Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 11 (15.3.1861)
- Date
- 1861-03-15
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 reaktionäre Unzukömmlichkeiten und mißliebige Persönlichfeiten zum Bestände gelangt, niemals dem Kern der Bevölkerung als Ausdruck seines Strebens gelten. Da trat Dr. Jellinek in das hiesige Predigerkollegium, und an seinen Eintritt knüpften sich neue Hoffnungen, die allgemach in Erfüllung zu gehen beginnen.!)1׳. Jellinek hat selbst zu sehr an den wissenschaftlichen Bewegungen der Neuzeit durch Wort und Schrift thätigen Antheil genomu.»«, als daß eS ihm genügen könnte, sich an eigenem Glanz selbstgefällig zu weiden, und gleichsam ״unter Larven die einzig fühlende Brust einsam umher zu wandeln׳'. Ihm st'S Bedürfuiß zu j zünden und neben sich noch andere leuchten, zu wecken und! noch andere leben zu lassen. Er besitzt den Scharfblick, die! Kräfte zu erkennen, die er sucht, weil er sie liebt, und er! findet überall die Perlen, wie tief sie auch schlummern.! Gelehrt und kanzelgewandt fährt er wie ein Lcnzeshaucb! belebend in die Geister, facht durch seine Beredsamkeit die j Funken zur Flamme der Begeisterung an, und mancher! Greiö, der ein halbes Jahrhundert in Wien wie ein Schalten durch die Menge schlich, ohne daß jemand eine Ahnung von den Wissensschätzen hatte, die in seinem Geiste aufgespeichert lagen, ward von Di׳. Jellinek aufgefundeu und zum! Bewußtsein seiner Kraft gebracht. Freilich bleibt die Fra- | ge zu erörtern übrig, ob Wien der Boden sei, wo Wissen-! schaft überhaupt und die unsrigc inS Besondere gedeihen! könne? Sollte jedoch dereinst auch hier eine Blüthezeit dai für erstehen, so wird man diese neue Aera mit Jellinek'ö j Eintritt inS Amt zu beginnen haben. Borläufig werden alle Bestrebungen, die durch Jellinek mittel- oder unmittelbar hervorgerufen wurden, wenn sie auch noch nicht durch die Fülle ihrer Erfolge imponiren, doch durch die frühliugöartige Regsamkeit, die sie charakterisirt, den Freund geschichtlichen Werdens erfreuen. Im Zusammenhänge mit diesen Bestrebungen stehet auch das Unternehmen deö Herrn ToneleS, eines Schülers deö sel. Markus Benedikt, zwischen dessen Stillleben und der Oeffentlichkeit nur sein bescheidener Sinn bisher eine Scheidewand aufgeworfen. Herr Toneles ist streng konservativ und dennoch mit kritischem Sinne begabt. Ein gründlicher Thalmudist, weiß er den Thalmud wissenschaftlich zu behandeln, ohne der frömmelt Auffassung nahe zu treten. Er eröffnete Anfangs November einen Kursi ' von Vorträgen über Thalmud und Mischna für RabbinatSkauditaten, und hat laut Programm in dieser kurzen Zeit gelehrt: Misdina Denidiot theilS kursorisch, theilS statarisch, Cholin 1 —12 B. Tin־ Jore Den 1—16 und ‘23 — 35. Er eröffnete die Prüfung mit einem Bortrage über das Berhältniß der mündlichen zur schriftlichen Lehre, und hob daS Prinzip der freien Diskussion auf den! Gebiete der ersteren mit starker Betonung hervor. An jede Mischna, die geprüft wurde, knüpfte er dann alle später» kommen ta torischen Folgerungen bis zu den Zeiten der Achronim. In der praktischen Halacha gaben die Jünger mit Gewandheit Bescheid. Herr ToneleS bewies seine eminente Begabung für dieses Lehrfach, und wir wünschen nur, daß er nicht erschlaffen möge. Die Anerkennung, die solchem Streben zu Tbeil werden muß, geht langsamen aber sicheren Schrittes. Pen Leopold Duke s. II. Pismon (פזמון ). Dieses allgemein bekannte, und seinem Ursprünge nach so dunkle Wort hat seit EliaS Levita die Aufmerksamkeit der Gelehrten beschäftigt. Wir selbst haben anderSwo einige Bcrmuthungen darüber ausgesprochen. Wir haben d. W. Pismon französischen Ursprung zu geben versucht '). Wir fügen hier eine andere Bermuthuug hinzu, ohne die bereits ausgesprochene zurückznnehmcn. In der Langue d’oe ־) heißt P e ssame n ״Gedanke, Sorge." In diesem Worte glauben wir ebenfalls daS Wort Pismon zu finden. Die Bezeichnung wäre in diesem Falle eine allgemeine, ohne aus die bestimmte Form der Pismon-Poesieen Rücksicht zu nehmen. Pismon ist nämlich bekannter Maßen ein Gedicht, in welchem jede einzelne Strose mit eben und demselben Refrain schließt. DaS מושה (Mowaschach) der Araber hat dieselbe Beschaffenheit; dasselbe gilt von vielen modernen Gediehten, besonders von den Liedern (ChansonS). Ob die so eben vorgetrageue Vermuthung richtig sei, wollen wir noch dahingestellt sein lassen. Jedenfalls ist cs unö wahrscheinlich, daß פזמון nicht auö dem Chaldäischen sondern von irgend einem südfranzösischen Worte stammt. Schon der Umstand, daß mehrere südfrauzösische Wörter geeignet sind, den fraglichen Ausdruck zu erklären, dient zum Beweise für den südfranzösischen Ursprung. Ein arab. Wort ist zur Erklärung von Pismon noch nicht gefunden worden, doch wäre ein dieöfälliger Versuch von Interesse ׳'). ') Frankel's Mtschr. 183!). S. 121. ־) Sprache v. ot\ d. b. k. südl. Frankreich. In einer Hand schrift ans d. Orf. Bibl. (Mich. Sainuil.) findet sich eine kleine Sammt. veil Glltachken mit folgender lleberschrift: אחרים C'pDD אתהיל והוראות ותשו׳ שאלות אשר לקמת׳ ממונפלירא והמקומות לשון אוק ופרוינצא D. ל׳ אוק ist die huigue «rot;. Ob sich diese Be;richt»!ng noch in einem ander» jüdischen Werke finde, ist uns nicht bekannt. In einer andern Rbtyeilnng dcrs. Hanoschrifl finden sich d. W.: מכאן פומבין בספרד לשהיק במבלאש ואישקיש Das erstenscheint ein dem modernen Domino gleichendes Spiel zu sein: letzteres ist das Schachspiel. ף DaS Wörterbuch, woraus wir :!nscee Perinntlinng schöpften. n!׳r! de!: ritel: l>ictioii::ri't* . . iVam-ais . . . Non-