Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 12 (22.3.1861)
- Date
- 1861-03-22
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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105 dentbnme hcraiiötvitt, umt in dem Januarhefte einer andern Monatssclirist gegen denselben Du. Frankel eine der vehementesten Anklagen erhoben. Frankel wird da ungefähr wie ein Gesinnungsgenosse HoldheimS behandelt, dessen jüngst erschienene Schrift Darko hainisclinn für ״em Werk voll Lüge und Tänschnng, das von der Thora ab, in die Oden des Wahns und deö Irrthumö zu führen strebt" erklärt, so wie das von Frankel geleitete Rabbinersemminar ״ein Institut der Irrlehre und der Apikorßim-Grundsätze" genannt wird. Schreiber dieses hat eS zn seinem heiligen Grundsätze gemacht, seine Feder nie znr Niederschreibung einer ehrenrührigen, irgend eine Persönlichkeit verletzenden Zeile zu gebrauchen. Ist doch ohnedies die unter den jüdischen Oielehrten unsrer Zeit*» leider herrschend gewordene Sucht, sich in den Tagesblattern und in selbstständigen Werken gegenseitig herabzuwürdigen, ,genug zn beklagen. An die Stelle des früher» ת״ה מרבים שלים בעולם ist eine ewige erbitterte Fehde unter den Männern der Wissenschaft getreten. Man spitzt die Feder niemals so scharf zu, als da wo es gilt, irgend einem bekannten Gelehrten damit eine Wunde beiznbringen, oder dessen Namen mit der schriftstellertschen Tinte durch und durch zu bekleksen. — Wahrlich, man muß schamroth werden, wenn man dieses, das Indenthnm ebenso wie die Wissenschaft entehrende Treiben gewahrt, denn es scheint, als müßte jeder תלמיד חכם נוקם ונוטר כנהש sein! Wir setzen gewiß eine Ehre darein, uns von ähnlichem Treiben ferne zn halten; andererseits jedoch können wir einem so empörenden Benehmen gegenüber, wie dem hier gegen Frankel beobachteten, unmöglich ein Wort der tiefsten Entrüstung unterdrücken. Frankels Hodegetik (auch ״Ben Ehananja" Inniheft 1860 ist derselben gerecht geworden) ist ein Werk, das nicht nur von der gründlichsten Forschung und dem unermüdlichsten Sammlerfleiße Kunde gibt, sondern daS zugleich auch von dem Eieiste der innigsten religiösen Wärme und Hingebung getragen wird — ein Werk, das auf jedem Blatte sich als das Produkt vieljähriger Vertiefung in das Riesenwerk des Thalmuds bekundet, und das daher jedem Kenner des Thalmuds die höchste Achtung einslößt, so wie leder aufrichtige Verehrer thalmudischer Forschungen dessen Erscheinen mit Freuden begrüßte. Wir finden eS daher lief zu bedauern, daß ein Blatt, daß sich die ״Förderung jüdi- ל u II s t' r c r Zeit? Begehe ich nicht vielleicht eine Bersündigung?,egen d. historische Unvnrteilichteit, indem ich diese betlagenöwerthe Unsitte nur unsrer Zeit, im Gegensätze zu einer srühern, nnfbnrde? — (Sin Blick in unsere Literaturgeschichte muß uns zeigen. daß jenes den Schülern R. Mibci's zur Last gelegte, und als Punkt ihres Verderbens geltende Vergehen -- שלא הלקו כבור זה לזה — fast epidemisch unter uns geworden ist. Hören wir z. B. was R. Jehnda Jbn-Tibbon in seiner Vorrede zum Ehoboth ha-Lebaboth hierüber sagt: מנהג לוב בני ארם בזמן הזה להתעולל ולהחגולי על מי שמהרש דבר מבני דורם בין בהעתקה בין בהבור בין בפיוט בין בשאר העני ני ם הדומים לאלה, והמשכיל