Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 4 (25.1.1861)
- Date
- 1861-01-25
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2543023-2543028--1945-2545673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 eben und Römer hatten nämlich ihre Theater ihren Göttern gcwcihet und glaubten durch ihren orgiastischen Tanmel dem Bachuö oder DvonisoS einen Dienst zu erweisen, — so findet man daö vom R. Meir für seine antitheatralische Bestimmung im dichterischem Anödrucke gegebenes Motiv מפני שנלןברין יזע״א ganz historisch begründet (Vgl. Nascht zur Stelle). ES mochte übrigens der Umstand, daß die dania- (igcit Heiden zuweilen Juden und Judenthum auf der Bühne zur Zielscheibe ihre Witze machten, viel bcigetrageu, den damaligen Israeliten den Genuß des Theaters zu vcrleiden (Vgl. M. Rabb. zu Echa). Wie kömmt es aber, daß Rif, Nambam, Ascheri und Schulchan Aruch die Bestimm milng deS R. Meir gänzlich fallen ließen und ihrer gar nicht erwähnen? Daö hat auch einen geschichtlichen Grund. ES ist bekannt (Vgl. auch A. W. Schlegel'ö Geschichte der dramatischen Kunst), daß die Kirche, trotz ihrer ungestümen Opposition gegen daö Theater, den großen Hang der Menge für dasselbe nicht zu bewältigen vermochte; sie donnerte dagegen und daö Volk besuchte dennoch nach wie vor das Theater. WaS that sie unter solchen Umständen? Sie nahm das Heft selbst in die Hand; indem sie den ganzen vom Heidenthume entlehnten theatralischen Apparat umtaufle und umarbeitete, denselben zu ihrem eigenem KultuSzwecke verwendend. Bis zum sechzehnten Jahrhunderte wurden in ganz Europa kirchliche Dramen, Mysterienspiele ausgeführt; die Kirche stand mit dem Theater in enger Verbindung und fand in demselben gleichsam ihre Verkörperung; sie, welche die Bühne früher oerketzterie, batte unter Heinrich IV. von England bei Aufführung eines Mysteriums, das vier Wochen in Anspruch nahm, Jedem, der diesem Schauspiele ununterbrochen anwohnte, einen Ablaß zugesichert. Jst'S daher nicht begreiflich, daß Rif, Rainbant, Ascheri und Sch. Aruch in Jahrhunderten, wo daö antike heidnische Theater mit all seinem Schmutze auSgerotter war und ein anders an dessen Stelle trat, dessen Besuch identisch mit Kirchenbesuch war, diesen Gegenstand gänzlich mit Stillschweigen übergingen? Da jedoch seit dem sechzehnten Jahrhunderte die Bühne von der Theologie sich emanzipirie, und eine Anstalt wurde zur Förderung wahrhafter Bildung und reiner Humanität ist gewiß nicht nur kein Grund vorbaudeu, daß wir unS demselben entziehen, vielmehr haben nur besonders Ursache ihm unö dankbar zu erweisen; indem nach der richtigen Bemerknng Cebillers daö;Theater auch viel beitrug zur Beseitigung der religiösen Unduldsamkeit. Und dennoch verbot Magen Abrabam noch in der Mitte deS siebzehnten Fahr- Hunderts die Theilnahme an demselben, und wie bekannt erhielt in unsrem Jahrhunderte noch jeder Thalmndjünger in der Prcßbttrgerschnle, der das Theater besuchte ein Consilium nlu'nmli. Wir gehen nun zur Darstellung des religiösen Standpunktes rücksichtlich der Musik und deö Gesanges. Daß die biblische Zeit klang- und sangreich war ist bekannt; eö ist konstatirt, daß nicht nur religiöser Gesang und Klang in der vorthalmudischen Zeit, sondern auch profaner und weltlicher die reichste Pflege fand und es zum höchsten Flor brachte. Treffend drückt sich hierüber der edle Albert Kolm auö in seinem Artikel: ״die Musik bet den Juden." ״Mehr als ein Jahrtausend vor Athens Blnthe erklang Lied und Gesang zu Moses des göttlichen Mannes Zeit; mehr als ein halbes Jahrtausend vor Perikelö hat Salomo den Kultus nach seines königlichen Vaterö Weise auf Musik gegründet. Wem ist bei dem geringen auö der hebräischen Sprache in der heiligen Schrift unö aufbewahrtem Schatze die große Zahl der auf Musik und Gesang sich beziehenden Wörtern nicht ausgefallen?" WaS galten sie aber dem Thalmud, welche Normen und Bestimmungen finden sich in demselben über sie vor? Eine Mischna Ende Sota statuirt: משבטלה סנהדרין בטל השיר בבתי משתאות (der Sinn isi wahrscheinlich: mit der Auswanderung der Snh. ward der Gebrauch deö Gesanges bei den Weingelagen abgestellt.) Im Thalmud daselbst wird erzählt, Huna unterdrückte gänzlich den Gesang, da jedoch in Folge dieses Rigorismus alle Pulse deö Verkehrs in Stockung geriethen, sab sich Chasda dessen Nachfolger bewogen die Einschränkung HunaS aufzuheben. Thalm. Gitiu S. 6. berichtet: Ukba hatte den Trinkgesellschaften sowol Gesang als Instrumentalmusik untersagt. Nach Schulchan A. O. Eh. 060 ist Musik und Gesang gänzlich ans dem jüdischen Leben zu bannen, es sei denn sie werden alö Andachtömittel benützt. WaS war wol der leitende Gedanke hievon? Die Eommentatoren deö ThalmudS (Vgl. Sch. A. O. CH. das.) meinen: indem seit der Zerstörung Jerusalems im jüdischen Herzen auch die geringste Regung der Freude nicht aufkommen dürfe. Im Thalmud selbst findet sich mit Nichten dieser Entstehungsgruttd für die Enthaltung von Musik und Gesaug. Vielmehr läßt Thalmud Sota zur angeführten Misckma deutlich erkennen, daß alle die Prolsibitoria aus rein ethi sehen Rücksichten entstanden sind. (Man ygl. das. die Auödrücke ׳פי־יצוהא באש בנעירה Musik und Gesang entarteten in den Zeiten des Verfalles der Griechen und Römer ebenso wie daö Theater; man kennt die obszönen Fallns lieder und die ausgelassenen Gesänge der Römer; auch die Musik gestaltete sich so üppig-versührerisch, frivol-verlockend, daß sie anstatt ihrer Bestimmung gemäß edle Affekte wach zu rufen, nur Gier und Leidenschaft angefacht; die jüdischen Lehrer und Häupter, die Gefahren erkennend, die dem Volke durch den damaligen Mißbrauch der Musik und des Gesanges erwachsen, ergriffen daher in gewöhnter Weise die Vorsichtsmaßregel, Gesang und Klang gänzlich einzu-