Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 5 (1.2.1861)
- Date
- 1861-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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42 schließ!, auf den Genuß des Privilegiums, welches der V. G. A. den gesetzlich rezipirten Religionen einränmt, zu v e rzichten, und die qnalifizirten Juden mit in die Wahllisten anfznnehmen, so würde diese Antizipation der Emanzipation in London und in Paris, wie überhaupt in der ganzen gebildeten Welt, sicherlich mit nngetheiltem Bcifalle anfgcnommen werden. Die Langsamkeit, mit welcher der Fortschritt der religiösen Duldung in früherer Zeit geschah, kann unserer Zeit nicht zum Muster und Vorbilde dienen. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts machte die Stadt Pest gar keine Einwendung, als ihr in den Freiheitsbrief (vom 23. Oktober 1703) die Klausel gesetzt wurde, daß sie keinem Protestanten das Bürgerrecht verleihen dürfe: nt nemo a vera orthodoxa Eoniano-Catliolica Ecligionc alienus, in concivem tillo sub praetextu adniittatnr aut toleretur (Katona p. 253). In der That wohnten in der vorjosesinischcn Zeit nur wenige Protestanten in Pest, und diese Wenigen konnten innerhalb der Stadt keinen gemeinschaftlichen Gottesdienst verrichten. Die Evangelischen besuchten die Kirche zu Zinkota, bis sie 1787 in der Hutgasse, im Szilassp'schen Hause einen Andachtsaal cröffneteu; die Neformirten gründeten erst 1796 eine Kircheugemeinde, bis dahin besuchten sie die Kirche zu Altofen. Ist es aber auch nur denkbar, daß die aufgeklärte, intelligente, sich ihrer munizipalen Stellung bewußte Stadt Pest sich heute in Bezug auf die Juden noch zu denselben Grundsätzen bekennt, zu denen sie sich Anno 1703 in Bezug auf die Protestanten bekannte? Unsere freundlichen Leser werden unsere Eiuueruttgeu an die Vergangenheit wol begreiflich und gerechtfertiget sinden. Die Erinnerungen sind für die Christen heilsam, weil sie denselben zeigen, daß die Ausschließung der Juden nicht ans den etwaigen Eigenthümlichkeiteu derselben stoß, denn als die Pester Stadt den Protestanten das Vürgerech! verweigerte, war nicht ein einziger Nerzehruugösteuerpäcbter unter denselben. Sie sind aber auch für die Juden heilsam, indem diese daraus die trostvolle Ueberzeuguug schöpfen können, daß die Intoleranz, welche jetzt nur noch ein kleines Gebiet des öffentlichen Lebens beherrscht, früher ein ohne Vergleich größeres Gebiet beherrschte, und nicht nur ertensiv, sondern auch intensiv mächtiger war, als in der Gegenwart, ohne daß sich deshalb als unüberwindlich behaupten konnte. Korrespondenz. Berlin. Geehrter Herr Redakteur! Nehmen Sie Akt von dem Aufschwünge eines jüdischen Blattes; der Jeschnrnn nämlich in Frankfurt a. M., dessen Leilprcdigtcu bisher für Frauen und Jungfrauen gebildeter Stände und dessen pädagogische Artikel für — nun natürlich für Kinder berechnet zu sein schienen, hat sich aus einmal an einen Mann gemacht. Der Manu aber, an den er sich gemacht, ist ein ganzer Mann, nämlich der -eminardireklor in -Brrstan, Di. grautet. Man sieht, der Jeschnrnn versteht auch das ^תולה באילן גדו. Doch dürren Sie nicht erschrecken! Nicht er hängt sich an einen großen Baum, sondern sein Feldgeschrei ist »ut dem etwas außer Rand und Band gerathcnen Hamlet-Haupt die Filososie, hängt die Wissenschaft! der Henker aber, der auf dieses Geschrei herbeigeeilt, spricht hebräisch und hat als besonderes Kennzeichen. daß er ein ״Laie״ (hebräisch vermuthlich שנאבד הדיוט קוסץ בראש, הדיוט הקיים מה ist.' Er hat den Seminardirdlrektor — natürlich in elligie — den Garaus gemacht, wobei sich derselbe nach zuverlässigen Nachrichten so übel gar nicht befunden haben sott. Übrigens hat Herr Hirsch die Bernichtnngöaktc auch in'S Deutsche übertragen, da ein hebräischcr Tod ihm nicht ansgcreicht zu haben scheint, verspricht außerdem, Herru Frankel im folgenden Artikel noch todtcr zu machen. Doch Sie fragen erschrocken: Für welches Verbrechen? Nun das ist einfach: Frauiel hat in seiner Hodogetik — so schreibt Herr Hirsch nämlich hartnackig statt Hodegctik, vermuthlich ans dem Grunde, weil er als הטיה nicht הכמה יונית studieren darf, und als zweifelhafter למהן unter הכמת יונית griechische Sprache verstehen muß — nun meinetwegen in seiner Hodogetik gesagt, daß die Syuagoga Magna in der Erklärung der Thora במועצות ורעת verfahren ist. Welch eine Ketzerei! Die mündliche Lehre, meint Herr Fischer—Hirsch — wahrlich, es ist eine Schande, es zu wiederholen — ist so unvernünftig, daß kein Mensch daraus gekommen wäre, also — doch wir sprechen die Folgerung nicht aus. Wahrlich, wir duckmänsern nicht, stehen aber darnm auch nicht mit dem großen Gott, den Israel verehrt, auf einem so vertraulichen Fuße, um ihn ans eine Weise zu blasfemiren, wie es Herr Fischer— Hirsch in ihrer Unschuld, wie wir gern glauben, gcthan haben. Ich will auch nicht ans die Anführnngen des Nischba (warum schreibt Herr Hirsch nicht auch Riuibam?) n.s.w. cuigehen: ich Witt den Herren lieber erzählen, warum unsere hiesige Krcnzzcitnng sich Bielen so widerwärtig gemacht hat, nicht weil sie fromm ist, sondern weil sie fromme kl. Und die taitschen Quasilamdonim frömmeln ebenfalls. In alter Zeit, da man sein Verfahren nach den talm. Quellen und nicht nach dem Verspiele anderer Eonscssionen regelte, da fragte man gar nicht so viel unter Juden: Was glaubst Du? sondern: Was thnst Du? Jetzt dogmatisirt und allegorisirt und simbolisirt und katechisirt man. Und wenn sich einmal ein Mann findet, der sein Leben ehrlich und aufrichtig dem Studium des Talmud weiht, der ein Auch schreibt, dem doch mindestens, wie cS wenigstenS solchen, die keine דיוטיט sind, klar sein muß, ein mehr als 20-jähriger Fleiß aus dem betreffenden Gebiete vorangcgangen ist, hat man die naive Unverschämtheit zu sagen: Beweise einmal, daß du den Talmud hoch hältst. Nun. der Mann beweist es mit seinem Leben. Und Ihr? Woran erkennt man denn, daß Ihr den Talmnd hoch haltet? Etwa in Euerem Respekt vor einem למק? Offen gesagt, mit Euch ist kein Streiten. Auch soll hier ein solcher Streik nicht auSgesochten werden. Gesagt nur soll es werden, ehrlich und aufrichtig, so wahr das Jndcnthnm eine Zukunft hat trotz Euch, daß Ihr bereits an die Grenze gekommen seid, wo nicht grade dumme Menschen von Eueren Erpcetorationcn glauben, sie seien zur Verhöhnung deö JudenthniuS von complelen Leugnern in die Szene gesetzt. Gesagt sott es werden, damit Ihr merket, daß Ihr nicht ans dem Wege zu כי היא הכמחכם ובינתכם , sondern zu dem Narrenhanse seid. Literarische Anzeigen. Biblische Geschichte für die israel. Jugend, bearbeitet von Leopold Breuer, emeritirter Religionölehrer in Wien. Zwei Theile. Dritte nmgearbeitete und vermehrte Auflage. Wien 1860. Wilhelm Braumüller *). Besprochen von Rabb. Abraham Hochmnth in Veßprim. Hr. L. Breuer, wenn nicht der Nestor, doch jedenfalls einer der ältesten und achtbarsten Schulmänner Oesterreichs, hat seine ״biblische 's S. vor. Jahrg. S. 035—030. Die Besprechung Jost's. Red