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Ben Chananja · 1861-02-01 · 5 (1.2.1861) · p. Seite 43

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
5 (1.2.1861)
Date
1861-02-01
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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4 43 Geschichte" in einer dritten, nnt^ear&eitcteit nnd vermehrten Anstage erscheinen lassen. Wie der Hr. Vers, nicht ermüdete und — wir und Uhu diese Anerkennung schuldig — es nicht schenete, an seine, gleich sallS in dritter Auflage I8ö8 erschienene ״Religionslehre" aber- und abermals die Feile anznlegen, sie an Form und Znbalt für die Schule brauchbarer zu machen, und der Lehre des JudenthnmS gerechter zu werden: so war er auch rastlos beiiistliet, seine ״biblische Geschichte", von Auflage zu Auflage sowol in Hinsicht des geschichtlichen Materials zu erweitern, als auch in Hinsicht der Diktion zu vervollkommnen, nnd dem durch die heiligen Urkunden unserer Nationalgeschichte wehenden Geiste einen immer würdiger» Ton abznlanschen. Der Hr. Vers, hat somit jenen zwei spezifischen Lehrgegenständen der israel. Schule, die man ein Produkt der Neuzeit nennen kann, da die alte Schule von der ״Religionslehre" im moderne» Sinne des Wortes gar nichts wußte, und die biblische Geschichlr nur so weit lehrte, als sie mit ihren Schnlern in dem Originalterte kam, seine ganze schriftstellerische Thätigkeit zngewendet, und sich auch um diese beiden Disziplinen Verdienste erworben. In beiden Werke» erblicken wir den Vers, nicht nur mit Sachkenntnis! ausgerüstet, und vom Ernst der Forschung durchdrungen, sondern auch als einen denkenden, in der Schnlpraris gereisten Lehrer, was wir leider nicht allen Verfassern von Schulbüchern nachrühmen können. Uns die Besprechung der Religionslehre für einen nächsten Artifei — wenn Ben Chan, seine Spalten dazu hergeben will*) — vorbehaltend, wollen wir die bibl. Geschichte einer nähern Betrachtung unterziehen, ihre Vorzüge heransheben, aber auch unsere nnmasigeblichen Bemängelnngen nicht znrückhalten. Das erachten wir für Pflicht eines jeden Rezensenten, zumal wenn es sich um ein Schulbuch und von so großer Wichtigkeit, wie eine biblische Geschichte ist, handelt, wo der kleinste Fehler zum schädlichen Auswuchs — das thalmud. in der Bedeutung von wilder Rauke ist dafür ein bezeichnender Ansdruck — werden, und ans historische Ereignisse und Persönlichkeiten, die der Jugend in ihrer Glorie entgegentreten sollen, einen verdächtigenden Schalten werfen kann. Nach unserem Dafürhalten müsse sich die Besprechung eines Schulbuches darin von der Besprechung eines jeden andern, für reife und gebildete Leser bestimmten Werkes unterscheiden, daß jene mit minutiöser Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit den ganzen Inhalt zu prüfen habe, während diese mit allgemeinen Andentunge» über Vorzüge und etwaige Mängel sich begnügen und die weitern Ausführungen dem denkenden Leser überlassen könne. Die Wahrheitsliebe und der redliche Forschersinn des Hrn. Vers., wovon er uns in seinem Werke mehr als eine Probe liefert, sind uns Bürgschaft, daß er unsere Bemerkungen mit demselben Wolwollen entgegennehmen werde, mit dem wir sie geben, und daß er tveder wie Hr. Kohn ans Pest uiisern Charakter dafür antaste», noch wie Hr. Zilz uns daraus einen Vorwurf machen werde, daß wir ein Lehrbuch zu benrtheilen gewagt, das wir nicht besser zu machen verstehen. Hr. Zilz scheint überhaupt zu aristokratische Ansichten von den Rechten der Kritik zu hegen und zu meinen, daß nur Autoren, nicht aber die misera plebs mit ihrem Nrtheile über die Autoren sich in die Oeffentlichkeit wagen dürfe. Nach dieser kleinen Diversion, die wir jenen beiden Herren, aber auch nicht mehr, schuldig zu sei» glaubten, kehren wir zu nnferem Buche zurück, um cs nach Form und Inhalt näher zu prüfen. Bei einem Schulbnche, und besonders bei einer bibl. Geschichte die den jugendlichen Gemüther» den erhabenen bibl. Geist einflößen, Herz und Gemüth erfassen, und nationalen Sinn und Anhänglichkeit wecken soll, ist die Form der Darstellung