Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 11 (15.3.1861)
- Date
- 1861-03-15
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Die zehn Gebote »er Pädagogik. Pom Schuldirektor A. Lederer. Die Pädagogik ist die Kunst, die ttttmüttdigeu Wesen, d. h. die Kinder mit bewußter, absichtlicher Einwirkung zu befähigen, sich einst selbstständig und selbstthätig zu vervollkommnen um ihrer waluen Bestimmung entgegen gehen zu können. Doch die Pädagogik ist nicht nur eine Kunst, sondern auch eine Wissenschaft, die unö über die heilige Aufgabe des Erziehers und über die Art und Weise ihrer Lösung belehrt. Der Spruch unserer Weisen in Bezug des religiösen Lebenswandels ולא עם הארץ הסיר hat auch hier seine An- Wendung, denn wer sich der menschlichen Entwicklnngsgesetze und der Erziehungöregeln nicht klar bewußt ist, wird daher auch der Aufgabe eines Erziehers nicht entsprechen können. Die Kenntniß der Pädagogik ist somit für die Aeltern von besonderer Wichtigkeit. Denn wenn auch das scharfe Wort Voltaires, ״daß die Hälfte der Menschen ihre Lebenszeit dazu verwendet, um die andere Hälfte zu verderben", schon viel au seiner Wahrheit verloren hat, so haben dennoch die pädagogischen Kenntnisse noch immer nicht diejenige Geltung und Verbreitung gefunden, wie sie von jedem Freunde der wahren Aufklärung und des sittlichen Fortschrittes gewünscht wird. Um nun die Gesetze der Pädagogik dem Gedächtnisse des Laien leichter znznführen, habe ich es versucht, die wichtigsten derselben zusammenznziehen und sie dem Terte der zehn Gebote anzupassen, da die Kenntniß der letztern bei Jedermann ohne llnterscbied der Konfession voranöznsetzen ist, und da nach dem Gesetze der Ideenassoziazion das Unbekannte und Nene durch seine Verbindung mit dem schon Bekannten sicherer, vollständiger und klarer in unserem Bewußtsein bleibt. Diese zehn Gebote lauten also: l. Ich die Pädagogik, sei bei der Erziehung deine Leiterin und Führerin, die dich und die ganze Menschheit heranögeführt hat ans dem Kreise der rohen Sinnlichkeit, aus dem Reiche des thierischen Lebens. Denn der Mensch ist das einzige Geschöpf, welches der Erziehung bedarf, und ohne Erziehung fisiscb und psichisch zu Grunde gehen müßte. Bei den Israeliten ist die Bibel die Pädagogik und Gort selbst der höchste Pädagoge. Wir haben daher dieses von Gott gegebene Gesetz als die Grundlage der Erziehung zu betrachten. Der sromme Psatmist sagt daher: בילה יוכהנער ״ " אה ארחו לשמר כדבריך:Wie kann ein Jüngling rein halten seinen Pfad? Indem er sich hält nach deine»! Worte." Unsere Erziehung sei daher vor allem religiös! veile edition pur Mr. L. D. S. Nisines 1785. 2 Bünde!ר. : l*eaaamen, pessomcn , pouaamo», irao »nt fohp fraiip W. rrTlärt wirr: pcine (MÜln׳), aonei (Lonp'I, eli:1׳־in (Betrübtheit), inquietude (Unruhe). (50 wird hiuzugeslnp. d. W. scheine io viel zu bedeuten, als: penaee penaee obrr »>ena mena. (gmiz ideulisipit Pismo» mit d. fivinp paeaume (Borlr. 383.) ober mit psalma i^Zynag. Poesie 88. 3ti7) Bei dcn Alte» heißt, wie Zelliuek uuchgewieseu Hai, Pismon ׳ laute Antwort. Antistroje. indem das th.iiqniniiche □ תן dem hebe. ענה entspricht. 5al. .U'olpt in (. Selichol Auouabe ha, Bis ״IO» sochir mu ..Poiamentiren" mivpichen). ׳Iked I II. Du sollst bei der Erziehung keine andere Gese-e als die der Pädagogik dir zur Richtschnur nehmen; du sollst 1 dich weder vom Vorurtheil, noch von der Laune leiten lasfen j du sollst weder der Eitelkeit noch dem ServiliSmnS huldigen-, du sollst nicht heute zu streng, morgen zu nachsichtig bei der Erziehung sein! denn diese pädagogischen Vergehen strafen sich bis ins dritte und vierte Geschlecht; doch die Befolgung der pädagogischen Gesetze bringt Glück nnd Segen bis ins tausendste Geschlecht. Der weise König sagt: :״ — שבס והוכחת יחן הכמה ונער משלה מביש אבלוRuche und Zurechtweisung oder Strenge mit Milde gepaart bringen Weisheit, doch ein sich selbst überlassener Knabe macht seiner Mutter Schande". Unsere Erziehung sei daher konsequent! III. Du sollst meinen Namen nicht miöbrauchen im Dienste des Absolutismus, des finstern Aberglaubens und der vergänglichen Mode, sondern bei der Erziehung die Entwicklung der höher« Geisteskräfte, des Urtheilö- und Schlnßvermögenö anstreben. ״Der Geist zündet nur an den Geist nnd durch den Geist." Unsere Erziehung sei daher rationell! IV. Gedenke der hohen Bestimmung deö werdenden Menschen. Du sollst zwar bei der Erziehung den künftigen Beruf, die zum praktischen Leben nochwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten nnd Geschicklichkeiten berücksichtigen; doch bei alle dem muß die Erziehung zur Humanität dein höchstes Ziel dir sein. Mensch sein, heißt Gott ähnlich werden ״ — כי בצלם אלהים עשה את האליםDenn Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde." Unsere Erziehung sei daher human! V. Ehre die Natur, den inenschlichen Organisurns der Kinder, berücksichtige die Individualität, daß Teniprament, die körperliche Konstitution deiner Knaben und Mädchen. Lernet, Väter und Mütter! besonders euere eigenen Fehler und Begierden, so wie die Macht der natürlichen Dis- Position und Inklination kennen und bemühet euch, besonders diesen sogenannten angebornen Sünden und Leidenschaften mit allen pädagogischen Mitteln entgegen zn arbeiten. Entwickle zuerst die körperlichen Kräfte durch zweckmäßige Ernährung, Bewegung und Reinlichkeit, übe sodann die Sinnesorgane, daö Gedächtniß, das Gefühl und dann den denkenden Geist, den freien Willen, kurz berücksichtige die natürlichen Entwicklungsstufen des menschlichen Geistes- und Leibesorganismus, dann!vird die Erziehung mit dem besten Erfolge gekrönt sein. ״Währst du dich der Natur, so spottet sie weise der Ohnmacht; wenn du bescheiden ihr dienst, lohnt sie mit Einfluß und Macht." Der weise Salomo sagt: ״Uebe den Knaben.nach seiner Weise, auch wenn er alt wird, wird er nicht davon weichen." Kurz:unsere Erziehung sei naturgemäß! VI. Du sollst nicht morden, nicht tödten die dem Kinde von Gott geschenkten Anlagen, sondern sammtliche Körper- und Geisteskräfte gleichmäßig entwickeln. Erziehe keine einseitige Verstandesmenschen und keine bloße Gefühlsmenschen, sondern Menschen mit Hellem Kopf und warmen Herzen; frisch! froh! frei! fromm! sei bei der Erziehung dein Losungswort. ״Auf daß mit Bestem Bestes sich vermahle, wohn im gesunden Leib die gesunde Seele." Die Erzieb u ng fei d a h e r h a r m o n isch!