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Ben Chananja · 1861-01-25 · 4 (25.1.1861) · p. Seite 35

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Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
4 (25.1.1861)
Date
1861-01-25
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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Ich bin weil entfernt raren, das Entsetzen ntilDcvn zu U'olfi'n, mit welchem die zirilisiete Welt ras Scbaroscher Attentat vernehmen wird. Auch war eS von dem Pesti Naplü sicherlich kein glücklicher Gedanke, daS, ivaö in der ersten Wnth des Belagerungszustandes oder anch spater von rehen Polizeiagenten geschah, mit dem;11 parallelisiren, 1vaS in den Flitterwochen der VersassnngSfreude vollzogen wurde. Die Brutalitäten des Belagerungszustandes und der Polizeirohbeit sind sehr verdammeuswerth; aber sie sind begreiflich; sie können erklärt werden; eS ist ihnen eine gewisse psvchologische Folgerichtigkeit nicht abznsprechen. Aber die Stockschlüge, mit denen sich ein demokratisch-konstitutioneller Riebter in seinem Amte inangurirt, sind, psychologisch benrtheilt, säst alö Ausfluß einer Verrücktheit anzusehen! Die Hand- Haber deS Belagerungszustandes und der polizeilichen Willkür setzen sich über daS, 1vaS man die öffentliche Meinung nennt, hinaus; aber wie konnte Jrüuyi so bornirt und so dumm sein, j nicht zu bedenken, daß sein brutales Attentat einen allgemeinen Schrei deS Entsetzens Hervorrufen, und eS den Beamten deS Scharoscber KomitateS moralisch unmöglich machen werde, gemeinschaftlich mit ihm zu dienen? Und um die provozireude Verhöhnung deS Jahrhunderts zu vollenden, gibt der verblendete 1 Stuhlrichter dem Attentate die größte Publizität: er läßt den Juden vor der Kirche prügeln! Allein, wenn man davon! absiehr, daß die Somoser Szene von der Sonne deS neunzehnten Jahrhunderts beschienen wurde, muß man bekennen,! daß diese Unthat, sowie überhaupt all die ausschließende Unbill, ן welche die Juden in Ungarn noch immer trifft, in Lergleichnng zu den unmeuschlicheu Verfolgungen, die die ungarischen Protestanten trafen, als Kleinigkeiten anznsehen sind. Wofür mußten diese so bitteres Leid ertragen? Wurde ihnen etwa der Vorwurf gemacht, daß sie nicht genug Sympatie für die ungarische Sprache und Nationalität haben, daß sie zu wenig für die Akademie spenden, daß sie in ihren Kirchen nicht ungarisch beten und singen, oder an Kanaan denken und auf einen Messias hoffen? Nichts von all dem! Im Gegentheile rühmen sich die Protestanten, daß sie lange Zeit die eigentlichen Erhalter der ungar. Sprache und Nationalität waren. Allein sie wurden für die kleinereu Fische angesehen, die kein anderes Schicksal erwartete, als von den größeren Fischen verschlungen zu werden. Nachdem sie aber — zumeist mit dem Schwerte in der Hand — ihre Eristeuz gesichert hatten; nachdem in der Folge ein milderer Geist im Lande herrschend geworden war, und die Juden die einzige unterdrückte religiöse Körperschaft in Ungarn blieben: da glaubten manche Publizisten, den traueigen bürgerlichen Zustand der Juden anö den Eigenthümlichkeitcu derselben erklären zu müssen, ohne zu bedenken, daß ja auch andere religiöse Körperschaften von der Majoritat geneckt, geguält, unterdrückt und verfolgt wurden, wiewol bei denselben keine jener Eigcnthümlichkeiteu zu finden war, die man als Quelle ter Jildenvcrfolguug anznsehen geneigt war. Wäre die Unterdrückung der Juden in Ungarn und anderswo eine isolirte Erscheinung, so hätte chie Erforschung ihrer spczielten Ursachen Berechtigung. Aber die Erscheinung ist ja nicht isolirt! Sie ist eine Spezies der Religionsverfolgung, und kann von der Geschichte nur als solche erkannt, begriff fen und - verurtheilt werden. Wer dieö leugnen will, muß zuvörderst leugnen, daß der Fanatismus deu alten Nationalkultuö gewaltsam auSgerottet, den Protestanten ihre Kirchen entrissen, ihre Geistlichen an die Galeeren geschickt, und gewaltsame Bekehrungen bei ihnen vorgennomeu hat. Die Ausschließung der Juden von dem Genüsse der bürgerlichen und politischen Rechte ist ein trauriges Erbe fanatischer Zeiten. Als solches ist dieselbe von der ungarischen Presse darzustellen, und zwar muß dies unter den vorwaltenden Umständen von einem der Ton angebenden Publizisteu geschehen, damit die öffentliche Meinung darüber im Reinen sei, daß sich die von relig. Fanatismus erzeugte AuSschließnug der Juden weder mit dem Geiste der Zeit, noch mit deu von der ung. Nation so standhaft angestrebten freisinnigen Institutionen vertrage. Dadurch wird am sichersten allen Erzessen vorgebeugt; dadurch werden aber auch am besten die pseudoliberaleu Maulhelden entlarvt, die, um die Gunst der Massen buhlend, nicht den Muth haben, daö von ihnen verkündete Prinzip der Gleichheit und Brüderlichkeit in seinem ganzen Umfange frei und offen auzuerkeuncu *). Nachbemerkungen. Nachträglich bringen die politischen Blätter eine Erklärung der Scharoscher KomitatS-Beamten, nach welcher der jüdische Tischler nicht unschuldig war, wofür der Beweis vorläufig noch nicht geliefert, wol aber versprochen wird; ferner: einen Brief deö Klägers Hrn. Ujhüzy an die Redaktion deS ״Pester Lloyd", in welchem ebenfalls der Jude als der schuldige Theil dargestellt wird. Die vollzogene Strafe selbst wird aber eben so wenig in Abrede gestellt, als der Ort und die Zeit derselben; darauf kömmt aber! Alles an! Wenn gegen den Tischler Pasternak eine ordent- > liche Prozedur eingeleitet worden wäre, würden eS die | Journale kaum der Mühe Werth gefunden haben, darüber *) Out cm ich beu vorliegenden Artikel schließe, erhalte ich Nrv. 14 tce! feit dem 1. Oäimer d. 0• von dem trefflichen Johann Pompüry mit vieler Umsicht redigirten Blatter! (״Magyarorszag“ — Ult garuj, mit ersehe daraus, das! mein vieljähriger Freund, der wackere Redakteur, den Ruf der Zeit besser versteht, als die Leiter der altern Blätter. Hrn. Pvmpüry gebührt die Anerkennung, der erste gewesen zu sein, der in der netteste» FreiheitSepoche Ungarns die Stimme für die ungar. Znde» erhob.

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