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Ben Chananja · 1860-02-08 · 6 (8.2.1860) · p. Seite 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
6 (8.2.1860)
Date
1860-02-08
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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47 II, 3.: Man fragte, was Melizah (מליצה) sei») und Aehnliches. Folgende Stelle (I, 12.) ist die ausführlichste darüber, wir wollen sie hier in der Uebersetzung folgen lassen: ״Vier Filosofen, ein Grieche, ein Perser, ein Indier und ein Römer waren in dem Palaste des Königs Phonissus versammelt. Der König fragte sie über das Wesen der Melizah. Der Grieche antwortete: ״Es ist das Ebenmaß aller Theile eines Ganzen und die Wahl deS richtigen Ausdruckes dafür'»)." Der Perser antwortete: ״Es ist die Erkenntniß, wo man aufhören, und wo man ausführlich sein soll." Der Indier antwortete: ״Es ist die Erklärung des gewünschten Inhalts und die Annehmlichkeit der Andentung." Der Römer antwortete: ״Die Annehmlichkeit des Genngseins ist das beste daran. Lange Reden erregen dem Zuhörer Eckel." Die Worte deS Griechen gefielen dem Könige am besten "). Diese vier Sätze sind, genau genommen, nicht weit von einander entfernt. Das harte Hebräisch macht die Satze, die an sich klar sind, etwas schwerfällig. — Alcharisi, der Uebersetzer, stand hinter dem Stylisten zurück''׳'). Es findet sich sonst noch hie und da Manches hieher gehörige zerstreut. So z. B. der Ausspruch des Jbn Almotaz: ״Eloquenz ist der rechte Ausdruck für Ideen in wenig Worten ")." Es ist dies der Inhalt des folgenden Spruches: "״ויספיק מן המליצה ההעדרה והקצור Es reicht hin der Eloquenz eine Metafer und Kürze "). Solche kurze Marimen des Styles sind, wie Marimen auf anderen Gebieten, jedenfalls nützlich. Daß Jehuda den Tibbon einige Regeln über Stilistik gegeben hat, darf hier beiläufig erwähnt werden 15). Das במאמרים השיריים des Jbn Roschd enthält aristotelisch-filosofische Schemate der Poetik, nnd läßt sich nicht auf das Sprachliche ein '»). ü. Besonderes. Alcharisi hat in seinem Tachkemoni (Kap. 18.) sieben Regeln für Stilistik und Poetik gegeben. Es sind Andeutungen in sehr weiten Kreisen gezogen. Wir beabsichtigen nicht, hier eine Theorie der Poesie zu liefern; wir wollen nur den Andeutungen des Alcharisi ihren Platz in der Literatur-Geschichte anweisen ”). Alcharisi steht im Urtheil höher als in der Theorie, weil er im Urtheile bestimmten gegebenen Stoff vor sich hatte, auch Subjektives in seine Urtheile mischen und aussprechen konnte. Die Regel ist starr, das Urtheil elastisch. Alcharisi hat keine eigentliche Poetik geschrieben, dazu war die Zeit noch nicht vorbereitet, er bat aber die Anfänge einer Poetik gegeben. Wir lassen nun seine Worte in der Uebersetzung folgen, begleitet mit einigen literatur-historischen Bemerkungen: 1. Der Dichter sott alle unedle Worte fern halten, alle fremde Worte beseitigen, er würde sonst den Mischgriechischen Dichtern gleichen ,8). 2. Der Dichter halte sich streng an die Regeln der Metrik, füge nichts Hinz«, nehme nichts hinweg 3. Der Dichter muß sehen, daß sein Gedicht inhaltSreich sei, wohl gegossen in die Formen der Eloquenz (Melizah"»). 4. Der Dichter muß Verständlichkeit erstreben, seine Gedichte müssen klar sein, sonst würde er den jüdischfranzösischen Dichtern gleichen. 5. Der Dichter beobachte die grammatik. Regeln»').! 6. Wenn der Dichter sein Gedicht vollendet hat, zeige er es nickt, bis er dasselbe geläutert, und alle Unebenheiten beseitigt hat»»). 7. Der Dichter muß eine Auswahl treffen aus seinen Gedichten. Aus 50 Versen muß er 30 ausheben, dann wird sich sein Gedicht wie eine Braut schmücken'"). Alcharisi hat in diese Regeln zugleich historische Notizen eingestreut, welche wir hier übergangen haben, da dieselben anderwärts betrachtet werden sollen. Diese Regeln wurden, wie der Leser aus den von uns hinzugefügten Bemerkungen ersieht, zu allen Zeiten als Grundlage deS Stils betrachtet. Was Andere für andere Sprachen gethan haben, hat Alcharisi für daS Hebräische gethan. Daß derselbe diese Regeln vor 700 Jahren präzis vorgetragen hat, erhöht sein Verdienst. Sie sind heute noch die Substanz der Stylistik. Die Zahl derjenigen, welche dieselben nicht beherzigt haben, ist immer groß gewesen, nnd ist es noch. 6. Speziell-Hebräisches. Die vorangegangenen sieben Regeln gehören der Stilistik im Allgemeinen an, und sind für alle Sprachen gleich. Alcharisi erwähnt auch die Einflechtung der Bibelstellen in den Versen, den Mussivstyl »*). Es ist dies ebenfalls ein Beitrag, sowol für die Geschichte als für die Theorie des hebräischen Stils. Daß Alcharisi daraus Rücksicht genommen hat, zeigt den tiefen Kenner der Sprache und den geistreichen Beobachter zugleich. Der Mussivstil zeigt die Möglichkeit, moderne Begriffe in alt-hebräischen Fräsen zu geben. Er war und ist ein Bildungsmittel der Zeit. Es ist ein geistiges Uebersetzen, das Auffinden einer Parallele aus einer Sprache in einer andern. Der Mnssivstil vereinigt zwei Dinge, welche an und für sich entfernt von einander liegen. Es ist eine Art Parallele der Begriffe und Ausdrücke. Dies ist das rein Sprachlicke der Sache.

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