Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 11 (15.3.1861)
- Date
- 1861-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 11. Lzegrdin, de» 15. März 1861. Uen Ir JIMJfC Tht Vierter Jahrgantj. Jjpnuusiji’fici• uni) toufdcui־: L. Löw, iHicrruötiiiier zu ^zeijeDiu. Jede» Freitag erscheint ein ^an^cr Boqen. . Man abviiniil l'ri allen Pvstänitcrn und Buch- Liiscnilc sind an den Verleger S. Burger Präuiiinerationspreis! liandlnngen des Innnd Auslandes. in Szeged!» oder an Hrn. Franz Wagner G.1,,zjäb>m 7 fl., ball'jälirig l! fl. 50 fr., Mnimslü iplc in Leipzig zu senden. Die zweispaltige Petitvierteljährig 2 fl. vstcrr. Wäbr. sind un die Redaktion zn senden. zcile wird inil 10 Nkr. --- 2 Sgr. berechnet. Inhalt. Tvneles Thalinndichnle m Wien, v. A. B. Piiitlon v. Dukes. — D. 10 Geb. d. Pädagogik, v. Lederer. — Die Kohcnfrage, v. Lengsfelder. — Prager Ehrvnik v. Ernst Webli. — Korrespondenz Ansl. Kopenhagen (Ernst Meyer. Die Statuen MostS n. David's) Wien (Die Wahlen in Wien.' Frankel-Hirsch-Affaire). Lit. Anz. Steinschneioer's Bibliografle. --Miszellen. -- Sch'loh nnd Telegraf. — Beil. Brener'S Rechtscrtignng. — Zusätze zu Alcharisi v. DnkeS. — Briese ans Galizien. -- Neuestes. (londes. LhntinnSschnl!׳ in Men. Samstag den 2. März 1. I. hielt der gelehrte Thalnuldist, Herr TonelcS, dessen schon in diesen Blättern von Seiten einer sehr achtbaren Kompetenz Erwähnung geschah, in einem Lehrsaale der isr. Retigionsschnle vor den beiden Herren Predigern, dem Herrn Rabbiner und mehreren Sachkennern ein eraminatorischeS Evllogninm mit seinen Jüngern ab, über welches 'Letztere Sic einiges hier zu Akte nehmen wollen. Es gehört in der Thal einiger Much dazu, dem stets strömenden, glanz- und prachtvollen Leben der Residenz gegenüber mit so grauen theoretischen Bestrebungen ״Interesse" erwecken zu wollen, zumal bei der gegenwärtigen Fisiognvmie unserer Stadt, in der die Wahlstätten politilcher MeinnngSkämpse alle Ansmerksamkeit absorbiren. Dort wird getagt, um die Kandidatenliste für den neuen Gemeinderath anzntertigen, und wieder dort erhitzen sich die Köpfe nm die mächtigen 'Lebensfragen, die schwer wie Gewitterwölken über Oesterreich hängen; Ehrgeiz und Ambition sind entfesselt, Furcht nnd Hoffnung beherrf chen die Geniüter nnd inmitten dieser Strömungen sitzt eine kleine Schaar stiller Denker, Nild strengt, ringekümmert darum, um׳ hoch auch dransten die Wogen gehen mögon, die ganze Denkkraft au, um Fragen zu lösen, die scheinbar dem Vebnt fremd nnd ferne stehen. Und dennoch stehet dieses Unternehmen zur Wiederbelebung jüdischer Wissenschaft in Wieit im Znjammeuhange mit den allgem. Ieitbestrebnngen und einem Geiste, der erst seil Kurzem in unserer Gemeinde tvachgerustil wurde. Sie werden nämlich wisselt, das! der Dreizack, worauf der gerechte Simeon die jüdische Welt beruhen läßt: Thora, Gottesdienst und mildes Werk sich biöh. noch nicht mit allen drei Wurzeln ins Wiener Leben einfügen konnte. Die Sorgen um Kultus und Armenpflege, ließen die nm Schule und Wissenschaft, so zu sagen, noch nicht zu Worte kommen Mdische Gelehrte in Wien waren jene sporadisch wachsenden Pflanzen, von wenigen gekannt, von Niemanden ihres Wissens wegen geachtet nnd hervorgezogen. Sie hatlen keinen Mittelpunkt, nm den sie sich schaaren konnten, i keinen Blick, der sie ermunterte, kein Muster, das sie an- ' regte. Manche stiegen wie Jrrfterne ans, nm wieder bald ׳ zu verschwinden, andere giengen, vom Strudel des Lebens ergriffen, nnter, nachdem sie früher alles wissenschaftliche j Streben über Bord geworfen hatten, und noch andere erj faßte ein hartes Geschick, schleuderte sie ins Elend hinein,! wo sie in Aermlichkeit nnd Erbärmlichkeit verkümmerten. Diese Schilderung involvirt jedoch keinen Tadel gegen Personen, denn von den Leitern galt der Spruch: Nou illoriun erat culpa seil temporuin, und wo all das Große nnd Glänzende, waS ist, erst nengefchaffen werden mußte, da wäre die Frage: Warum nicht auch dieses? nicht nur ein Akt gehässiger NachsichtSlosigkeir, sondern geradezu der Anmaßung und der Undankbarkeit. Indessen hatte der Zuzug vieler Inden ans dett Provinzen, wo die bekannten nationalen Bestrebungen auch bei den Israeliten verwandte Erscheinnngen hervvrgernfen, auch in Wien ein früher nie gekanntes Bedürfnist mächtig fühlbar gemacht. Dieses gab sich zuerst in einem lauten Verlangen nach jüdischen Volksschulen, bald in Restaurationen v. Eheder u. Thalm.-Thora in alter Manier kund. Natürlich konnten die Letzter», als mit dem Ieilbewnsttsein!:1 Widerspruche und zudem durch