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Ben Chananja · 1861-04-05 · 14 (5.4.1861) · p. Seite 125

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
14 (5.4.1861)
Date
1861-04-05
Page
Seite 125 (sequence 7)
Language
German
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125 Briefe aus Galizien. HI. I Wir haben im vorigen Briefe die geistigen Fortschrutc des Ga- | lizischen Indcnthnms gezeichnet und die Quelle gesehen, woraus das j ״lebendige Wasser" gesprudelt. Nun sschen die 5, Bolksschulen da! Ist aber der über den Wassern webende Geist noch immerfort schaffend? Die Welt wurde in 6 Tagen erschaffen, doch ist die zeugende Kraft ewig wirkend. Josef Perl schuf das Lickt aber dessen intensive Kraft ist gewiche». Nach dem Hingänge dieses sterblichen Schöpfers fcblt der Maschine d belebende Hauch. Blickt man tiefer in den Geist. der die nachperlischcn Schulen treirt. so ist es bloße Imitation gewesen! Solche Anstalten sollen in die LebenSvcrhältnisse cingrcifen. wenn die sic schassende Kraft eine bewältigende gewesen. 2» der Schöpfung vibrirt der iinpnlsircndc Ton fort. Darum bat die Eine Tarnopolcr Schule überraschende Nesnltatc gclicscrt, die der übrigen sollten innombrable sein — aber die ponssircnde Kraft erstarrte nnd — die Jünger der Perl'schcn 2deen erbten nicht dessen EiilhusiaSnins. Die spälern Nachabincr und ibrc Tbatcn gleichen einem Bilde mit ähnlichen aber verschwommenen Zügen, einer in Nebel gefüllten Landschaft. Galizien bedarf noch eines Lcbrers. ״Der robc Ha״ re", sagt Jost ״bedarf äußerer Mittel von durchgreifender Kraft. Schulen, Aufsicht. Anlciinng." Joses Perl starb viel zu früh für fein Vaterland. Es war fein Plan, dessen Ausführung der Tod durchstrich, in Tarnopol ein Scminar znr Bildung jüdischer Lehrer und Rabbiner zu errichten nnd Galizielt wäre nicht in die Barbarei daö Chassidismus rückgcstürzt. Die Normalschnlcn liefern zwei Kontingente in das praktische Leben. Ein kleiner Lhcil kommt ins Gymnasium, zu Advokaten und Acrzten sich zu bilden. Diese BildnngSrichtnug ist entartender Natur Da sic den Thalmnd, d. nicht gekannten, verachten, die bcil. Schriften wenn je gekannt, vergessen, an den rituellen Versainmlnngcn selten Thcil nehmen, so fühlen sic auch nichts für das Judenthum. Sic stehen mitten in dcms. als Fremdlinge da. Der andere größere Theil wird in die Mitte des großen Haufens rückgeschleudert, wo er das winzige Elemcntarwisscil vergißt. Hätte eine höhere jüdische Anstalt denr armen aber mit Talent beschenkten Züiigling unter die Arnie gegriffen, ein Seminar ihn in den Kreis jüdisch-theologischer Forschung gezogen, es wären viele Größen im Galizischen Israel anfgctancht. Galizien hätte seine fclbstgezcugten Nabbincn und — die cgpptische Finsternis würde nur in der Bibel zu lesen sein. Nun aber sehen wir ans den Rabbincrsitzcn der größten Gemeinden die Orthvdorie sich noch breiter machen als vor 40 Jahren. Die Zügel der Gemeinderegiernng sind in die Hände solcher übergangen, welche sic zu führen wissen zur Anstellung von Großsicgelbcwahrern des Bal-schem, welche eifrig sind in! Aufbauen nicht von Arbeitshäusern und andern gemeinnützigen Ailstallen. sondern von Kastellen, wo die Jugend ein beschauliches Leben führt und unter Erzählungen von den Wuuderthaten des Zadik sich begeistert, zu nachahmeudein — <10106 für mente. Zwei deutsche Kanzclrcdner standen im Tempel der Hauptstadt Lemberg. Der eine starb als Märtyrer der guten Sache, der andere um nicht wie jener zu fallen, warf sich in die Arme der orthodoren Partei. Eine große Gemeinde Rußlands erlöste ihn ans dieser unmög-!ich gewordenen Stellung. — Brody ist mächtig und reich nnd wohlthätig, dotirt sein Spital mit lingcheuern Summen und bat ein