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Ben Chananja · 1861-02-22 · 8 (22.2.1861) · p. Seite 71

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
8 (22.2.1861)
Date
1861-02-22
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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71 lichst vernünftige Weise lehrte, wofür sich Anklänge genug im Tbalmud finden. So heißt eö bei den נטיעות in Jer. Scheb'. 1,5; Summ 4,1: 'ללמדך שכל דבר שב״ר נריזני נפשם עליו סופו להתקים בי רם כמה שנא׳ למשה מסיני. Wer nun, wie H. sagt, ich glaube und lehre alles, was unsere Jereim gelehrt nnd gedruckt haben, ob ich in Ffurt oder in Jerusalem wohne, ob ich im 2. oder im 3. Jahrhundert lebe und wenn mich von allen meinen Zeitgenossen nur 10 in diesem Glauben beharren, so wird mein Jttdenthnm durch diese so bis an's Ende der Zeit sortgepflanzt werden; wer nun so denkt nnd lehrt, derbraucht allerdings für seine Jünger keine Hodegetik und keine Geschichte der Juden, denn daö Judenthum hat nach diesem Blödsinn nur die Aufgabe ein עם קרוש zu erziehen und dazu genügen die Tausende von Gesetzen und Gebräuchen, womit unö die Kasuisten gesegnet haben, und die alle, nach dem Satze כל מה שתלמיד ותיק עתיד להרש נאמר למשה מסיני von Gott tradirt sind. Wenn man aber — waS Frankels Streben ist — ein עם נבון heranbilden, den Thalmud zu einer den andern ebenbürtigen Wissenschaft erheben, und die Zukunft deö Indenthnms nicht auf 10 Dummköpfe beschränken will, so muß man eS diesem würdigen Gelehrten, der weder um die Gunst der Romantiker buhlt, noch den Spott der Rationellen fürchtet, danken, die Traditionslehre so dargeftellt zu haben, daß sie einerseits vor der wissenschaftlichen Kritik bestehen, andererseits der thalmud'schen Lehre neue Kraft u. neues Leben geben kann. Und wenn es H. m. seiner Rechtgläubigkeit verträglich hält biblische Gesetze zu symbolistreu, wogegen sich bekanntlich im 14. Jahrhundert die der Filosofie feindlichen Schulen in Frankreich und der Provence erhoben und solches als ketzerisch verdammt haben, so dürfte er um so weniger eine Lehrmethode als ketzerisch verdächtigen, die höchstens einer hyperbolischen Terminologie im Thalmud ihren reellen Werth gibt. ״Die Frommen werden diesem Wege nachwandeln, Heuchler aber Anstoß daran finden." Korrespondenz. Inland. v Wien, 15. Feber. Das Jourual des Dubais vom 3. d. M. bringt ein Referat über Salvador'S letztes Werk: Rome, Par>3 6t dürueal. aus der Feder de Sacy’s, der ein Freund des Verfasser's ist. Der Berichterstatter verurtheill von seinem religiösen Standpunkte ans die Salvador'sche Arbeit, die großartige Partien enthält, und schließt mit dem Ausrufe: Ah, pour puoi Mr. Salvador n’ est-il pas chrßtien, et catholique! Si quelqu’nn de notre temps ent pu etre un Saint Paul, c’est. lui, während Salvador sein ganzes Leben der Erforschung der religiösen Idee der Judenthnmö gewidmet hat! — Der Streit Hirsch-Frankel hat hier große Sensation gemacht. Dem Charakter des gcmüthlichen Wien entsprechend, das sich nicht zu ernstem Denken entschließen kann, wird die ganze Polemik persönlich anfgcfaßt, während sie den Anfang eines großen Prinzipienkampfes ist, dessen Entscheidung, wenn sie ehrlich und aufrichtig geführt tvird, Frankel einen hervorragenden Platz in der Geschichte einränmt. Mit Schimpfen und Seminäristrn-Erklärnngen allein ist allerdings nichts gethan für die Sache. — Von Drnyrna gelangte an eine hiesige Buchdruck, die Anfrage, wie hoch eine Ausgabe des Sohar mitQ-nadratschrist zu stehen käme. Die hiesige hebräische Typographie könnte den ganzen Orient