Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1861-03-15 · 11 (15.3.1861) · p. Seite 94

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
11 (15.3.1861)
Date
1861-03-15
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2542917-2543023-2543035--2020-2545755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

94 Korrespouden). Auslarrd. Kopenhagen/ den 17. Feber. Am 1. d. M. starb in Rom der israelitische Künstler Her Ernst Meyer. welcher anerkannt einer der ersten Genrcmaler unserer Zeit war. Sein Tod wird in allen hiesigen Blättern als ein großer Bcrlnst bellagt. 'Ans den über denselben »er׳ öffentlichtcn Nekrologen und biografischen Skizzen erlaube ich mir hier Einiges mitzittheilen. Ernst Meyer wurde I7!>7 in Altona geboren »nt kam als 15jähriger Knabe hierher, wo er die erste Ansbildiing als Künstler bei der hics. Akademie erhielt. Ansangs widmete er sich der Geschichtsmalerei, vertauschte dieselbe aber spater mit der Genremalerei, in der er sich einen weltberühmten Namen erworben. 'Nachdem er bereits 18l5 die kleine. und 5 Jahre später die große silberne Medaille der hies. Akademic in einer Konklirrenz erhallen, verließ er in einem Alter von 25 Zähren Dänemark, ging nach München und von da nach Italien, wclcheö sein zweites Vaterland wurde. Das südliche Volksleben, das gerade dem Genremaler einen so unerschöpflichen Stoff darbictct. scsselte lhn in dem Grade, daß er sich nicht mehr davon losreißcn konnte, nnd es ist unter den neuen Künstlern vielleicht auch Keiner, der jenes Leben so schön und veredelt wiedcrgegeben, wie Ernst Meyer. Von Rom ans verbreiretc sich auch schnell sein Name und!eine Verübintheit, aber diese große Berühmtheit, die er erlangte, verleitete il׳n nicht zu einem Mißbrauch des ungewöhnlichen Talents. das die Vorsehung ihm geschenkt. Er hat also auch nicht viele Arbeiten hintcrlaffrn, die wenigen aber die wir von ihm besitzen, gehören zu dem Vollendetsten und Vesten, das die Malerknnst der neueren Zeit in dieser Richtung bervorgebrachl hat. Sein ״Fischer" und sein ״öffentlicher Schreiber" sind Genrebilder, die von keinem gleichzeitigen Künstler übertroffen sind. Daß seine Produktivität nicht größer war. ist eine Folge seines schwachen Gesundheitszustandes, mit dem er in seinen letzten 25 Jahren zu kämpsen hatte. Sein Tod ist ein unersetzlicher Verlust sür die Kunst. So liebenswerih er in seiner Knust war. war er auch im Leben, und der Humor, womit er jede linier- Haltung zu würzen verstand, machte seinen Umgang, wenigstens in seiner kräftiger» Periode, eben so anziehend als erfrischend. Ernst Meyer wurde im Jahre 18 W von der hiesigen Akademie zum Mitgliede derselben und 1852 vom Könige zum Ritter des Daunebrogordens ernannt. Am 2. d. M. gegen Abend wurde er ans dein isr. Kirchhofe in Rom beerdigt. Außer einer großen Menge seiner dortigen Glaubensgcnoffen begleitete ihn eine zahlreiche Schaar von Skandina׳ "!er,!. Deutschen, Italienern und andern Fremden zu Grabe. Vom Künstler gehe ich zu zwei großariigeu Kunstwerken über, die hier vor Kurzem ans einem der öffentlichen Platze von einer christ lichen Person errichtet worden sind, nnd die auch in einem jüdischen Blatte erwähnt zu werden verdienen. Es sind das nämlich 2 kolossale Vrvnzcstaluen. die die 2 Repräsentanten des Indenlbuins, Moses, den göttlichen Proscten, und David, den ״biblischen Psalniendichter in Israel" vorstellen Diese zwei ans der Meisterhand der weltberühmien Künstler Bissen und Jerichan hervorgegangene» Kunstwerke erregen allgemeine Bewunderung und machen aus das Herz eines jüdischen Be schaners einen besonders erhebenden tiiutrmf. Moses, mit den beiden Gcsetztaselu in der Hand, hat sowohl durch seine riesenbasle Gestalt, entschließt sich unser verehrter Freund, Hr. Wehli, uns die bezügliche Stelle aus Hagek'S böhm. Ebronik;ul;um05(1 ״ mitznlheilen. Red.) I lieber die Verfolgung von 20!>0 (Wiener's Emck ha Vacha S. 15!>. Anm. 5-t. Die Versolgnng von 2052 (eigentlich 105.