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Ben Chananja · 1861-03-01 · 9 (1.3.1861) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
9 (1.3.1861)
Date
1861-03-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 Der von hier al'ijelu’ntc Polizeidirektor .'bcrr Baron Panmann machte gestern feilte Abschiedsvisite auch bei dem Borsteher Herrn Ernst Wehli wie auch beim Oberrabbiner Herrn Rappoport, und druckte bei dieser Gelegenheit die Versicherung aus, daß er die isr. Enltusgemeinde auch in der Ferne im freundlichen Andenken behalten werde. Die Poli-;ei kann auch recht höflich sein. K.... 24. Feber, Ein hiesiger jüd. Kanfmann kauft feit Jahren die Makulatur von dem Notariate der hiesigen Stadt. Unter den vor einigen Tagen übernommenen Papieren findet sich ein Brief, der in diesem Augenblicke wol ein allgemeineres Interesse hat, und den ieli Jluien daher wörtlich aus dem Ungarischen übersetze: ״Geehrter Hr. Odernotär! bei Gelegenheit der Einsendung dieses dritten Ausweises kann leb meine Verwundernng über den Umstand nicht verschweigen, daß ich bis jetzt weder den wackern griechischen Geistlichen noch den Rabbiner unter die Repräsentanten der Stadt anfgenommen finde. Wie e-S scheint will man die Israeliten ganz übergehen. Dies ist nnn aber nicht gerecht, ja auch nicht nützlich; denn es finden sich unter denselben so ehrenhafte und intelligente Individuen, welche — wenn sich etwa die Stadt in irgend ein Geschäft einzulassen, oder einen nützlichen Oiebach zu machen hatte, — einen bessern Rath zu geben verständen, als die übrigen Repräsentanten. Ja, eS können auch solche Eventualitäten eintreten, wo sie durch ihre Befürwortung bei ihren auch der Seelenzahl nach nicht unbedeutenden Glanbensgenossen die Stadt aus einer augenblicklichen Verlegenheit retten könnten. DaS Prinzip der Religioiisgleichheit steht ja bei nus aufrecht, — und ist die jüdische Religion keine Religion? Aber wenn sie auch nur eine geduldete!Religion ist, so ist es doch schädlich, in einer solchen Körperschaft nnduldfam zu sein, wo von dem Wohle der ganzen Be- Völker,liig die »Rede zu sein pflegt. Die übrigen Theile des Ausweises werde ich noch heute Nachmittag übersenden. Ich bleibe mit Achtung K. an, 7. Feber 1801 eines geehrten Obernotärs bereitwilliger Diener Sz.K., An den Wohlgebornen Hrn. H. I. städt. Obernotär *). / Pest, 24. Feber. Hr. Johann Török, den unsere humorischeu Blätter vor nicht langer Zeit als einen Janus mit doppeltem Antlitze abgebildet haben, erpektorirt sich in einer der letzter!! Nummern s. Bl. (Hii'iiök) gegen die Emanzipation, und meint, nach der Grundbesitzsähigkeil schielend, dieselbe sei in Ungarn zllnächst eine Frage der Nationalökonomie. Wenn Hr. Török im Ernste glaubt, daß der Bodenwerth in eben dem Maße steigt, als die Zahl der Käufer durch daö Gesetz vermindert wird; so ist diese volkswirthschaftliche Anschannng vollkommen der Schwindelei entsprechend, mit welcher Hr. Török die Publizistik treibt. Kalocsa, itu Feber. Die hiesige Gemeinde bittet in einem Ausrufe um Unterstützung ihres Synagogenbaues. Bolechvw, den 15. Jänner. Der in Lemberg erschienene polnische Kalender für's Jahr 180 l brachte einen Artikel mit der Uebcrschrist ״Zyd-rolnik w Galicyi“ (ein jüdischer Laildmann in Galizien). den ich Ihnen, geehrtester Herr Redakteur, seinem ganzen Inhalte nach. in deutscher Uebertragung mit einer Nachbemerknng inittheile. ״Im Jahre 1844, heißt eö daselbst, reiste ich am frühen Morgen über Staremiasto, einem Dorfe hinter Lezajski am San gelegen. *) Der Hr. Eins, hat uns auch dcil ung. Originalbrief zukommen lassen, an dessen Echtheit nicht gezwe seit werden kan». Einzelne Stimmen lassen sich allenthalben zu Gunsten der Mniiizipalrechte der Inden vernehmell. Red. Da bemerkte ich an der Straße im Hose eines ansehnlichen