Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1861-02-01 · 5 (1.2.1861) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
5 (1.2.1861)
Date
1861-02-01
Page
Seite 44 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2542917-2543023-2543029--1964-2545693
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44 Außerdem aber enthält noch das Buch eine Menge sehr wcrtbvoller kritischer, crcgetischcr und hcrmeneutischcr Bemerkungen, die, ans selbstständiger Forschung beruhend, Quellenstudium und Belesenheit bckünden, die dasselbe jedem Bibclsreunde cinpfehlenöwerth machen. Beispiclswcise verweisen wir ans den Anhang zum ersten Thcilc. in welchem der nicht unglückliche Versuch gemacht wird, die bekannte chronologische Schwierigkeit in der Richtcrpcriode zu heben. Was uns dagegen unangenehm berührte, ist die hin und wieder dnrchschinimcrndc rcformatorische Tendenz, die wir in einem für die Jugend bcstininltcn Lehrbuche durchaus nicht am geeigneten Platze finden. — Auf's Einzelne übergehend, hätten wir Nachfolgendes zu bemerken. (Schluß folgt.) Das Judenthnm unserer Zeit. Predigt, gehalten am Hüttenfeste 5621 (2. Oktober 1860), von I)r. Ad. Jellinek, Prediger der israel. Kultnsgemeinde in Wien. Wien. Bnchdruckerei von Adalbert della Torre. 8. 15. Anknüpfend an die Bestandthcile des Fcftstraußcö schildert die vorliegende Predigt ״die herrlichen Vorzüge des Jndenthnmö unserer Zeit", welches nicht nur von externen Feinden, sondern auch von jüdischcn Gegnern geschmäht und angegriffen wird. Die Vorzüge des ZudcnthumS der Gegenwart, ״wie cs sich in seinem Kultus, in seinen Predigten, in feilten Schriften, in seinen staatlichen »nd gesellschaftlichen Bestrebungen offenbart", findet der berühmte Redner darin, daß dasselbe 1. in allen seinen Erscheinilttgsforinen nach Schönheit strebt-, 2. in der Verkündigung seiner Wahrheiten, wie im Kampfe nm die bürgcrtiche Stellung seiner Bekenner fest und stark, ernst und würdevoll anstritt-, und 3. Jsrael'ö Namen und Nus in Ehren zu erhalten und zu ^verherrlichen, erfolgreich beflissen ist. Dicsej nnlengbarcn Attribute des progressiven Judenthums sind mit gründlicher Kenntniß der Vergangenheit und Gegenwart, und mit einer frischen, lebendigen, ans dem Geiste und Herzen hervorsprudclnden, von aller Uebcrladung freier Beredsamkeir dargcstellt. Wir wünschen, daß kein Leser d. Bl. die vorliegende Predigt ungelesen lasse; können aber nicht umhin, hier folgende Stelle ans dem 3. Theile anzuführcn: ״Unsere Vorfahren, in. a. Z., haben uns, besonders in Oesterreich und Deutschland, eine traurige Erbschaft hintcrlassen. Sie kümmerten sich wenig um das, was außerhalb ihres engen Kreises geschrieben wurde, lernten nur selten die Schriftsprachen der Gelehrten und Gebildeten, verstanden cs kaum, sich in jenen Sprachen angemessen auszudrücken, und so kam cs, daß Jahrhunderte lang eine judenscindliche Literatur sich verbreitete, welche Schimpf und Schmach aus den jüdischen Namen häufte, ohne daß eine Hand sich dagegen erhoben hätte. ״D n r ch unsere Zunge siegen w i r, unsere Sprache steht uns bei: wer kann uns bewältigen?" (Ps. 12, 5.) konnten unsere Feinde voll Zuversicht ausrnfcn. Wer hat nnn die Arbeit begonnen und ans sich genommen, für unfern Namen, für unsere Ehre und Lehre zu kämpfen, zu reden und zu schreiben? Das Judenim Stanke waren, Ken jüdischen Manien siegreich zu vertheidigen. (S. 11. 