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Ben Chananja · 1861-03-01 · 9 (1.3.1861) · p. Seite 78

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
9 (1.3.1861)
Date
1861-03-01
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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78 ״Passikoff, ich stellte Sic in diesen Ländern an, meine Unterthanen zu schützen, für das gemeine Beste iind die Wohlfahrt meiner Bürger zn wirken, aber keineswegs sic zn drücken oder in Noth zu bringen. Ich will Sie nicht behandeln, wie Sie cs verdienten, denn ich ebrc Ihr Alter und die vielen Dienste, die Sic in früherer Zeit geleistetaber kehren Sic um und legen Sie die Sache bei, daß nicht die Klagen oder Thränen meiner Niuertbanen vor meinem Thron erscheinen." Es wurde hierauf die (5׳rlaub>1iß zur schleunigen Abreise des Gcncra-Gouvcrncnrs und zweier von den Depntirten gegeben, und es fanden Vermittelungen statt. Die zwei andern Depntirten blieben noch am Hofe, um ihren Plan zn völliger Ausführung zn bringen, und ein neuer Gnadenbrief wurde den Inden in allen eroberten Ländern bewilligt, vermöge dessen sie einverlcibte Bürger sein sollten, gleich den Nüssen und Polen, und sowohl die öffentlichen Lasten und Stenern mittragen, als auch alle Borthcile des Staates ohne Ausnahme mitgcnicsscn; auch sollten sie eine vcrhältnißmäfsige Zahl Beisitzer ihres Glaubens bei allen össentlichcn Behörden haben; auch die Handwerker mit ihren Gilden sollten einverlcibt, kurz in allen öffentlichen Geschäften in Bezug auf össcntliche Behörden und Bürger, auf Ncgulirnng der städtischen Einnahmen und Ausgaben nichts vorgenommen werden ohne Zuziehung der jüdischeu Beisitzer׳, ein glücklicher Zustand, dessen sich die Inden in diesem Kaiserthum bis auf dem heutigen Tag!1809! erfreuen. 34. Die Israeliten von Dänemark nnd Schweden. Obgleich Dänemark ein unumschränktes Königreich ist, so ziehen doch die Milde der Negierung, der moralische Eharaktcr, die Eivilisation, die Industrie nnd Thätigkeit dieses Volkes die Aufmerksamkeit jedes gleisenden ans sich, und obgleich mein Zeugntß in dieser Hinsicht nnnöthig sein mag, so war doch der Eindruck, den dieses kleine Land aus mich machte, zu stark, als daß ich rS mit Stillschweigen übergehen könnte. Die Juden, welche in diesem Königreiche wohnen, genießen auch die volle Freiheit cinvcrleibtcr Bürger, tragen die öffentlichen Lasten und Stenern, und nehmen an dem Gemeinwesen Thcil gleich den übrigen Einw. des Landes. Was die Eivilisation, die bürgerlichen nnd häuslichen Beschäftigungen der Juden in diesem gleiche betrifft, so bemerke ich, das sie in Bezug auf Scharfsinn nnd Geist (um ihnen nicht zn viel zu schmeicheln) sehr mittelmäßig, für theologische Studien nicht sehr eingenommen, jedoch nicht ohne gute Eigenschaften sind, indem sie im Allgemeinen sich tüchtig zeigen in Hinsicht der Führung ihres HansbaltS, gastfreundlich nnd dienstfertig gegen Einheiniische und Fremde, betriebsaur in ihrem Geschäfte, sei cö nnn Handel oder ein Handwerk-, sic haben auch einige ausgezeichnete Männer hervorgebracht, als: Aerzte, Wundärzte und auch einige Künstler. Während meines Aufenthalts zu Kopenhagen unterhielt ich mich oft mit Inden, welche Geschäfte halber aus Schweden kamen; ich erknndigte mich nach dem Zustande der Juden in diesem Königreiche, und erhielt die günstige Antwort, daß sie sich in keiner Hinsicht über ihre Lage zu beklagen hätten. 35. Die Juden i n P r e n ß e n unter Friedrich Wilhelm II. nnd III. Dieses Königreich ist cbcnsalls unumschränkt׳, was ich in Bezug ans seine Eivilisation, bürgerliche Verfaffnng nnd Industrie wahrnahm, weicht von meinen früheren Erfahrungen sehr ab, ich will darum meine Betrachtungen über diesen Gegenstand ansgeben, und zu einer Schilderung der wesentlichen Fähigkeiten, der Eivilis. und Freih. der Inden übergehen, welche dieses ausgedehnte Land bewohnen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. Inland. 