WlrthschaftSgebändeS zwei Knaben mit einer Arbeit um den Pflug beschästigt. und an der Thüre einer ordentlich gebauten Hütte einen ehrwürdigen Israeliten." ״Vor Zeiten mußte der Kommissär der Grenzwache von der Wohnung eines Inden an der Grenze in Kenntnis; gesetzt werden ans den mir Seitens des StationSkomillalidanten vorgelegten Ausweisen wußte ich nichts von der Eristenz eines Juden in diesem Dorfe ich stieg daher vom Pferde ab, und mich dem Inden nähernd, fragte ich denselben, was er hier mache, und ob er eine Erlaubnis; bier zu wohneu habe? Ans diese Anrede erwiederte derjJnde gleichsam mit Würde: ״Herr! ich wohne hier seit meiner Geburt; worüber ich ein königliches Diplom habe. Treten Sie in mein Zimmer, so will ich Jbnen dasselbe zeigen!" — Ich trat ein. Zuerst frappirte mich die niedliche Reinlichfeit im Vorhanse, auf dem Herde und im Zimmer, wo ich außer einigen Büchern ans dem Pulte, nichts Jüdisches bemerkte. Da öffnete der Jude einen angestrichenen Kasten, holte eine Büchse aus Blech hervor, woraus er ein Pergament zog, das er mir zum Durchlesen einhändigte. Wie erstaunte ich aber, als ich das Diplom mit der Unterschrift des Königs Johann Kasimir versehen, bemerkte, der dem Inden — dessen Namens ich nlich nicht mehr erinnere — die Bewilligniig ertheilte, sich in Sfaröjwsi (Altdorf) ansässig zu machen. ״Dieses Diplom, fügte der greise Jude hinzu, hat mein Urgroßvater erhalten, mein Gcoßv., hierauf mein Vater und dann ich. Wir wohnen aus diesem Grundstücke und bestellen das Feld. wie Gott geboren." — Mit Ehrerbielung fast stellte ich dem Greise sein Diplom zurück, welcher eö mit nicht geringer Ehrfurcht wieder in die Büchse legte und in dem Kasten einschloß. Hieraus führte er mich in den Hof nnd stellte mir seine Söbnc vor, d.e sich eben mit der Besvannung des Pfluges und mit Aufladung von Eggen ans den Wagen beschäftigten, während dessen eine betagte - ,üdische Frau mil ihrer Tochter das vom Felde znrückgekehrte Vieh in den Stall trieben. Die Tracht Alter, wie auch des Greises war ländlich; einzig ans den Zügen und an dem der Männer Haupt bedeckenden Sammtkäppchen konnte man die Inden in ihnen erkennen, deren Abstaulmnng das gntgesprochene Polnisch sonst nicht verrieth. Auf der Station angelangt, befragte ich den Kommandanten über den jüdischen AckerSmann, der in der Thal folgende Erklärung von ihm gab: daß jener Jsraelite sehr gut wirthschafte, indem er alle Arbeiten bei seinem Acker selbst verrichte; er beschäftigt sich weder init Ausschank von Getränken, noch mit dem Tabakverkause, und umsoweniger mit Wucher, weshalb auch die ganze Dorsögem. ihn!ehr achte Hier vielleicht ein einziges Beispiel von einen echt jüdischen Landnianne in Galizien, von dem man kühn behaupten kann. daß er sich durch rechtschaffene Arbeit von den Fehlern und der seinein Volke eigenen Faulheit emanzipirte. Einen solchen Menscheu soll man von ganzem Herzen achten, und mit wahrem Vergnügen bringe ich dieses Erempel zur allgemeinen Kenutniß. O, möchte es recht viele Nachahmer finden! Und warum es deren nicht finden sollte, müssen wir aufrichtig gestehen, können wir uns nicht erklären denn eine ehrenhafte Arbeit fügt ja Niemand Unrecht zu, sondern bringt Gottes Segen mit sich, der derselbe ist, welchen wir in der Kirche oder in der Synagoge anbelen. Und warum sollen die Juden nicht als Landleute sich beschäftigen? Sie sind ja die Nachkommen jener Patriarchen, die ihr Hans hüteten und ihren Acker bestellten. Daö Leben eines Landmannes ist ja wahrhaft patriarchalisch, woran die alten Juden gewöhnt waren." Für das ehrenhafte einem jüdischen Landmanne in Galizien ausgestellte Zeugniß sind wir dem Verfasser besagten Artikels den gebühreuten Dank schuldigallein gegen die nnserm ganzen Stamme zu

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