Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 8 (22.2.1861)
- Date
- 1861-02-22
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 30. Dem Diebe wird sein Diebstahl nie gestattet, Stiehlt er ans Hunger auch, schon schwer ermattet. 31. Ertappt, muß er ihn siebenfach ersehen, Waö er im Hause hat an Gut und Schätzen. 32. Doch sinnlos mehr, die da nach Ehbruch jagen, Wie Selbstmord acht' ich solch ein thöricht Wagen! 33. Nur Schimpf und Schande kann er reichlich finden, Und seine Schmach wird nimmermehr verschwinden. 33. Denn Eifersucht — sie ist des Gatten Glut, Nichts schont am Tag' der Rache seine Wuth. 35. Nicht Lösegeld vermag ihn zu versöhnen, Häufst dn Geschenke — er wird Dich verhöhnen! Anliromantis ch es. II. Ein Wort über das Treiben der neuorthodoxen Romantik in Frankfurt am Main. Bon Obcrrabbiner H. B. Fasset in Ge.-Kanizsa. Der würdige Hr. Di׳. B e c r fordert in der Beilage zu Nr. 6. d. ״A. Z. d. I." auf, sich zu erheben gegen die Frömmler, die jede Forschung aus Israel verbannen wollen, und jeden Gelehrten mit ihrem Gifte anspncken. Er fordert auf, laut zu sprechen gegen dir Unwürdigkeit dieses ganzen Gebahrenö. Er spricht, von Feuereifer entglühet, von gerechtfertigter Indignation, über das kecke Auftreten Hirsch'S gegen Frankel. Dennoch hat Hr. Di׳. Beer eine wichtige Stelle außer Acht gelassen, sie lautet: '''אינם רהמנא סטר־! Wohl habe ich schon längst erfüllt, was Hr. 1)1׳. Beer ruft סורו נא העל אהלי האנשים האלה. Ich habe seit mehr als 6 Jahren kein Nr. des ״Ieschnrun" und noch niemals ein Blatt deS Mainzer ״Israeliten" gelesen; ich bin noch immer, wo die Gelegenheit sich nur darbot, gegen daS freche Treiben dieser s. g. Nenorthodoren aufgetreten; aber der obige Thalmndspruch verbietet mir sie zu verdammen. Ich habe Gelegenheit gehabt, mehrere dieser Herren und sogar einen ihrer gewaltigen Korisäen kennen zu lernen, und ich habe mich überzeugt, daß dieser ans dem Stoffe gemacht ist, woraus mau Generale eines gewissens Ordens zu verfertigen pflegt. Nun ist es bekannt, daß es allen diesen Frömmlern mit Käppchen und Talar, allen diesen s. gen. Nenorthodoren, an thalmndischem Wissen fehlt, und Manche derselben sind auch in andern Wissenschaften nicht gar fest. Ich habe von einem, der unter ihnen eine bedeutende Nolle spielt und auch Doktor ist, hebräische und deutsche Briefe gelesen; die erstern waren nicht wie von einem Rabbiner, und die letzter» nicht wie von einem Doktor. Ich frage nun Hrn. 1)1׳. Beer: wen das Innere gewaltsam treibt, hierarchische Gewalt an sich zu reiften, derselbe aber ein עם הארץ ist, und sich durch Gelehrsamkeit keine Geltung verschaffen kann, ob da etwas übrig bleibet als den חסיד zu spielen, um durch Hyperorthodorie glänzen zu können? Ist es nicht viel leichter fromm zu schwärmen, als viel zu wissen, und gut zu handeln? So ist es ja auch viel bequemer, nur dadurch zu glänzen, daß man ehrliche, gelehrte Männer in den Koth tritt, als selber durch Ehrlichfett und Gelehrsamkeit hervorzuragen.' Und daß jene Dunkelmänncr einen ausgezeichneten Gelehrten, wie Hr. Di׳. I. Frankel angreifen, darüber sollte sich ja Hr. Di׳. Beer gar nicht wundern, hat es doch schon R. Akiba ausgesprochen כשהייתי עם הארץ ». s. w. Die Furcht deS Hrn. Dr. Beer, daß die Intelligenz und Wissenschaft im Judenthum durch daS Treiben jener Frömmler erschüttert werden könnte, theile ich nicht. Das wird jenen Pygmäen nicht gelingen; sondern daS fürchte ich, daß jene Helden des ״Israeliten" und ״Jeschurnn" die hohle und bodenlose Berliner Reform befestigen werden. Denn ein solches Judenthum, wie jene Frömmler und Dunkelmänner es haben wollen, ist eckelhafter als der polnische EbassidiSmuS: ihm fehlt der Geist der Thora, der Geist der Profeten, der Geist des ThalmudS und darum schließe ich mich dem Rufe deS Hr. Dr. Beer mit ganzem Herzen an: סורו מעי. אהלי האנשים האלה Gemeinden Israels.' Unterstützet nicht Blätter, die zum Unheile des orthodoreu Israels wirken. m. Die Tradition und die Romantik. Ben .V. in (vranffitit an! Mni». Der dummdreiste Angriff von R. Hirsch ans Frankel und daS Seminar hat hier und überall eine Entrüstung hervorgernfen, die er nicht erwartet hat. Die Unbefangensten sehen eS endlich ein, wohin unsere Ultramanen steuern, was ihr Streben, was ihre Wissenschaft ist; daß Denken ihnen Frevel, ernstes Forschen Häresie ist. Der Blödsinn oder die Heuchelei Hirsch'S sieht eö nicht oder will es nicht sehen, daß üch schon große thalmndische Autoritäten, wie Jair Hajjim Bachrach bemüht haben, die verschiedenen Terminologien, דבר תירה ,באמת ,גמירי ,הי״מ ans eine Weise zu definiren, daß die vielen Widersprüche, welche die Bergleichung der verschiedenen Sätze ergeben, ausgeglichen werden könnten, ohne daß die Fragen richtig gelöst worden wären. Noch bat es keiner allch nur versucht die gründliche u. versetzende Kritik von Schorr zu bekämpfen, der ohne Schonung die schwache Seite der TraditionS-Theorie blosgestellt hat. Am Wenigsten ist nun Hirsch mit seinem angeblichen SupernaturaliSmuS im Stande die Traditionölehre mit der geistigen Richtung der Zeit in Einklang zn bringen, daß wir z. B. als Wahrheit annehmen sollen: Gott habe an Moses den heidnischen Aberglauben von זוגלת überliefert, wie eS doch der Thalmud (Pes. 110» lehrt; oder daß ״alle Agadoth, Midraschim, Halachoth und alles, was in der spätesten Zeit ein Jünger eruirt, die Weisheit Gottes an Moses offenbart" hätte. Eö ist schon oft bemerkt worden, daß selbst bei solchen tradirten Gesetzen, die im täglichen Gebrauch waren, wie z. B. die Schlachtvorschriften, die Anfertigung der Tefilin, die Meinungen der Thalmudisten divergiren, was doch sicher — wie eö schon Maimnn als Regel aufstellt — keiu Zeichen ihres göttlichen Ursprungs ist. Eö wäre tttln für Hirsch ein weit verdienstlicheres Werk, diese und ähnliche Fragen zn losen, als Pamflete zu verbreite» und F. zu verdächtigen, weil er die Traditionstheorie auf die mög-