12.).׳׳ Hierauf folgen zwei merkwürdige Zitate ans christlichen Predigten (von Lacordairc, der vor Kurzem französ. Akademiker wurde, und Sanri», dem ersten Protest. Prediger des 17. Jahrh.). Zum Schluffe antwortete der in warmer UcberzcngniigStrcnc sprechende Redner auf die Frage, wie Jsrael's Angelegenheiten, ohne die Bestrebungen des nencii Jiidenthnms stünden, mit den Worten: ״Wir hätten die sprichwörtlich gewordenen Jndcnschulcn mit ihrem bunten Lärm und ihrem geschmacklosen Singsang: wir sehen in allen großen Gemeinden die Gebildeten nnd die jüngcrn Zeitgenossen von der Theilnahmc am Gottesdicnstc ausgeschlossen; wir stünden noch immer als Bettler vor den Palästen der Gesetzgeber, erfreut nnd beglückt dilrch das wolwollende Lächeln der Thürhüter: wir sprechen alle eine Mundart, die znm Gcspötte der Völker geworden ist; wir überließen unfern Namen, nnsern Ruf, unsere Ehre, unfern Glauben, Misere Brauche, unser Schriftthunr nnd unsere Verdienste nm die Menschheit der Willkür, der Feindseligkcit nnd der Bosheit unserer rastlosen Gegner: Israeliten! ich mache Euch selbst zu Richter»; prüfet, urthcilt, entscheidet, wählet! (S. U. 15.)! Welcher denkende Jsraclite wird in diesen Worten nicht die Sprache der siegreichen Wahrheit erkennen? Gewiß: das Judenthnm, das von dem lebendigen Geiste der Bibel durchdrungen ist, sich alle Segnungen der europäischen Kultur ancignct, und die wissenschaftliche Forschung nicht mir nicht scheuet, sondern mit deren Fackel die Vergangenhcit unermüdlich beleuchtet, dieses Judenthnm ist das Judenthnm der Zukunft. Inserate. 2 Konkurs. (2) An der Veßprimer israel. Hauptschule ist mit 1. April l. I. eine Klassenlehrer-Stelle, mit dem JahreSgehalte von 400 fl. östcrr. W. zu besetzen. Bewerber um diese Stelle, welche der ungarischen und hebräischcn Sprache vollkommen mächtig sein müssen, wollen, ihre Besähignngsnnd Verwendungs-Zeugnisse, längstens bis 15. Februar 1801 portofrei, an den gefertigten Vorstand einscnden. Der Vorstand der Veßprimer israel. Kultus-Gemeinde. 3 & 0 n k u r s. (0 Am israel. Knabenwaisenhanse zu Prag gelangt die Stelle eines Erziehers für den 15. April 1861 provisorisch zur Besetzung, mit welcher der JahreSgehalt von dreihundert Gulden östcrr. Währung nebst freier Station verbunden ist. Bewerber um diese Stelle haben ihre Gesuche, belegt mit den glaubwürdigen Nachweisen über ihren guten Ruf, hinsichtlich ihrer Sittlichkcit und ihres religiösen Lebenswandels, über die mit gutem Erfolge zurückgelegte Prüfung als Volksschnllehrer, sowie über die Kenntniß der hebräischen Sprache, ferner über ihr Alter, Stand und bisherige Ver- Wendung bis 28. Februar 1861 hierorts einznbringen. Von der israel. Kultnsgemeinde-Repräscutanz. hum unserer Zeit, dessen Söhne die Sprachen der Völker erlernten, ans dem Schauplatze geistiger Wettkämpfe sich übten, und dadurch Prag, am 10. Jänner 1861. Der Vorsitzende: Ernst Wehli. Szegedin, Verlag von Sigmund Lnrgrr. Leipzig, Üoiiimisflons-Vcrlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedm.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.