glänzendes Kasino, wo in 30 Zeitungen dasselbe zn lesen ist. Aber es ist bis nun noch keinem seiner Finanzgrößen eingefallen, ein Seminar errichten, einen Tempel anfbauen und einen Prediger berufeu zu lassen Und Tarnopol. o Ironie des Schicksals! Athenae Abflera Dieß rm Allgemeinen das Bild galizischcr Zustände. Die Ursache dieser traurigen Verhältnisse liegt in dem kältesten Iudiffcrcntiümns unserer gebildeten Großen. ES bricht eine ucnc glänzende Acra für Oesterreich herein. Höret das Rauschen des Zeitgeistes. Die Zeit ist euch günstig, das verlorene Terrain wieder zu erobern. Ich rede zn Euch, Ihr gebildeten Israeliten. Ihr seid die Mächtigen, denn ״Wissen ist Macht." Gründet eine Rab bincrschnle in Lemberg oder Brody! Nur dieß ist das Mittel zn einer geistigen Regeneration Galiziens. Eure Nachkommen werden Euch segnen! S. Dcma nt. 1'iteriirische Anzeigen. ספר מבחר פנינים מר״ש בן גבירול וג׳ mit englischer Übersetzung nnd Noten. HeranSgegcben von B. H. Ashcr London 1839 (auch mit einem englischen Titelblattc). Angezcigt von Leopold Duke s. Dieses Werk ist in zweifacher Weise frenndlicff zu begrüßen. Erstens als hebräisch-literarisches Werk überhaupt nnd zweitens als ein englisches Werk ganz besonders. In England, wo kein Jude die hebe. Literatur bereichert hat, ist vorl. Buch als erstes lit. Trzeugniß seiner Art zn betrachten. Es ist aber von einem Auslände r. Als Kuriosität darf hier angeführt werden, daß das erste Buch über hebr. Literatur in englischer Sprache von einem christlichen Pfarrer in Eornvall geschrieben wurde '). Da wir bereits in unserem Salomo bei! Gebirvl ansfnhr-!ich über das LPP5O מבהר gesprochen haben, so gehen wir hier nicht aus das Werk selbst ein. Es ist auch nicht unsere Absicht eine kunstreiche Rezension zu schreiben, wir wollen nur die Aufmerksamkeit des dcntschen Lesers auf diese Ausgabe lenken. Diese Ausgabe des bekannten Werkes ist, obwohl die englische Uebersctzung zunächst für Engländer ist. wegen der literarischen Noten allgemein wcrthvoll. Mehrere Handschriften sind dem Verfasser zu Gebotc gestanden, derselbe hat die verschiedenen Lcsearten unter den Tert gestellt. Die llebersetznng ist stießcnd nnd größtentheilö richtig. Ein Vorwort gehet dem Werke voraus, welches seinen Zweck reichlich erfüllt. Es enthält einige schöne Gedanken über Sprüche überhaupt nnd Anfichtcn von Baron u. a. m. über diesen Gegenstand. Der gelehrte Heranögeber hat auch einen Anhang znm Buche gegeben, worin in reicher Fülle Parallelen ans hebr. Werken gegeben und auch ans lateinis. nnd modernen Dichtern nnd Denkern interessante Stellen ausgehoben sind. Von den hebr. Werken ist fleißiger Gebrauch gemacht von בן הנלרך והמיר, von den Kommentaren des R. Menachem Meiri nnd von den älter״ Werken, selbst ans Ehoboth ha- Lcbabotb. Mußrc Ha-Filososim, Tikkun Middot Ha-Nefcsch n. s. f. Bacon, Pope 11. a. in. wurde» ebenfalls oft benutzt und eine Masse von lateinischen Klassikern ist angeführt, »in dunkle Stellen zn beleuchten und zu ergänzen. Dieser Anhang hat allgemeines literarisches Interesse nnd ist in sich selbst eine Sammlung von interessanten Gedanken, die den Geist des Lesers anregen und belehren. Indem wir das Wcrkchcn dnrchgicngen, haben wir einige Bemerkungen niedergeschrieben, wovon wir folgende für den Augenblick anöheben. S. 142 hat Herr A. eine schöne Stelle des Meiri (Kommentar zu Prov. 16. 31) gegeben zu der Stelle des מבהר (Cap. I) במה ״) מגונה סכלות בזwie häßlich ist Thorheit bei einem Alten") 0 611 6 1 o u e o u I <1 sagt (Maximes Nr. 466): 16s vieux fouxsont plus toux que 168 jeunes (alte Narren sind mehr Narren als junge)." ‘) ILebrcw Literatur Kcv. Dr. J. W. Ethidgc Lond. 1856,

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