7• Wien, 25. Feber. In Galizien wird das kanonische Verbot, daß Ehristcn nicht bei Inden in Diensten stehen sollten, mit Hilfe der Polizei anSgesübrt. Ist das polnisch, rnthenisch oder deutsch? Jüdisch, menschlich, gerecht ist es nicht! Wann wird in unserem lieben Österreich das Mittelalter anshören? — Prediger Mannheimer wurde als Kandidat für den hiesigen Gcmeinderath ausgestellt, erklärte aber eine ans ihn fallende Wahl ablehncn zu müssen. — Ans Paris wird gcmcldct, daß dort eine Adresse an den Seminar-Direktor Dr. Frankel in Breslau vorbereitet wird. Wird dadurch aber der Standpunkt des Nabbincrs Hirsch, auf welchem seiner Zeit der sel. 9t. Akiba Eiger dem Dr. Geiger gegenüber stand, widerlegt? Wenn die ganze Hirsch-Frankel'schc Affaire eine persönliche bleiben soll, dann verliert sic jede Bedeutung für die Entwicklung des IndenthninS. Warum treten nicht Männer aus, welche den Begriff der thalmndischen Tradition ganz objektiv, ohne persönliche Schmähungen behandeln? ES ist wahrlich Zeit, daß einmal Klarheit nnd Bestimmtheit in diesen Begriff komme, und dies kann nur durch die objektive Ruhe der Wissenschaft geschehen. Frankel geschieht am allerwenigsten ein Gefallen, wenn auf seine Kosten wacker und wcidlich geschimpft wird. ß Prag, 25. Feber. — Die so rührige czechische Partei bestrebt sich, auch die hiesigen Israeliten für die. Idee der historisch-politischeu Individualität zu gewinnen. Anfangs bediente man sich einer bcsondern Taktik. Die czechische» Organe wurden nicht müde, den Inden, falls sie nicht sämmtlich die königinhofcr Handschrift als Nationalcvangclinm anerkennen, zn drohen, daß sie als Fremdlinge betrachtet sein werden, und mithin höchstens ans Duldung, keineswegs aus Glcichbcrcchtigung hoffen dürfen, falls die Nationalen das -Regiernngöhcft in Händen bekommen sollte (was bis jetzt noch nicht der Fall ist). Dennoch blieb diese BekchrnngSweise nicht ohne Erfolg. Gewisse furchtsame Nitter der Industrie abbonirtcn aus das czechische Blatt par crellenee: Narodni—listy. Letzter Zeit brachte dieses Blatt einen Artikel mir der Aufschrift: ״Eine jüdische Stimme," welche eine Annäherung der Jsraclitcn an die Nationalen anbahnen sollte. Diese jüdische Stimme ist bemüht, die jüdische Intelligenz von der Verbindung mit deutschem Wcscn nnd deutschem Geist reinzuwaschen und dieselbe gnasi zn entschuldigen. Die czechische Sprache fand erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundertes einige Pflege: als grade der sterbsame Geist der Inden durch Mcndelsohn der Bildung zngeführt wurde. Da Mendelsohn in Deutschland geboren und deutsche Bildung ausgenommen hat, so wurde durch den Einfluß seiner Schriften ans die Inden, die Anfangs dieses Iabrhundertes noch die Basis ihrer Bildung waren, die deutsche Sitte wie deutscher Geist und deutsche Sprache mächtig gefördert. Indessen diese Dankbarkeit gegen die deutsche Sprache, der auch andere slavische Nationen ihre Ausbildung verdanken, schlöffe noch die Sympathie für das Nationale wie für die czechische Sprache nicht ans, und die Inden sollen gewiß bemüht sein, die czechische Sprache in Schule nnd Hans zu pflegen, waS auch im Leben von größerem Nutzen wäre, als das oft unfruchtbare Studium fremder Literatur. Gewiß, schließt der Aufsatz, ist die Königinhofcr Handschrift so manchem französischen Nonian vorznziehen. Seit diesem Artikel ist der ezechisihe Moniteur etwas jndensrenndlichcr gestimmt. — Zn den bevorstehenden Wahlen für das Stadtverordnetcnkolleginm, sind in christlichen Stadtrheilen, wie in den Vorstädten Juden in die Kandidatenliste des Wahlkvmitü anfgenviiimen. Auf dem flachen Land sind bei den Wahlen recht häufig Juden von den christlichen Mitbürgern zn Gemeindevcrtrctern gewählt worden.

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