Herr Rabbiner bei jede r Trauung ein seidenes und nur wahrend deö eben verflossenen Trauerjahres seiner seligen ,Han Mutter ein wollenes Talis, selbstverständlich a u S n a h m S l o s bei allen Trauungen gebrauchte. Ebenso schamlos freche Lüge ist das was die Bier so schmutzig sind von den ״verschlossenen oder verdrehten Augen", von dem ״Wohlbehagen" faseln, mit dein unser ehrwürdiger Herr Rabbiner ״den leidenschaftlichen Küssen zusieht" — als Erfindung um so plumper, als Herr Rabbiner unmittelbar nach der Trauung die Synagoge verläßt. Auf demselben Gebiete der Gemeinheit bewegt sich der Fassung nach der Vorwurf, daß Herr Rabbiucr die ihn ״mit entblößten Haaren besuchenden Frauen seiner Lehrer" sehr freundlich empfange. Wenn dieser ״sehr freundliche Empfang" darin besteht, daß Herr Rabbiner den die Frau Rabbiner besuchenden Damen nicht die Thüre weift, so bin ich doch begierig von den achtbaren Herren Korrespondenten zu erfahren, gegen welche rabbinische Gesetzbestimmnng diese Unterlassungssünde verflösse. Was die Fassung dieses Vorwurfs betrifft, so ist sie zu gemein, um auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Wie die vier Ehrenmänner eö wagen können zu behaupten, Herr Rabbiner lasse sich in seiner amtlichen Thätigkeit durch irgend welche außer der Sache liegenden Einflüsse bestimmen, ist mir unmöglich zu begreifen. Jeder, der unfern werthen Herrn Rabbiner auch nur oberflächlich kennt, weiß, daß sein Charakter zu fest, seine Grundsätze zu eisern sind, als daß ihn irgend Wer oder irgend WaS beirren könnte. Sollte mit dem L. R. genannten ״Leibjäger und ersten Inquisitor" der Unterzeichnete ') gemeint sein, so erkläre ich hiemil, daß ich dem Herrn Rabbinen gegenüber weder über die für die Zeit der Untersuchung von Herrn Rabbiner ausgesprochene Snspeudirung deS Schochet noch über die nach Ergebe uiß der Untersuchung verfügte Aufhebung der SuSpeudirnng desselben eine Ansicht geäußert habe. Was die Herrn von Schiller träumen, so wird ein einfaches Dnrchlesen der wahr- Haft klassischen Schillerrede des Herrn Rabbinen, die im Jeschurun abgedruckt zu sinden ist, Jedem beweisen, daß die darin niedergelegten erhabenen Gedanken von Schiller und dem Judenthum ganz den sonst geäußerten Ansichten und Grundsätzen deS Herrn Rabbinen entsprechen. Auf die Täuschung der Auswärtigen aber — alle Frankfurter, auch die -1 Herren, wissen, was Wahres daran ist — ist der Artikel berechnet, womit behauptet wird, daß während Hr. Rabbiner die Unzulässigkeit der Konfirmation stets hervorhebt, er ״doch hinteuher jeden einzelnen Knaben int Gottes- Hause konfirmirt." Konfirmation, wie sie gewöhnlich ist, besteht darin daß der Konfirmand ein GlaubenSbekenntniß und ') Und ich glaubc, daß ich cs gemeint bin, denn ich empfing am 3. März l. I. einen Brief aus Breslau durch die Post mit der Aufschrift ״Hrn Kaufmann L. N. Rapp, genannt Svlmkron losekom sedwrüw", Beweis für die dortige Bildung, Dank dem lieben Gott, daß ich zu dieser Partei nicht zähle. einen Schwur ablegt, wogegen Herr Rabbiner häufig gesprocheu, denn diese Konfirmation ist vom Standpunkte des JudenthumS unzulässig und wird sogar lächerlich, wenn die Konfirmanden, wie eS häufig geschieht, au selbigem Tage