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Ben Chananja · 1861-02-01 · 5 (1.2.1861) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
5 (1.2.1861)
Date
1861-02-01
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 zu jener Zeit eine Orgel baute, Maier Mahler, anfbewahrt 2"). Leon da Modena zählt unter seinen 24 Erwerbsarten auch die Musik aus, womit er wahrscheinlich sagen will, daß er musikalischen Unterricht ertheilt habe; und bei R. Jair Chajjim Vachrach wurde die Anfrage gestellt, ob ein Thalmudist, der mehrere Instrumente zu handhaben versteht, sich nichts vergebe, wenn er, natürlich nicht für Vczahlung, bei einer Hochzeit als Musikant auftritt. Der musikalischen Zeichen scheinen sich zuerst die Inden in Italien, der Heimat der Gcsangknnst, bedient zu haben. Alö Musikkenner werden genannt: Jehuda MuSkato (1839), Israel Abba (1630), Leon de Modena (gest. 1648) und dessen Sohn Sebnlnn. Der Arzt, Arje Abraham de Porta Leone, welcher 1584 ans den Wunsch des Herzogs Wilhelm Monzaga Gespräche über den Gebrauch deS Goldes in der Heilkunde hcransgab, behandelte in seinem berühmten Schilte Ha-Gibborim die musikalischen Instrumente der alten Hebräer, und Salomo de Rosst gab 3—8-Ztimmige Partituren zu hebräischen Liedern heraus"׳'). In neuester Zeit haben sich Vortragende und komponirende jüd. Sänger unverwelkliche Lorbeeren gesammelt, und d'Jsraeli hat dem jüdischen Stamme eine besondere musikalische Begabtheit zugcschrieben. Aus dem Gesagten erhellet, daß das Element des Tons dem Zynagogalen Kultus zu keiner Zeit fehlte. Aber wie der neuern Zeit der Rnhm gebührt, die eigentliche Kunst der Rede in der Synagoge einheimisch gemacht zu haben, so gebührt ihr dieser Ruhm auch in Bezug auf die Knust des Tones. Wie in den lebendigen und geistvollen Reden der Synagoge das Wort der alten Profeten wiederhallt; so erklingt in den Synagogenchören von Neuem der Ton der alten Harfe Zion'S. Dort wie hier ist es der wieder wach gewordene biblische Geist, der so leicht den Weg zu deu Herzen findet. Und wie sich die neuere Predigt nicht scheut, nicht nur die historische Berechtigung, sondern auch die instruktive Bedeutsamkeit der alten Drascha anzuerkennen; so schicken sich auch die komponirenden Sänger der Synagoge immer mehr an, die alten Weisen zu würdigen, zu benützen, zu veredeln. Gewiß geht der Synagogengesang einer schönen Zukunft entgegen, ob sich auch die eigentliche Orthodorie noch immer weigert, das Singen nach Noten beim Gottesdienste für zulässig zu erklären. Diese Weigerung fließt in Landgemeinden aus '“) S. über alles dies Dukes im L. Bl. d. Or. IV, 539. Hier. Komm, in Gpheö. V, 19. Delitzsch z. Gesch. S. 75. Steinschneider in Ersch nnd Grub. Enzykl. 17, L25. 91,mt. 55. 56. Schudt, Denkw. B. 4. Kap. 14. 8- 3- B. 9. Kap. 34. 8- 22. 4. Th. Kent. 3. S. 155. Zunz gottcöd. Vortr. S. 476. '") Reggio, Gram. Trab. XVI. R. G. 9l. Bachr.'S Nro. 205. Jost, Gesch. VIII, 200, Steinsch». a. a. O. S462 ׳, An,«. 69. 70. Unkultur, nno letztere ist die uatürliche Folge polit. Druckes nnd sozialer Ausschließung. Hat ja die Orthodorie auch das Predigen nach der Grammatik verdammlich gefunden, und findet eS zum Theit noch verdammlich! Wenn aber die Vertretcr der Orthodorie selbst in großen Städten den Gesang nach Noten ans ihren Synagogen verbannen, während in ihren eigenen Häusern die Tonkunst oft die eifrigste Pflege findet; so ist dies eine Anomalie, die ihres Gleichen sucht. Da eö unter Den städtischen Orthodoren wirklich viele gebildete, denkende nnd einsichtsvolle Männer gibt, so sollten dieselben in Erwägung ziehen, daß znm Beispiel die gotteSdienstlichen Einrichtungen der beiden Wiener Tempel, von denen einer alten Statusquo-Synagoge sich wesentlich nur dadurch unterscheiden, daß in diesen Tempeln nach der G r a m 11m t i f gepredi g t, u n d nach Note 11 g e s u n g e n wird. Oder meinen die Herren, daß die Abkürzung der Pijjutim ein wesentlicheres Moment sei? Die Trompeter im Lager der Romantik posaunen dies freilich aus; aber der Kundige weiß, was er von diesem blinden Lärm zu halten hat. Hirsch Chajes bezeugt ausdrücklich, daß viele Synagogen Polens' und Rußlands die meisten Pijjutim verabschiedet haben"׳'). Die bei Weitem überwiegende Mehrzahl dieser Gemeinden würde sich aber in keinem Falle entschließen können, der Predigt nach der Grammatik und dem Gesänge nach Noten den Eingang in ihre Synagogen zu gestatten. Diese Neuerungen müssen mithin ein bedeutenderes reformistisches Moment iuvolviren, als die Reduktion der Pijjutim: Das Bedenkliche und Verfängliche derselben liegt in dem von ihnen beurkundeten kulturellen Fortschritte, welchen die Orthodorie für gefährlich hält. Die Vertreter der Orthodorie in großen Städten aber, die persönlich mit der Grammatik auf gutem Fuße leben, und die sich in ihren Häusern oft an tonkünstlcrischen Produktionen ergötzen, dürften nach reiflicher Ueberlegung kaum in Adrede zu stellen vermögen, daß sie etwas Absurdes thun, indem sie in ihren Synagogen die Gesetze der Sprache und des Tones — oder doch letztere — perhorresziren. Gemeinde- und Rabbinatswesen. 11. Die Pester Konferenz. Der jetzige Vorstand der hies. israel. Gemeinde, der in keiner Schichte der Gemeinde eine Stütze findet, hat gegen Ende des vorigen Jahres, von der öffentlichen Meinung gedrängt, bei der hohen Statthalterei, ein Aktenstück eingereicht, worin, nicht wie allgemein vermuthet wurde, die ־') Mimh. Ren. 7, b. Pijjntim und Mizwotvcrkauf sind ihm: ענינים ומנהגים קיים.

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