Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 9 (1.3.1861)
- Date
- 1861-03-01
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
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80 Saft gelebten Fehler der Faulheit müssen wir »11S nachdrucklichst ver- , wahren: denn obwohl nulla regula sine exceptione est, so wirb; doch Jeder, der unser Bolk näher kennt; cs für sehr rührig halten: denn man nndct selten cm Volk, das so gedrückt, verfolgt, selb» an! manchen Orten ohne gehörige Wohnplätze, sich und seine zahlreichen Familien ernähren kennte, »nd dabei oft so viele Tugenden hätte.. Wenn die Inden etwas von Faulheit an sich haben, so haben sie dies . ihren Nachbar», den galizischcn Bauern abgelernt. Warn», aber die; Inden in (tätigten sich nicht mit Ackerbau beschäftigen, so »ins! inan! wahrlich, wenn man nicht absichtlich die Angen vor der Wahrheit > schliefen will, mit Blindheit geschlagen sein, nin nicht cinznsehen, das! bei rer herrschenden GesetzcSbeschränknng der Besitzsähigkeit der Inden in Galizien die Beschäftigung mit dem Ackerbau denselben unmöglich ist. Ncb. Landes. Ans Galizien, im Februar. Die Inden Galiziens, denen man | so oft Mangel an BaterlandSliebe vorgeworsen, beschämen jetzt ihre; Feinde durch Anschließnng an die nationale Dache, so daß selbst die l feindlichsten inländischen Blätter, die im vorigen Ja lue eie Be sch fähig lei! | der Inden hart bekämpften, gegenwärtig für die völlige Gleichstellung j Aller ohne Unterschied der Gonsession plaidiren: und der 1'1׳zegl;ul pmvszeclmy, der bis mm keine Gelegenheit vorübergel,e:1 lief, die Inden zu verhöhnen, bringt jetzt fast in jeder Nummer das Indeiikbnm belobende Artikel oder 'Notizen.— Ihrem Beitritt zur galizischcn Denntalion haben folgende israelitische Gemeinden erklärt: 1'1'zeuiys'I, Uzej szow, Tarnow und .Unitau. Letztere schickte sogar eine Devntation von j 3 Mitgliedern, welche an der Landesdepntalion theilnahmen. Bei der letzten Bersammlnng der polnischen Deputation in Wien am st. Jänner, legte Dr. Ötringer, Mitglied der jüd. Deputation, wie man dem Przeglad schreibt, ein Mandat nieder, welches in deutscher Übertragung also lauter: ״Die Ginwohncr Krakan's isr. Konfession, ihrerseits eine dent liche und herzliche Theilnahme an der allgemeinen und seierliche» .stundgebnng der Gintracht und Ginigkeit in der heiligen Sache der Wieder- ' gcbnrt des Baterlandes ans Grundlage der süßen Freiheit und miitelst! nationaler Ginrichtnngen an den!ag zu legen wünschend — haben in > einer 'Bersammlnng beschlossen, ans ilircr Mille die Herren A. Gnmplo-! wiez, Heinrich Marknsseld und Dr. Ottinger abznsenden, welche unsere; Gefühle und Wünsche ansdrücken und an der Deputation Tbeil nelmien! sollen, die die einstimmigen Gefühle des Landes, ihre heißen Hossnnn-! ge» und die ungeduldige Grwartnng ihrer schnellen Grsnlinng bei der! höchsten Staatsbehörde anszndrneken haben. i Möge der Allmächtige dieses Werk segnen und es fürs allgemeine; Beste mit einem günstigen Gefolge krönen!"; .strakan, den stO. Dezember ldiltlt. (Hierans folgen die Unterschriften.) Die Bersammelten nahmen mit Beifall diese Bürger in die Depnratiou ans, woraus Herr Otlinger folgende poln. Ansprache hielt: ,.Indem ich mir die Freiheit nehme, meine Stimme in dieser chrenwerlben Bersammlnng zu erbeben, weiß ich, daß mir nicht ans; persönlichem Titel hiezu ein;liecht znkomml: denn dieser ist z» bescheiden, als daß er mich ermächtigen sollte, in Gegenwart dieser Männer; die durch Bcrdiensl, durch Autorität ihrer Namen »nt durch ibre hohe׳ soziale Stellung gleich ausgezeichnet sind, zu sprechen: icl> fühle mich einzig und allein ans Rneksicht aus meine Sendung bernsen, die ich erfülle, indem ich die rheilnahme eines großen Tbeiles der Landesbevöllern».