°!) finde ich in hebe. Quellen nicht erwähnt; in Hageck's böhmischer Ehronik ist von derselben die Rede. S Herrmann's Geich. S. 20. Am». 2. 1 als durch seine Steklung und den Ausdruck von Kraft, Hoheit und Würde etwas überaus Jmponirendes. David mit der Krone aus dem Haupte, dem Griffel in der rechten und dem Pergamentblatte in der linke» Hand und der mit einem Engelökopfc geschmückten Harfe, auf die sich die ganze Figur lehnt, macht mehr einen poetischen Eindruck, indem hier der König, der Dichter nnd der Sänger in der schönsten Harmonie vereint sind. -- Dem denkenden Beschauer drängen sich vor diesen Kunstwerken manche Betrachtungen aus. von denen ich hier nur eine aussprechcu will. Es ist in der That ein Triumph des Judenthuiils, wenn in einem Lande, wo noch vor nicht tausend Jahren Thor und Bragi (bekanntlich der nordische Gott des Gesanges) verehrt wurden, solche Denkmäler zur Ehre der Männer errichtet werden, von denen durch den einen die göttliche Thora verkündet, und durch de» andern das Lob des einzigen Gottes in unsterblichen Gesängen gesungen wurde, oder um mich des trefflichen Ausdruckes von Zunz (synag. Poesie des Mittelalters S. -1) zu bedienen, ״von denen der Eine das Wort Gottes an Israel brachte, während der Andere Israels Worte Gott vortrug." - M i e l z i n e r. Inland. — Wien, 10. März 1801. Es ist zwar nicht politisch klug, die Schwächen dem Feinde zu verrathen. Doch der Wahrbeit ihr Recht! . Die Judenseinde rühmen den Inden gewöhnlich eine Tugend ׳nach, daß diese nämlich sich vereinigen, verbünden und zusammenhallen. Die eben vollzogenen Wahlen zum Gemeindcrathe haben das Gegcntheil bewiesen. Dem Verhältnisse entsprechend hätten fünf jüdische Gemeiuderälhe gewählt werden müßcn ׳, es sind im Ganzen jedoch aus der Wahlurne blos zwei hcrvorgegangcn. Zur Steuer der Wahrheit muß ich jedoch hinzusügen. daß die christlichen Wähler nicht die Schuld davon tragen. Mau hat in allen Walilversammlnnge» und es wurden sehr viele gehalten — nicht Ein Wort gehört, welches an eine judenseindliche Absicht mahnen würde. Hingegen haben wieder gelegentlich Ehristrn, von 'Namen nnd Ruf. befürwortet, daß Inden gewählt werden. Der chmalige Ministerialrath v. Mauer erinnerte daran, daß in London vor kurzer Zeit der Lord-Major ein Jude war. Wenn trotz all dem blos zwei Inden (Herr I. Knranda, Redakteur der ,.Ost-deutschen Post", nnd der Großhändler Herr -N. H. Pollak) gewählt wurden, so war dieses eine Folge der Zerfahrenheit der jüdischen Wähler. Von einer Parteiorganisation, die über persönliche Eimpalbien nnd Antipathie» hinansgeht, war nicht die Rede. Sv manche hatten den Ehrgeiz, das Ehrenamt zu verlangen, und diese wollte» die Unterstützung anderer׳, aber jeder stand und trat sür sich ein. Wolle Gott, das! wir von diesem kläglichen Schauspiele bei den Landtagswahlen bewahrt werden! — Erlauben Sie mir auch ein Wort über den Fraukl-Bee>-Hirich scheu Streit. Wäre Herr Hirsch vom Standpunkte der Wissenschalt gegen Frankl ausgetreten, so hätte wol Frankl selbst und seine Freunde ans den Angriff auch wissenschaftlich erwidern »lüsseii. Herr Hirsch be gann aber damit ein Ketzergericht zu Hallen nnd die gemeinste» und verletzendsten Schimpsworte zu gebrauchen und diese müssen abgeivehrl werden, indem eben Herrn Hirsch vorgehalten wird, daß er nicht im Eulfrrnlcsten berufen ist, sich als Richter aniznweigen. Man wei>, üb rigens, warum Herr Hirsch mit solcher Berserkerivnth gegen das Semi nar und die Lräger desselben loszieht. Der fromme Mann wollte )elb)t ein Seminar begrünten nnd der Plan ist mißlnngen. Herr Hirsch kann Predigten schreibe». Er kann in gleicher Weise sür den einen wie für den andern Monat des Jahres begeistern, sei es Nissan. Ijar etc. Herr Hirich aber ist lein ביק^, wie dieses die mährischen Rabbiner bezeugen werde»- und auch sonst kein Gelehrter ans irgend einen! Gebiete, wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.