Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 6 (8.2.1860)
- Date
- 1860-02-08
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4!) Korrespondenz. Fiinfkirchen, 20. Zänncr. Zn Nr. 52 der ״Allg. Z. d. ZudciithnniS" v. Z. macht Herr Dr. Philippen die für die Rabbiner wie Lehrer Ungarns sehr ehrenrührige Acußcrnng, das! bei Abgang der deutschen Rabbiner nnd Lehrer ans Ungarn Synagoge nnd Schnlc verkümmern müßten, da man in Ungarn nicht ersetzende Kräfte habe. Ans der Reihe der Lehrer sind mm bereits Repliken erfolgt׳, nicht also ans der der Rabbiner. Warum antworten die Rabbiner nicht? ״Ein schlimmes Zeichen!" wird man im Auslande sagen. Aber dann ist man im Jrrthume. Wenn der berühmte Diplomat sagte: die Sprache sei dem Menschen gegeben, um seine Gedanken *11 verbergen; so erlaute ich mir zu sagen: das Schweigen sei dem Menschen gegeben, um seine Gedanken anSzndrückcn. Die ungarischen Rabbiner haben gcantwortct. Sic haben cs durch das beredte Schweigen res Selbstbcwnßtseiiis. Wol wird man sagen, daß man zn dieser begnemen Art von Kampfweder die Tapferkeit noch die Bnchdrnekerknnst zn erfinden brauchte, und daß eine so hervorragende nnd verdienstvolle Persönlichkeit, wie Herr l)r. Philipsoll, das Recht habe zn erwarten, seine Ansichten durch Argumente widerlegt zu sehen. Das ist wahr. Aber die eigcnthümlichc Nalnr der Sache macht cS schwierig, um nicht zu sagen unmöglich. Eine Entgegnung hierin, wenn sie nicht srasenhaft, wenn sic überzeugend sein soll. müßte nothwcndig mit der Defensive der ungarischen Rabbiner zugleich eine Offensive gegen die nicht ungarischen involvircn. Will man nun diese nicht, so muß man auch jene lassen. Die beste Entgegnung wäre freilich die Hinweisung ans eine genügende Anzahl genügender Rabbiner in Ungarn. Nun das können wir nicht. Wir gestehen cs, wir haben nicht die Rabbiner in Menge, die den verschiedenen und gleichwol berechtigten Auforderiingen zu entsprechen vermöchten, oder deutlicher gesprochen: wir haben nicht die Rabbiner in Menge, die thalmudischc Kenntnisse in altjüdischer, tüchtiger Gründlichkeit, und religiöse Wärme in altjüdischcr, tiesinnerllcher Zntensität mit dem Lichte der Wissenschaft und der Macht des Rede in sich verbänden. Wir gestehen cs; wir haben — im Allgemeinen — diese Rabbiner 11 i ch t. Aber — hat sie Deutschland? Hieraus erhellt nur die Nothwendigkeit eines Nabbiner-Scminars in Ungarn; aber nicht die Nothwendigkeit eines Rabbiner-KontingentS aus Deutschland. Stellt nun Herr Dr. Philippson dennoch diese Behauptung auf, so beruht sie nur ans der Annahme, daß wohl da wie dort jenes Bollmaaß rabbiuischer Tüchtigkeit nicht gar häufig anzntrcffen sei; die d e u t s ch e n Rabbiner aber diesem TüchtigkeitSvollmaaß im Allgcmeineu viel näher stehen als die ungarischen. Diese Frage also ist eine ganz relative; nnd wer diese beantworten wollte müßte sich ans eine vergleichende Kritik lebender Personen cinlasscn — die mißlichste Sache von der Welt: zu vcrglcichend-anatomischen Vivisektionen hat der Eine nicht den Mnth. der Andere nicht das Herz. Was ist da zn thun? da bleibt wol nichts anderes übrig, als daß unsere Priester Pannonia'ö eö so machen, wie die Priester und Würdenträger Roma'S, als ihnen der sieghafte Brcnnns so hochgefährlich auf den Leib rückte. Sie haben da gar gravitätisch in ihre Toga nnd ihre Würde sich gehüllt, und anfdcin Fornm der Oeffenttichkeit, dem Gegner die imposanre Macht feierlicher Stille und götterähnlichcn Schweigens entgegensetzt! Freilich, als eö Einen von ihnen juckte, die olympische Ruhe zu unterbrechen, hatte er gar