׳,, nämlich der .Inden, an der feierlichen,stnndgebnng rer tvintrachl und Ginigkcit, an den heißen Wünschen der Wiedergeburt des gemeinsanien Baterlandes ans den erhabenen Grundsätzen der süßen Freiheit mittelst nationaler Ginrichtnngen anSdrnckc. Die uns heute dargcbotene brüderliche Rechte drücke ich mit dem Gefühle herzlicher Liebe, mit dem unerschütterlichen Bertranen in das aufrichtige Wohlwollen unserer Landsleute, die in der Schule schwerer Leiten und bitterer Grsabrnngen ihre eigene Freiheit zu sehr schätzen gelernt haben, als das; sic selbe Andern versagen sollten, und die Gewährung ihrer persönlichen und nationalen Rechte bcansprnchcnd. solche gleichzeitig für alle Klassen der Gesellschaft ohne Unterschied des Standes, der Geburt und des BekenntnißeS fordern. ״Dieser Schrit freiwilliger Annäherung an uns Seitens der Gl,ristcn ist süßer Balsam für unsere Wunden, welche;loch von den frischen Schlägen bluten, die uns erst nnlängst in nnser», Lande eine nnbarmherzige, nngerechte und blinde, mit dem echten altpolnischen Geiste unverträgliche Mißgunst geschlagen bat. Fürwabr! nicht der kränkende Borwnrs, basirt ans Bornrtl'cil und vorgefaßter Meinung schmerzte, cs schmerzte weder Schimpf noch boshafter Hoon: denn wir sind der Martcr gewohnt, Bersolgni'g ist ja nnser tägliches Brot — aber tief schmerzte und verwundete nnser Herz der Mangel an Znneignng, die Wuth und der Unwille, ans die wir bei manchen unterer Landsleute stießen; Tränen stoßen über unsere Wangen, daß in Galizien keine 'einzige Stimme Seitens der Ghriste.i zu unserer Bertheidignng sich öffentlich vernehmen ließ. Grst ans Posen tönte das erste polnische Wort labenden Trostes zu »ns herüber, und das zweite kam ans einer G'ntsernnng von Bst> Meilen, nämlich ans Brüssel von den greise» honigträusclnden Lip- Pen eines Polen, dessen Snrne der nie verwelkende Kranz vielfacher wissenschaftlicher und bürgerlicher Berdiensle schmückt: von den! ei» Wort weiser Überlegung und gerechter Ginsicht in der Thal im Stande ist, wenn nicht zu übertänbcn, so doch gewiß unbeachtet zu machen und zu vernichten de» tausendfach gellenden Schrei einer stürmischen und wild brausenden Leidenschaft. ״Bergebet mir, meine hochgeehrten Bürger, diese lästige und schmerzliche Gnniiernng! Sie entrang sich nur desbalb meiner Brust, um dieselbe, nachdem sie in Gnerer Gegenwart ans Licht getreten, für immer in der Bergessenbeit hiral' zu versenken. ,,Denn obwol man »ns immer inSgesammt für das Bergehen und Berbrechen eines Ginzelnen beschuldigte und verdammte: so können wir es jedoch, empört gegen so großes Unrecht, Andern nicht znsügen. ״Durch Liebe und Opserbereitwilligkeit werden wir mir nnsern polnischen Brütern in jedem für das Land nützlichen Werke, wie es Noth llnit, um unsere Füße von den nnsern Gang hemmenden Fesseln zu befreien, wetteifern. ״Die mildwarmenden Sonnenstralen der Freiheit und Liebe werden schnell die lächerliche Kruste beiderseitiger Bornrtbeiie schmelzen las feit, sie werken den gesunden Kern unseres Stammes ans Licbr fördern, ihn von der schmutzigen Hülle der noch etwas abstoßenden (Gebräuche und Gewohnheiten, welche Überreste langer Sllaverei sind, reinigen. ״Wir vereinigen uns heute mit Gnch vom ganzen Herzen, mit der ganzen Inversichl des aufrichtigen Willens, der nicht nur die Borlbeile, sonder» auch die Mühseligkeiten und Pflichten, Glück und Unglück, Schmerz und Hossnnng zu!heile» wünscht Wir rnsen im Gnkhnsiasmns inniger Freude: Lieben!vir einander! Lieben wir einander ewig, Herz lich und »ngeibeilt!" Neb. Landes. CP 1• f 1 (i 111 ־ n fl. Der Korrespondenzarc. ans Fr. am M. in ׳Nr. < d. Bi. »׳Nits mir in Begleitung eines um v i e r Unterschi isien versehenen Brieses zngesente. Die Unterzeichner ermächtigen mich, bei etwaiger Bestreitung ihrer 'Angaben ibre 'Namen zu verössenilichen. Da die Angaben nicht bestritten werden, so beschränke ich mich ans die Bersicheruug. daß der erwähnte Brief nicln von Hr». Ras. Kirchbeim unterzeichnet Szefledin, Ucrlmi von digninnc! Unr>,1 "eip;ifl, Litnmiiislicui'ä-Uerlcnz von Iran; UGignrr.