יזהר מהכנס במשעול הזה ויותר בזולתו וימלט נפשו מלשגנות בני ארם ומעלילותם ■ ואשימה נסשי בכסי ולא שמתי יד לסי והצבתי עצמי. כמטרה להצי המורים ונוי נתתי ־‘מכים■ schcn Geistes und jüdischen Lebens in Hans, Gemeinde und Schule" zur Aufgabe setzte, ein für jüdischen Geist und jüdisches Leben und — jüdische Wissenschaft so bcdeutnngsvolles Werk mit solch bitter» Invektiven überhäufte. Doch sehen wir einmal zn, woher der Erisapfel stammt, durch den dieser erbitterte Federkrieg hervorging. ES wird dem Verfasser der Hodegetik mit einem Worte vorgeworfen, ״die ganze darin gegebene Auffassnng der Mischna beruhe auf dein Satze: Gott hat vom Sinai dem Moses nichts mehr als das schriftliche Gesetz übergeben. Alles Andere ist lediglich durch menschliche Interpretation dieses Gesetzes und durch menschliche Gedankenoperation entstanden." — Auf welchen Grund hin wird diese Anklage erhoben? Zwei Stellen im Darke Ha-Mischna dienen hiezu als Anhaltspunkte. 1. Seite 5 nämlich spricht Frankel von den ,סירושי התורה und sagt hievon: הפירושים האלה נאמרי במועצלת ״ ודעת מסי אנשי כנה" גDie Erklärungen der biblischen Satzungen wurden von den Männern der großen Versammlung mit Ue Verlegung und Einsicht aus dem Schriftworte herausgedeutet." In diesen Worten findet die Anklage die offenbare Leugnung einer der obersten Prämissen des Iudenthnmes, welche lehrt, daß zu jedem in der Thora enthaltenen Gebote zugleich die Erklärung dem Moses nnmittelbar von Gott auf dem Sinai ertheilt worden sei, wie Maimuni diese Prämisse gleich an die Spitze seiner Einleitung znr Mischna stellt: דע כי כל מצור, שנתן הק״בה למשה הבינו ע״ה נתנה לו בפירושה (Vrgl. hiezu Thalmud Berach. 5 a). Wenn jedoch dagegen Frankel sagt, diese Erklärnngen seien von den אנשי כנ״הג mit Einsicht und U e b e r l e g u n g ans dem Schriftworte hcranögcdentet worden, so siehet Jeder, der Augen im Kopfe hat, ganz deutlich, daß Frankel jene oberste Prämisse ganz nmstoße. 2. Seite 20 ist von הלרה למשה מסיני die Rede, und es wird dort im Verlaufe der Stelle gesagt: ,ובעני ן הל״מ עיי׳ רא״ש ה' מקואות wodurch, nach der Behauptung der Anklage, das was Rabbenu Ascher nur für einige wenige Ausnahmsfälle angibt, von Frankel als allgemein geltende Regel ausgestellt wird: הל״מ nämlich bedeute nichts Anderes als דבר כדור כהלכה למשה מסיני. Man muß sich aber sehr wundern, wie auf eine so schwache Unterlage das Gebäude einer solch infamirenden Anklage erhoben werden konnte. In der That, fassen wir über diese so wichtigen Punkte die Ansicht Maimuni'S, jener Autorität, auf die die Anklage zumeist znrückkommt, prägnant zusammen, so finden wir, daß Frankel im Grunde nur ganz Maimuni nachschrieb. Nach der von Mail». entwickelten Ansicht zerfällt die mündliche Lehre in fünf Abtheilungen, von denen wir hier für unfern Gegenstand nur folgende zwei hervorheben wollen, um nachzuweisen, wie die Hodegetik Frankels sich ganz danach gehalten. a) Erklärungen der in der Thora verordneten Satzungen, durch Ueberlieferung von Mose auf uns gekommen. Bei dieseit findet keine Meillungsverschiedenhelt statt. So z. B. daß unter פרי עץ הדר Eßrog zu verstehen sei, daß bei עין תהת עין nur von Geldstrafe, bei שריפת בת כהן nur von אשת איש die Rede ist, Ulld drgl. mehr — über alles