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Ben Chananja · 1861-02-22 · 8 (22.2.1861) · p. Seite 67

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
8 (22.2.1861)
Date
1861-02-22
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 und zwar nicht in den separatistischen, sondern in den Hanptgemeinden der genannten Lander. Da aber die Kultnrzuftände der österr. Provinzen durchaus ungleich sind, und der deutsche Geist der Träger der Bildung, Sitte u. des Geschmackes bei den Juden in Oesterr. ist, so darf eS nicht überraschen, daß jene Gemeinden, welche unter dem Einflüße der deutschen Kultur standen, mit der Ordnung und der Veredlung gottesdienstlicher Formen vorgingen, und daß besonders in Galizien und in Ungarn, mitten unter Slaven und Magvaren, entweder daS Bedürfniß nach edlern, geläuterten mid geschmackvollen Formen sich schwächer regte, oder die verhärtete Gewohnheit stärker als die bessere Einsicht war. Diejenigen, welche mit der Entwickelung der jüdischen Religion nicht ganz vertraut sind, und die einen fremden Maaßstab zu deren Benrtheilung gebrauchen, glauben, eS handle sich in den streitigen Fällen um wesentliche Bestandtheile der Rechtglänbigkeit oder der Reform, während eS ein Kamps des Ordnungssinnes gegen die Unordnung, des Geschmackes gegen die Geschmacklosigkeit, der Bildung gegen die Unbildüng ist. In ganz Oesterreich eristirt nicht eine einzige Geineinde, die durch ihre Kultus-Einrichtungen — und diese allein kommen hier in Betracht, da jeder Jude in seinem häuslichen Kreise oder im Verkehre nach den Eingebungen seines Gewissens leben kann — den Namen einer Reformgemeinde nur im entferntesten verdienen mochte, und nach den bisherigen Erfahrungen zu urtheilen dürfte in einem Jahrzehent der Ritus der Wiener israelitischen Gemeinde, mit Ausnahme einzelner Theile Galiziens, in säst ganz Oesterreich verbreitet sein, zumal wenn die sklavischen Anhänger alter Gewohnheiten, die allmälig abnehmen und absterben, nicht von Seiten der Behörden unterstützt werden. Mir einem Worte: Die Benennungen Orthvdorie und Reform beruhen ans falschen Voraussetzungen, sind im Widerspruche mit der ganzen Entwickelungsgeschichte des Jndenthnms in der Zerstreuung, und sind durchaus zu verwerfen, wenn es sich um eine Benrtheilung und Ordnung der religiösen Verhältnisse der Inden in Oesterreich handelt.^) 3eQuirn •!Ifrfjnrifi als Theoretiker n. Kritiker der hebr. Poesie des Mittelalters.; Eine literatur-historische Skizze von Lcop. Duke s. (Schluß. Siehe Nr. 6 und 7.)! 2. Alch arisi als Kritiker. י גבולי על מבון הר התבונית. (Tucht. Kap. ll». Schire Schel. 47,?111111. 4). I macht daS Urtheil, wie der Stahl und der Stein durch Reibung Funken geben. ״Vom Ange zum Pinsel gehet inanches verloren" hat Lessing gesagt. Vom Lesen zum Urtheilen , fügen wir hinzu, geht nicht wenig verloren. Zwischen der Betrachtung einer Sache und dem Beurtheilen derselben liegt eine Welt. A l ch a r i s i hat manche Urtheile ausgesprochen. Es ist höchst verdienstlich in sich selbst und nützlich, dieselben zu betrachten. Ein etwas motivirteö Urtheil über andere Gebiete der hebr. Literatur wäre sehr wünschenöwerth. Der Mangel daran hat das Stndinm so unfruchtbar gemacht '). Alch.'s Urtheile sind rhetorisch gehalten, sie stehen, wie bereits oben bemerkt wurde, im Zusammenhänge mit seinen theoretischen Regeln. Alch arisi war ein geistreicher Beurtheiler, er hatte mehr Geist als Bodmer, welcher ganz platt war D- Die Urtheile des Letzter» aber sind dennoch interessant für die Geschichte der Anschannngen seiner Zeit, denn er war eine Blüthe derselben. Es hat dieser Zeit übrigens an Urtheilen nicht gefehlt. Alcharisi'ö Urtheile haben überdies den Werth, daß ganze Perioden vor ihm und nach ihm Niemand ein Urtheil niederlegte, welches beachtenöwerth wäre. Manche Urtheile liegen in den Dingen und jeder bemerkt es stillschweigend. Durch K l v p st o ck hat man erfahren, daß von Hall e r keine Phantasie hatte, durch Schiller hat man erfahren, daß Klopstock keine Gedanken hatte. Es muß aber einmal ausgesprochen werden. Von R. Herz Wesel hat man erfahren, daß Salomo Olivcira (und seine Zeitgenossen in Am st erdam) keinen Geschmack hatten, von Ben Gabirol hat man erfahren, daß R. Herz Wesel keine Fantasie hatte. Es hat dem Alch arisi ein Bild vorgcschwebt von der Poesie, er konnte dasselbe aber nicht schildern. Es ist daS Ideal, welches dem Worte entflieht. Wir begegnen höchst interessanten Worten darin. Indem er von Dichtern einer gewissen Periode spricht, fährt er fort: והשיר רהוק מהם . ונפשם מסובבה סביב ארצו ומושבו אך לא תעבור A. Allg e m e i n e s. Das Urtheil liegt in den Dingen, der Geist des Beurtheilenden ziehet es heraus. Das Begegnen derselben ') Borl. Votum ist jenseits der Leitha geschrieben. Die Vercdlmig des shnagogalen Kultus ist auch unleugbar ans Deutschland »ach Ungarn verpflanzt worden, wie denn andererseits heutzutage auch die neuorthodore Romantik ans Deutschland nach Ungarn verpflanzt wird. Der deutsche Einfluß tritt übrigens bei den protestantischen Theologen in Ungarn viel entschiedener hervor, als bei den Rabbine». > ״Die Poesie ist ihnen fern k. ihre Seele streifte rings ihres Landes umher, sie sind aber nicht hin ein gekommen." Es dürfte nicht uninteressant sein zu bemerken, daß Göthe dieses Bild ebenfalls braucht: von Sulz er s Theorie der schönen Wissenschaften. Beiden hat der Bibelausdruck von Moses vorgeschwebt. Die große Menge von allgemein üblichen Kunst ansdrücken 3) macht es jetzt leicht ein allgemeines Urtheil zu fällen, wenn es keiner liefern Begründung bedarf. Znr

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