beherrschen, wenn sie nicht so thcncr wäre, und wenn sie mehr Sorgfalt ans die Korrektur verwenden möchte. Für die Juden im Orient wäre cö besser, wenn sic mehr Licht nnd weniger Sohar hätten! Bukovar 10. Feber. Unter den vielen erfreulichen Berichten über den wohlwollenden Empfang nnd die frcnndlichcn Worte, deren sich die Deputationen jüdischer Gemeinden bei den neuen Obcrgespäncn ihrer betreffenden Komitate zu erfreuen hatten, dürfte wohl der Bericht des Gefertigten über den Empfang der Deputation der hiesigen israel. KultuSgemeinde Seitens Sr. Erzellcnz des Herrn Grafen Peter von Pcjacscvi ch, Obcrgespau des regcncrirtcn Syrmicr KomitateS ant 8. d. M. als einer der Erfreulichsten und Freundlichsten würdig eingcreihct, ja, in Rücksicht mehrcr lokaler Nebennmständc sogar obenangestellt werden. Es ist nnd kann unsere Ausgabe hier nicht sein, die seltenen, rühmlichen Eigenschaften dieses wahrhaft Edlen mit rosenrothen Farben aufzuzeichncn; der hiefür berufene Griffel der Geschichte wird, unter den glänzenden großen Namen der Neuzeit, auch den eines Pcjacscvich in würdiger Weise zu zeichnen wissen; — wir wollen nur die, für die Israeliten Syrmiens denkwürdigen Worte, welche derselbe, gelegenheitlich des gedachten Empfanges aussprach, zur itttvergeßlichen dankbaren Erinnerung in diesen geschätzten Blättern wiederholen. Der Gefertigte — im Vereine mit dem KultuSvorstande Sam. Hillcr und noch 6 der achtbarsten Gemeindcmitglicdcr, die Repräsentanz der KultuSgemeinde bildend — hob in seiner Ansprache an Sr. Erzcllenz die noch hie und da schwebenden Wolken am politischen Horizonte hervor, und empfahl für gewisse Eventualitäten, unter Angelobung unwandelbarer Treue und Vaterlandsliebe in allen Lagen und Verhältnissen Namens der Israeliten, diese dem besondern Schutze Sr. Erzellcnz. Sr. Erzellcnz geruhte hierauf, nach einigen einleitenden Dankes- Worten zu erwiedern: ״Sie dürften es, m. H. schon während meiner bisherigen 8-jährigen AmtSwaltnng als KomitatSvorstand zu Esseg wahrgenommen haben, und ich wiederhole cs auch jetzt, daß mir Christ, Jude, Grieche ganz gleich, wie überhaupt konfessioneller Unterschied ganz fremd sei. — Aber auch ich habe wahrgenommcn, daß die Jsraeliten, ungeachtet sie vom Staate und Gesetze stiefmütterlich bedacht waren, dennoch bei jeder Gelegenheit, bei jeder Veranlaffung, in Patriotismus und Pietät hervorragend sich auSzeichneu. Nehmen sie daher auch für jetzt die Versicherung mit, daß ich auch in meiner neuen Stellung, so viel es in meiner Macht gegeben sein wird, ihren gerechten Wünschen nnd Hoffnungen möglichst zu entsprechen bemüht sein werde." Tragen schon die bloßen Worte den Stempel hochherziger Gesinnung, Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe an sich, so gab der Herzliche, bewegte Ton, mit welchem der edle Graf dieselben anssprach und deren Pointen mit Nachdruck betonte, erst recht den Beweis, daß dies in der That keine gewöhnliche Gelegenheits, sondern ernstliche, Väterliche, vom Herzen kommende und zum Herzen dringende Worte waren, nnd wohl die Redeweise in unserer Hochdemselben ehrfurchtsvoll überreichte Adresse rechtfertigen: ״daß wir in der hohen Person Sr, Erzellcnz des Herrn Grafen Peter v. Pejacsevich, nicht allein den ersten und höchsten KomitatSbeamten, sondern auch den edlen Patrioten den weisen, vorurtheilsfreicn Menschenfreund; mit einem Worte: ״den Mann der Zeit", in der edelsten und umfassendsten Bedeutung des Wortes, begrüßen und beglückwünschen." David Löwy, Bezirks-Rabbiner.

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