gleich, religiöse Vorschriften, deren Haltung sie eben beschworeu, gänzlich ignorireu. Man kann aber ganz gut die Konsirmation als nnjüdisch verwerfen, und doch, wie eS Herr Rabbiner zu thuu Pflegt, dem Bar m izw o H-Knaben am Sabbat seiner Barmizwoh die Bedeutung des TagcS eindringlich ans Herz legen. ES ist eine boshafte Lüge, wenn von der ״Abschaffung vieler Minhagim" gesprochen wird und eine Abgeschmaktheit, wenn insiunirt wird, Herr Rabbiner lasse sich solche Abweichungen ״gefallen" um seinen ״romantisch retrogadeu System" mehr Eingang zu verschaffen. Wahr ist es, daß an den frier Fasttagen keine Selichoth gebetet werden und zwar ans dem Grunde, weil kein Minjan, daS fastet, in der Synagoge anwesend ist. Ob ״neidischer Hochmuts)" ein solches Gebaren hervorbrachte, will ich hier nicht behandeln, eine durch mich nächstens heranSzugebeude Brochüre wird dem nicht allzu großen Unwissenden Belehrung darüber geben. Ich komme nun an das Sabbat-Mincha Faktum. Wahr ist, daß drei Verse aus der Reihenfolge der Parscha ausgelassen wurden. Ich selbst srug Hrn Rabbinen, wie zu verfahren, er erwiderte: wenn der Jsroel die Nach- Beracha noch nicht gesprochen habe, solle demselben von den vorhin ausgelassenen Versen an nochmals vorgelesen werden." Kein Wörtchen mehr. Während meines Fragens wurde die Nachberache gesprochen, und der Vorsteher ließ einen Vierten aufrufen, ohne daß Herr Rabbiner nochmals befragt worden wäre. ES ist infam gelogen, daß kein wirklicher Lamdeu unsere Synagoge besucht, die Lomdim, die unsere Synagoge besuchen, wie Herr D1\ Auerbach, Herr R. L. Posen können sich in jeder Beziehung noch mit ״jenen, von thalmudischer Gelehrsamkeit strotzenden Männern" messen. ES ist aber höchst lächerlich, ich brauche kein Wort darüber zu verlieren, wenn die lieben Herren behaupten, Herr Rabbiner ״weiche den hiesigen Lomdim aus." Von einer ״Hirsch'schen Taktik" zn sprechen, ist wohlberechnete Erdichtnng, — eö gibt keinen Mann, dem jeder Winkelzug so verhaßt, dem gerades offenes Handeln mrd Vorgehen solches Bedürsniß ist, als gerade der Mann, den jene Lästerungen begeifern. Den HöheMnkt der Verlänmdung ergreifen Ihre Korrespondenten aber^ was sie, der Wahrheit frech inö Angesicht schlagend, von der Genesis deS VorftandaSbeschlusseö wegen der Gehaltserhöhung deS Herrn Rabbinen frech behaupten. Der!Sachverhalt ist folgender. Einer meiner Komptoiristen, Ed. Symour aus Rotterdam erhielt am Sonntag den 23. September einen Brief von seinen Bruder in Amheim, wo er ihm unter Auderm schreibt, Herr Rabbiner sei nach Amsterdam berufen, waS auch andern Leuten hier geschrieben wurde. Am selben Tage Nachmittags war eine VerwaltungS-Sitznng, als diese beendigt war, erzählte ich meinen Kollegen im Weggehen, was ich vernommen, auf vielfaches Zureden derselben übernahm ich, Herrn Rabbiner darum zu fragen. Er erwiderte mir, daß er allerdings mit Amsterdam in Unterhandlung stehe; sein Weggehen von Nikolöburg hätte nur den Grund gehabt hier einen neuen Boden für'ö wahre Judenthum zu schaffen, die Institutionen, Anstalten x. wären nun so eingerichtet, daß jeder Nachfolger, wenn er nur ein ehrlicher, wissenschaftlich gebildeter und

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