Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 3 (18.1.1861)
- Date
- 1861-01-18
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Aittiromalltifehcs. 1. AnS Gründen, die nicht schwer zu crrathen sind, hatte ich die Absicht, den - übrigens nützlichen, ja gebotenen — Kampf mit der romantischen Reaktion vorläufig ruhen zu lassen, und denselben erst nach erlangter bürgerlicher Gleichstelliing im Interesse der Wissenschaft und deS Fortschrittes nieder ansznnehmen. Zn meinem Bedauern bin ich jedoch genöthiget, von diesem Borsatze abzugehen; die srcundlichen Veser d. Bl. dürfen jedoch versichert sein, daß ich mich in meiner Polemik gegen die Füchse im Weinberge dcS Herrn nur ans daS Nothwendigste beschranken werde. Heute habe ich dem Hrn. Lehmann, Rabb. der orthodoren Gemeinde zu Mainz, einige Worte zu sagen. Da Hr. L. zn den Wortführern der neuorthodoren Romantik gehört, so ist eS natürlich, daß sein affektirter Glaubenöeifer eben so groß ist, als seine Unwissenheit. Jenem wie dieser hat er in Rro. 31 deö ״Mainzer Israeliten" ein unrühmliches Denkmal gesetzt. Hr. L. erhitzt sich über meine Aeußerung, daß die Mischna Ieb. 1, 11. von der babil. Gemara das. -11. a. m i ß v er st a n d e n worden sei. ״Nein", sagt er, ״wir geben daS nicht zu!" Der gute Doktor will aber damit nur sagen: Wir, die Romantiker, die keine Icschiba vor sich gesehen, und niemals ״ein Blatt Gemara" gründlich ״gelernt" haben, wir, die reaktionären Idioten, geben daS nicht zu. Die Sachkenner haben daS, waö der närrische Ehassid in Mainz bestreitet, längst zugegeben und anerkannt! Hr. L. braucht nur die Borrede R a v o p o r t'S zum Erech Millin zu lesen, und er »vird sich überzeugen, daß folgende Autoritäten keinen Anstand nahmen, auSzusprechen, eö seien einzelne Mischna's von der babil. Gemara mißverstanden worden: R. Saadia Gaon, R. Chananel b. (LHnschiel, R. Nathan, Vers. d. Arnch, MaimonideS, R. Lipman Heller! (Lin im Jahre 1832 in Polen verstorbener Rabbiner, Menasse den Porath, hat die Fehlbarkeit der amoräischcn Mischnaerklärnng sehr entschieden ausgesprochen, und Rapoport'S Nachweise sind aus ״Ben Porath" S. 11, noch mehr aber ans ״he-Chaluz" 1, 56—65. 2, 58—60., wo eine ganze Reihe verfehlter Mischnaanslegungen nachgewiesen ist, zu bereichern. Bon dem, was in neuerer und neuester Zeit in Deutschland über das Berhältniß der gemarischen Mischna-Hermenentik zur Mischna gesagt wurde, sehe ich hier ganz ab; das Gesagte reicht hin, dem Hrn. L. zu beweisen, daß er von dem Gegenstände, über welchen er schreibt, gar nichts versteht. Leider hat er in dem fraglichen Artikel aber auch seine angebliche Orthodorie und seinen Respekt vor dem Thalmnd aus eine so arge Weise kompromiltirt, daß eö mir schon in Rücksicht auf den Ruf deS frommen Redakteurs nothwendig scheint, denselben auf den rechten Weg zurückzusühren. Hr. Lehmann hat nämlich romantischen Muth genug, um gegen meine — übrigens einzig richtige — Erklärung der Mischna Ieb. 1, 11. mit einem lächerlichen Pathos zn protestiren. Er leitet aber seinen Protest mit den Worten ein, ״daß in unseren h. Schriften kein Wort umsonst gebraucht wird." Die Mischna gehört also zu den heil. Schriften! Bon der gediegenen theologischen Kenntniß, die sich hierin ausspricht, will ich schweigen. Was wird aber