Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 5 (1.2.1861)
- Date
- 1861-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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38 verlegen zu sein: der jüdische Mime Alitvros war ein Liebling des Kaisers Nero, der selbst die Schaubühne betrat, ״jeder Regel der Zitherspicler gehorchend')." Von AlityroS wurde Josefns, der Geschichtschreiber, in Puteoli (Pozzuolo), in Kampanien der ״Gemalin des Kaisers" Poppäa vorgestellt, und mit ihrem Beistände gelang eS ihm, die von dem Landpflegcr F c l'i r nach Italien internirten Priester zu befreiens). Ein jüd. Tragödiendichter ist schon aus der vorchristl. Zeit zu nennen: Ezechiel, der Alerandriner, der nach dem Vorbilde deö Enripidcs die biblische Geschichte vom Auszüge Israels aus Egypten in. ein Drama (Eragoge) verarbeitete, wovon Eusebius von Cäsaren, Klemens von Alerandrien und Enstathius Fragmente erhalten haben"). In Europa schrieb Samuel Usque das erste jüd. Drama (Esther) in spanischer Sprache (1619); Antonio Euriqnez Gomez verfaßte 22 Komödien. Die deutschen Inden haben ans der vormendelssohn'schen Zeit nur einige ״Spiele" anfzuweisen, in denen die Geschichte Josef's, David's und Goliath'ö und Esther's dramatisirt wird. Der Vers, deö erstgenannten Stückes ist Beermann von Limburg. Dasselbe wurde im Ans. des 18. Jahrh. in Franks, a. M. von Prager und Hamburger Studenten (Bachurim) in einem eigens zu diesem Zwecke errichteten Theater zur Verherrlichnng der Pnrimfeier anfgeführt. Die damaligen Jeschiba- Jünger spielten nur am Purim Komödie; die Zöglinge der heutigen romantischen Jeschibot werden förmlich zu Komödianten gebildet. Die Prager und Hamburger Bachurim müssen die Schauspiele ihrer Zeit nicht gar selten besucht haben, indem sie im Stande waren, durch szenische Vorkchrnng und theatralische Darstellung nicht nur ihre Glaubensgenossen, sondern auch christliche Bürger Frankfurts zu entzücken. Die Frankfurter Obrigkeit fand eS aber uu-nkömmlich, Christen einem jüdischen Dilettantentheater beiwohnen zu lassen; das Komödiespielen wurde daher unter Strafe von zwanzig Thalern untersagt"'). Die Possen, welche jüd. Hochzeitögäste zu belustigen pflegten, sind erst von der Kultur der Neuzeit verdrängt worden. Die Reihe der modernen jüdischen Dramadichter eröffnet Benedikt David Arnstein in Wien (1782—1801־). In Deutschland sind in neuester Zeit auch Rabbinen — Di׳. Ludwig Philippson in Magdeburg unb Leopold Stein in Frankfurt a. M. — als dramatische Schriftsteller ausgetreten. Als die Frankturter Bauherren daö jüdische Dilettantentheater einstellten, ahnten weder Inden noch Christen, daß eine Zeit kommen ') Taeitus?luuali'it 1 f>, 4. ל Jos. Vita III. ״ (״Philippson, Ezechiel und Pluto" 1830. Delitzsch, ״Zur Gechichte 28. 211. Frankel, ״über den Einftuß" 113—11 (>. 10) Schutt, jüd. Dentu׳. B. >>. Kap. 35. werde, wo Rabbiner die dramatische Literatur bereichern, und jüdische Schauspieler und Schauspielerinnen in verschiedenen Ländern Europa's so viel Anerkennung, zum Thcil selbst Bewunderung finden werden. Seit Moses Chajjim Luzzatto sind auch in hebräischer Sprache, theils Original-, theils übersetzte Dramen erschicne». Als Verfasser derselben sind zn nennen: Dav. Franko Mcndcz, Sam. Romanelli, Jos. Troplowitz, Mos. Kunitzer, Sam. David Luzzatto, Sal. L. Rappoport, Mar Lettens, Kalm. Kohn, Süfikind Raschkow, S. Bacher. 2. Ges a n g u n d M n s i k. Zn dem, was Hr. Rabb. Fein über diese Künste aus der thalmnd. Literatur anführte, ist noch hinzuzufügen: DaS Studium der Religionsquellen, sowol das der Bibel als das der Mischua, geschah im thalmnd. Alterthume in einem singen den Tone, wie denn auch Solon's und andere Gesetze von der Schuljugend abgesungen wurden. Die Ermahnung, im Studium des Gesetzes täglich fortzuschreiten, faßt daher R. Akiba in die Worte: ״Jeden Tag ein Lied, ein Lied jeden Tag!" Von unpraktischen Erörterungen sagte man: ״Ist denn das Studium? Gesang nur ist'S ")!" — Bedeutnngövoll ist die thannaitische Kontroverse, ob bei der jerusalemischen Tempelmnsik die Vokal- oder Instrumentalmusik daö wesentliche Moment gebildet habe v1). Die Gesanglust blieb unter dem Volke einheimisch, wiewol schon Lehrer der thalmnd. Zeit die Freuden deö Gesanges in Rücksicht ans die Trauer um Jerusalem gemieden wissen wollten'׳''). Man erlaubte sich sogar, Verse aus dem Hohenliede nach der Weise profaner Lieder zu singen, was sehr getadelt wurde. Von dem Apostaten, Elischev b. Abuja (Acherwird erzählt, daß derselbe griechische Lieber» sang, oder> nchch einer andern Leseart, musikalische Instrumente lieKte/ Daß'letztere überhaupt im Gebrauche waren, beweist nicht nur die Rücksicht, welche in den Sabbatgesetzen daraus genommen wird, sondern auch die Anwendung der Trauerflöte zur Begleitung der Klagelieber bei Begräbnissen, was allgemein üblich war "). ") Meg. 32, a. Soser. 3, 10. Sanh. 99, b. Auf. Sabb. 100, I>. 113, a. Beza 24, a. Ab. Zara 32, b. Wir folgen der Erkl. d. N. Hai bei Aruch II. Sukka 50, b. vcrgl. Midr. r. 4. B. Kap. 0. ״) Jer. Meg. 3, 2. bab. Gilt. 7, a. Alf. Ber. 24, b. ") Sauh. 101, a. Ehag. 45, b. Tos. Jcbam. 109, l>. Schlgw Beza 36. b. Sabb. 23, 4. Kethub. 4, 4. Mt. 9, 23. Mr. 5’ 38. Maim. Jschuth 14, 12. nimmt die Satzung der Mischna Kethub. a. a. O. zwar auf, es kann aber hieraus nicht geschloffen werden, daß die Trauerflötc in seiner Zeit noch im Gebrauche vor; vielmehr ist aus Hilch. Abel Abschu. 12. mit Gcwisihcit zu entnehmen, daß der Gebrauch aboliit war. Bei den europäischen Juden scheinen überhaupt weder Trauerstöten noch Klagelieder üblich gewesen zn sein. Abc,, selbst in