ein sehr wesentliches Moment, *) Herzlich gerne. Red. von kein fast zum größten Theile der Werth und die Brauchbarkeit des Buches bedingt wird. Der Inhalt ist ja ein gegebener, an dem nichts geändert werden soll und darf. Und wenn auch die heiligen Urkunden mit dem Gedanken auch die Form bieten, indem ihre ewigen Wahrheilen, in erhabener Einfachheit und Klarheit ausgesprochen, nur in das andere Idiom zu übertragen werden brauchen, um mit gleicher überzeugender Kraft anznsprechen: so finden wir dennoch nicht in allen, dieseu Gegenstand behandelnden Schulbüchern diesen rechten gemüthliche» Ton getrosten, der hierin vor Allem so nöthig ist. Der Hr. Vers, hat nicht nur diesen richtigen Ton zu finden gewußt, sondern auch noch eine andere Schwierigkeit glücklich überwunden, die bei einem, für einen vierjährigen Kursus bestimmten, historischen Lehrbnche die größte Aufmerksamkeit erfordert. In einem Lehrbnche, das einen und denselben Gegenstand bei Schülern von 10 bis 14 Jahren fort seift n soll, müssen, bei mit »Recht vorauSznsetzeuder, wachsender Reife der Schüler, Diktion und innere Behandlung vollendeter, jene schwungvoller, und diese Pragmatischer werden, wenn Reiz und Interesse dafür wachsen und zunehmen sollen. Ein solches Buch muß in simpler ErzählungSweise begiuneu und gradatim fortschreiten, bis zu jener historischen Darstellung, die schon Nesterionen gestattet. Der Hr. Vers, bekundet sieh darin als praktischer Schulmann, daß er alle diese Klippen zu umgehen und den geschichtlichen Stoff allmalig in eine höhere Darstellungsweise hinüber zu leiten wußte, und Ncflerionen dort anbrachte, wo sie der schon entwickelterc Verstand der Schüler zu erfassen vermag. Uns will eS sogar bedünken, daß der Vers, in dieser Beziehung des Guten zu viel gethan, und namentlich zum Schluffe — in der thalmud. Epoche — zu viel Nesterionen eingestrener habe. Weniger Raisonnements, und dafür mehr historisches Material, mehr Biografisches nnd konkretere Gestaltungen hätten wir vorgezogen. Auch hätten wir im ersten Theile ein engeres Anschmiegen an die ursprüngliche biblische AusdruckSweise und ein öfteres Wiedergeben der im Pentateuch vorkommenden Kraftstellen gewünscht, was die biblische Geschichte des Hrn. Red. d. Bl. so vortheilhaft auszeichnet. Was den Inhalt betrifft, so zeichnet sich dieses Lehrbuch dadurch ans, daß eö einen weit größer» bietet, als ihn der Name: ״Biblische- Geschichte" erwarten läßt, indem darin die jüdische Geschichte bis zum Abschluß der Gaonäer-Epoche fortgeführt, und noch überdies in dieser dritten Auflage in einem gedrängten Anhänge bis auf unsere Zeit behandelt ist. Bei diesem Umfange aber und dieser Anödehilttug finden wir den Namen: Biblische Geschichte nicht gerechtfertiget, da es um fast anderthalb Jahrtansende über die in der Bibel enthaltene jüdische Geschichte hinanSgeht. Wollte man dagegen den Titel: ״Jüdische Geschichte" snbftitniren, so bietet eö wieder zu wenig, um diesem Namen zu entsprechen. In diesem Falle hätte die ganze jüdische Geschichte bis auf unsere Zeit ausführlicher behandelt werden müssen. Einen zweiten Vorzug hat dieses Lehrbuch, der es vor andern ähnlichen vortheilbaft auszeichnet, daß es die Geschichte der Könige zur Zeit des ersten Tempels viel gründlicher behandelt, indem es erstens die Bücher der Chronik vortrefflich benützt, und zweitens das Leben nnd Wirken der Profeten, theils durch die Darstellung ihres Eingreifens in die Geschichte, theils durch die Ansührnngen markirter Reden, zur klaren Anschaunng bringt, und somit auch einen Einblick in das geistige Leben der Nation, dessen Träger die Herolde des göttlichen Wortes waren, gewährt. Die empfänglichen Schüler werden überdies durch solche Zitate angeeifert, die Profeten in der Origiualsprache'keunen zu lerne». Wir hätten es sogar angemessen gefunden, keinen Theil der heil. Schrift, nnd keinen Profeten leer ausgeheu, und unbedacht zu lassen. Aus Amos, Hosea, Micha, Sprüche, Hiob 1c. hätten wir einige Geist und Inhalt bezeichnende Stellen gewünscht.

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