die Orthodorie dazu sagen? Die alten Weisen lehren:! ״Wer mehr denn 21 Bücher (der Bibel) in sein HauS!bringt, bringt Verwirrung (מהומה) in sein HanS (Rabba l zn Koh. 12, 12.). Die Mischna war unmittelbar nach? ihrer Schlußredaktion nicht schriftlich vorhanden; nach der : thalmnd. Auffassung durste sie gar nicht anfgezeichnet wer- ' den (Gitt. 60, 6.). Und dennoch zählt Hr. L. die Mischna zn den heil. Schriften! Oder fürchtet er die בלהונלה nicht , mehr, weil die Romantik an sich schon eine מהומה ist? Fast scheint eö so; mindestens weiß ich in diesem Angenblicke , keine passendere hebräische Bezeichnung für die nenorthodore Romantik, als: נלהונלה! Aber in dem vorliegenden Artikel ist die ״Mehnma" gar zn groß. Hr. L. erhebt wegen einer wirklich sehr unschuldigen Mischna-Erlänterung entsetzliches Geschrei, läßt aber unangefochten gelten, daß ״bei den perfischen Lehrern polygamische Berirrnngen Vorkommen (B. Chan. III, 537)"! Wie durften Sie, lieber Hr. L., hierzu schweigen? Warum haben Sic dagegen nicht protestirt? Warum unterließen Sie eö, die von mir angezogenen Thalmndstellen zu übersetzen und zn vertheidigen? Ich ermahne Sie frcnudschaftlichst, Ihre rationalistischen Berirrnngen aufzuheben, weil ich mich sonst genöthigt sehen würde, Sie für einen Erzketzer zu erklären, und Salom. Kluger in Brody auf Ihre rationalistische Wühlerei aufmerksam zu machen. Nichts alö rationalistische Wühlerei ist es ferner, wenn Hr.! L. ״unsere heutigen sozialen Zustände" und den הרם דר״ג identisizirt. Wären unsere heutigen sozialen Zustände im eilften Jahrhundert vorhanden gewesen, so hätte N. Gerschom; nicht nöthig gefunden, die Polygamie mit einem Interdikte zu belegen. Hr. L. setzt sich hoch zn Roß, um für die persischen Lehrer eine Lanze zu brechen. Nun will ich von dem abstra- > hiren, waö Rapoport schon 1829 über die persischen Schn- Zen gnellengemäß gesagt hat *), und Hrn. L. nur darüber be-! lehren, daß MaimonideS die Resultate dieser Schulen nicht! selten fallen läßt, um älteren Quellen zn folgen: Jad Mal. j 2, 126. Nr. 9. 127. Nr. 33. Dieö hängt allerdings mit der! theilweisen Opposition deS Mischna Thora gegen die Jnlegri- ' tat deö Thalmnd zusammen; aber diese Opposition selbst beweist, daß die Dinge bei Weitem nicht so stehen, wie die! Romantik träumt. Nichtsdestoweniger erkenne ich bereitwillig!an, daß die besondere Sympathie der Romantiker für jene!Schulen ihren guten thalmudischen Grund hat; denn Sabb.! 115, 6. ist zn lesen: מ״כז ת״ה שבבבל מצוינים? לפי שאינן בני תורהו und in den Abschnitten R. Nathan'ö 28. steht:!ואין לך חנופה כחנופה של בבל. Daher die besondere! Vorliebe! ' Das, waö ich (B. CH. III, 538.) über Joma 13, a. sage, hat Hr. L. nicht verstanden; nicht R. Jehuda, sondern der Makschan א"כ הוי ליי שני בתים ist der U r hebe r der Diskussion, dem die Beschränkung deö Hohenpriesters auf die Einehe nicht bekannt war. Der Mainzer Ehassid faselt von ״Spott"; nun so übersetze er die bezügliche Diskussion für seine Leser! Daran verhindert ihn aber sein schlecht verhehlter Nationalismus. ד K. Ehcm. 1,84.: שכבר הרחיקו בבבל מן הדרך והרבו מאוד בהוייות דאביי ורבא ע״ד פלפול הרש. (Sa»h. 24, a. Pcß. 34, b. Nach leererem Zitate ist K. t5h. das. 85. zn korrigiren), womit Nathan'ö Biogr. S. 03. zu vergl. ist. Bergt. Nedar. 38, a.