bald die sterbliche Natur Aller verrathen. llnd so werden meine gcchrlen Stantesbrüder mir vielleicht keinen Dank dafür wissen. daß ich ihren schweigsamen Ehor zu unterbrechen gut befunden. Da ich nun diesen Gegenstand zn berübren mich veranlaßt sah. erlauben Sie, daß ich ans die dieSsalsige Replik des Herrn HanptschnllehrerS Rosenberg. in Nr. 2 dieses Bl. Behufs einer Berichtigung znrnckkomme. H. Rosenberg, von patriotischem Eifer StandeSebre beseelt, liefert ein zweifaches Verzeichnis; von den tüchtigen nngarischen Lehrern. In erster Reihe zählt er diejenigen ans. die bereits zn Rabbinern ». s. w. befördert wurden: in zweiter Reihe diejenigen, die noch de», Lchrcrstandc angchören. Unter diese nennt er: S e l i g in a n n in Fünskirchen. Nun dagegen ist gewiß nichts einznwenden. Hr. Seligmanil Lehrer au der hiesigen Mustcrhauptschnle, besitzt gerade eine Vorzugliehe Lebrtüchtigkeit, die, merkwürdig genug, gar keinen Eintrag dadurch erleidet, daß derselbe, in Sprache wie Gesinnung, ein Vollblut- Magyare ist. Aber warum blieb Herr K o h n . ebenfalls Lehrer an der biesigen Mnsterhanprschule nnd ehemals Direktor der öffentlichen Gemeindeschnlc zu St.-Nikolan, unerwähnt? Wol macht Herr N. darauf aufmerksam, daß er nur die ihm bekannten nenne. Da es aber, namentlich im betreffenden Orte selbst, einen eigenthümlichen Eindruck zu machen geeignet ist, wenn von 2 ungarischen Lehrern nur der Eine als tüchtig genannt, der Andere aber übergangen wird, und da ich glaube, daß wenn es die Aufgabe des Seelsorgers ist, die moralischen Zntcrcsscn seiner Scelsorgbesohlenen im allgemeinen, cs die doppelte sei, die des Lehrers insbesondere zu wahren; so möge Herr R. cS gestatten, daß ich sein Register durch den Namen eines Lehrers bereichern, der mit seiner Lehrtüchtigkeit auch einen sehr lobenswerthen Eharakter und vielseitige Bildung verbindet. Uebrigenö geschieht diese Berichtigung blos aus erwähnten Motivcn; sonst wäre der tendenziöse Beitrag zur Statistik jüdisch-ung. Lehrer von H. R., der die glückliche Eigenschaft besitzt, daß seine Güte in geradem Verhältnisse zu seiner Mangelhaftigkcir steht, noch im vielen Punkten zn ergänzen, n. z. sowohl das Vcrzeichniß der gegenwärtigen Lehrer als das der Rabbiner die ehemals dem Lehrberufe oblagen. Zn letzterer Beziehung könnte ich sagen: auch’ io sono pittore. D1-. H i r sch fc l d , KomitatS-Oberrabbiner zu Fünskirchcu. Stuhlweißenbttrg, Ans. Februar. Unsere Gemcliidcznständc haben den höchsten Grad der Trostlosigkeit erreicht. Eine Spaltung der Gemeinde ist als bevorstehend zu betrachten. Pakfck, 4. Februar. Die hiesige Schule ist aufgelöst; die in Dunaföldvür hat ihren Fortbestand vorzüglich dem braven Rabbiner Fischer zu verdanken. *. Tokaj, 5. Februar. Manche Schulen in unserer Gegend sind bereits cingcgangen, manchen steht eine gleiche Katastrofe bevor. Der hiesige Vorsteher Zucker, der zu den Halbchassidim gehört, lucht die seit drei Jahren bestehende Schule dadurch aufznlösen, daß erden Lehrern ihren Gehalt entzieht*)! Z. B. Mako, Ans. Februar. Zn den Esauäder KomitatS-Anöschuß sind die Herren meil. Dr. Zos. Abeleü und Zos. Graner gewählt worden. ß. Pvng, 1. Febr. Die Synagogeuresorm macht hier erfreuliche Fortschritte. Hr. Will). Schütz, Vorsteher der Hochsynagoge bar die anderen Synagogen ausgefordert, einen oder zwei gemeinsame Pre- *) Diesen trostlosen Zuständen gegenüber sollte sich in Pest ein Komiiö von Schulfrennden bilden, um den gefährdeten Schulen nicht nur durch moralische, sondern auch durch materielle Mittel zn Hilfe zu. kommen, und □חלול הש zu verhüten. Red.