Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 5 (1.2.1861)
- Date
- 1861-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Da der singende Vortrag selbst beim Studium üblich war, so würde man auch ohne ausdrückliches Zeugniß deö AlterthnmS voraussetzeu dürfen, daß jener Vortrag auch dem svnagogalen Gottesdienste nicht fremd gewesen sei. Diese Voraussetzung wird aber auch durch das direkte Zeugniß der .Quellen vollkommen bestätiget, nach welchem man schon in früher Zeit darauf sah, daß der Vorbcter eine angenehme, wohlklingende Stimme habe Künstlicher Gesang und Instrumentalmusik haben in den ältesten Synagogen, welche gleichzeitig mit dem zweiten jerusalemischen Tempel zn gottesdienstlichen Stätten dienten, keine Aufnahme gefunden, indem beide alö ausschließliche Attribute des ZeutralgotteödiensteS angesehen wurden. Der Synagogengesang war ein kunstloser, mehr rezitativer, und der älteste Kirchengesang ist ohne Zweifel eine Adoption oder Nachahmung desselben Ui). Zn dem Buche ״vom beschanlichen Leben" findet sich zwar folgende Beschreibung des Gesanges der Therapeuten und Therapeutinnen: ״Es erzeugt die feine Stimme der Frauen, gemischt mit der tiefen Stimme der Männer, durch entgegenhallende und tönende Weisen eine harmonische und wahrhaft musikalische Symfonie'׳)"; da aber das Buch ״vom beschaulichen Leben", welches in die Werke Filo'ö ausgenommen ist, nicht von Filo herrührt 1ל, so hat die Beschreibung für die Geschichte des SynagogengesangeS keinen Belang. In den Synagogen haben die Frauen niemals mitgesungen 'ל. Der figurirte Synagogengesang stammt aus der nachthalmndischen Zeit; aber schon im zwölften Jahrhundert wurde über die Eitelkeit mancher Vorbeter geklagt, welche Stellen, die die Gemeinde bereits rezitirt hat, nochmals singend rezitiren, um ihre angenehme Stimme hören zu las-!'tu'-0). Die Gemeinden, denen der Gesang znsagte, ließen sich aber durch diese Klage nicht beirren. Ueber die Natur und Beschaffenheit des Synagogengesangeö hat der gelehrte Dukes 1843 die Forschung eröff- Asien waren dieselben ui der geonäischcn Zeit an manchen Orten außer Brauch gekommen (Ebel rabb. Kap. l-t.). ׳׳׳) Taan. 10, ויש לו נעימה וקולו ערב (vgl. j. Schek. 5, 1.: 2 ׳(נעימה יחרהlk. Spr. J, 9. als der Pcsikta entnommen: שאם קולך ערב סרוס על שמע ועבור לסני החבה על שם כבד את ה׳ מהנך ממה שחננך. Das Zitat bei Beer Heteb O. (5H. 53. 14. מהרוך קרי בי׳ מגרונך ist mithin falsch. I״ Isidorus Iiispal. de eccl. off. 1, 15.: primitiv» eeclesia. ita psallebat, nt modico flexu vorig faceret psalleutem resonare ita »t proimncianti vicinor esset quam canenti. '7) De vita contempl. ed. Frankf. in Folio 902, G. '") Grätz Geschichte 3, 519—522. ‘‘2 Bereich. 24, a. •°) Buch der Frommen, 25 l.: ועתה שהוורי׳ למעלה ערן הוא לסי שהן עושין כדי להשמיע קולם הנעים ועוד טרה צבור יש שלא לצרך. net, ohne daß dieselbe seitdem weiter geführt worden wäre. Abraham Aben Esra kannte schon hebräische Lieder, welche nach erlernen Melodien gesungen wurden, wie denn auch schon die Kirchenväter von heidnischen Melodien sprechen, welche man christlichen Terten unterlegte. Der kabbalistisch fromme Menachem di Lonsano berichtet selbst, er habe seine religiösen Dichtungen fremden Melodien angepaßt (1600); und Rafael Mcldola hat seine hebr. Lieder nach Arietten und Rczitativen für Musik eingerichtet. Als Vater des deutschen Synagogengesanges wird R. Jakob Ha-Levi in Mainz (1110) angesehen. Begleitung des Gesanges mit Instrumentalmusik kam in der nachthalmudischen Zeit sowol in den Synagogen deö Ostens, als in denen deö Westens vor. In der Synagoge zn Bagdad fand der deutsche Reisende Petachja aus Regensbürg im 12. Jahrh. Instrumentalmusik; in der ״Altneu"- Synagoge zn Prag erklang der Orgelton schon vor 160 Jahren. Hirsch Chajes spricht allerdings die Vermuthung aus, daß die Kirche sich zu jener Zeit noch nicht der Orgel bedient haben möge; dem ist aber nicht also. Mehr denn ein Jahrtausend früher (757) hat der Kaiser Konstantinus Kopronymuö dem Könige Pipin unter anderen Geschenken eine Orgel geschickt. Es war dies die erste Orgel, welche in Europa gesehen wurde. Wenn nun auch diese geschichtliche Spezialität den Prager Juden schwerlich bekannt war, so mußten sie doch wissen, daß die Orgel ein Kircheninstrument ist. Aber sie waren entweder unbefangen genug, an diesem Umstande keinen Anstoß zu nehmen, oder ihre Thalmndisten beruhigten sie mit der Versicherung, daß im zweiten jerusalemischen Tempel ein Pfeifenwerk gebraucht wurde, welches nach seiner Struktur der Orgel ähnlich war-ל. Gewiß ist, daß die Besucher der ״Altneu"-Synagoge sich von den Tonen der Orgel erbauen ließen, und daß ihr jüd. Gefühl sich durch dieselben durchaus nicht verletzt fühlte. Der berüchtigte Pfefferkorn erzählt allerdings, daß die Juden eine unüberwindliche Antipathie gegen die Orgel haben; allein schon Schudt ist so gerecht, diese Angabe durch die angeführten Thatsachen zu widerlegen, oder doch in musikalischer Beziehung einen Fortschritt bei den Juden anzuerk enneu. Die Begrüßung des Sabbates mit instrumentaler Begleitung kam überhaupt nicht selten vor. Die Geschichte hat sogar die Namen der Frankfurter jüdischen Musikanten zu Anfang deö 18. Jahrh. und den Namen eines Prager Juden, der -׳) Srach 10, b. 11, a.: מנריסה. Da ״ מנר בהSch anfel" bedeutet (Tain. 33, a.), so haben die Ausleger seltsam genug ״Schaufel" und ״Orgel" koufundirt;!. Raschi und Tos. a. a. O. und Saalschutz Gesch. und Wurde der Mus. 135 ss. Allein die Orgel hieß nicht Magresa, sondern eS ist von den, allerdings korrupten einem großen Blasebalge die Rede, in welchem Oeffnungen äugebracht waren. Daher die verschiedene Schreibung: מגרסה u. בעריסה.