Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1861-01-18 · 3 (18.1.1861) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
3 (18.1.1861)
Date
1861-01-18
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543023-2543027--1938-2545664
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

oder Nichtsein eines LandeSrabbinateS nach allen Seiten hin, zn erörtern, und wir hoffen, cs werden bald die Stinnnen aus unserem Lande Darüber sich vernehmen lassen. Schulwesen. ll. Die Nachstmidm an jüdischen Volksschulen. 3n11׳ Ad. (Stdjbcrfl, Rcalschnllchrcr in Gr.-Kanischn. In einem Journale begegneten wir letzthin einen Aufsatz deS geehrten und wolvernannten Hrn. Löwy von hier, in welchem er manche Bedenken über die Zweckdienlichkeit der Korrepetitionen an Schulen erhebt, und ans verschiedene Nachtheile, die damit verbunden sein sollen, hinweiset; der Möglichkeit jedoch Raum lassend, hierüber eines Bessern belehrt werden zu können. Die Absicht ist gewiß edel, und der gedachte Aufsatz ruhig und allgemein gehalten. Da eö aber gleichwol das Ansehen haben könnte, eö habe ein diesfälliges Vorgehen an der hiesigen Schule den Impuls zn dieser Rüge gegeben; so finde ich mich, als innerhalb dieser Schule stehend, zunächst veranlaßt, eine Beleuchtung über den fraglichen Gegenstand, auf Grund einer langjährigen Erfahrung zu versuchen, die Hoffnung hegend, daß die nachstehende Erörterung nicht ohne allgemeines Interesse für Lehrer und Schulfreunde sein dürfte. Ohne uuö strikt au die in dem angezogenen Aussatze > befolgte Ordnung in! Vorträge der theilS durch Fragen angedenteten, theilS entschieden ausgesprochenen Nachtheile' zu halten, soll doch jeder derselben an die Reihe kommen. 1. ״Diese Vermehrung der Unterrichtsstunden schadet der sisischen Entwickelung der Kinder." Hierauf erlauben wir unS zu erwidern: In keinem Falle kann ein Schulkind dem Schicksale entgehen, die zur Ausarbeitung und Erlernung der Ausgaben erforderliche Zeit, wenn nicht in der Korrepetition, so doch zu Hanse am Lerntische znbringen zu müssen. Zudem ist eö ja häufig der Fall, besonders in großen Städten, daß Kinder wohlhabender Eltern noch eine Sprach- oder Musikstunde, wol auch beide nehmen, ohne daß man dies für Ueberbürdnug hielte, und man scheuet die Stubensitzerei nicht, obschon diese Kinder nicht die freie, gesunde Luft, wie die ans dem flachen Lande, genießen. — Wenn aber Hr. L. zur Erhärtung obiger Be- Häuptling von ״Einpferchen" und ״engen Räumen der Schullokalitäten" spricht, so will er durchaus nicht unsere Schulzimmer gemeint haben, von denen einige je 20 Quad.-Klft. Bodenfläche, andere nicht viel weniger haben, und 13 Fuß hoch sind; so daß selbst in einer ziemlich stark besetzten Klasse an 156 Kub.-Fnß Luftraum auf einen Schüler kommen. 2. ״Dieser Privatunterricht sei verkürzend für die Nichttheilnehmenden*)". Dagegen haben wir zu bemerken: Gibt cs unter diesen begabtere alö die Theilnehmenden, welche gewöhnlich die schwächer» sind, so werden eben als Folge dieses Privat- Unterrichtes, jene durch diese nicht znrückgehalten, und daö Niveau deS Fortschrittes kann um so allgemeiner sein. Fehlt cS aber einem Kinde armer Herkunft an Talent oder Selbstthätigkeit, so ergeht eö ihm leider auch hierin, wie in so vieler anderer Beziehung außer der Schule — so der Lehrer nicht auöhilst. 3. ״Sei daö Honorar für die Korrepetition zu hoch angesctzt." Dasselbe ist aber, wenigstens an unserer Schule im Vergleiche zu dem an den hiesigen nicht-jüdischen Schulen in mancher Klasse um die Hälfte, in mancher um zwei Drittel geringer. 4. Die Frage: ״Ob dabei die Zeit pünklich eingehalten, und ob die Gewissenhaftigkeit der Lehrer dabei beobachtet werde", wüsten wir dem zu Be- und Verantworten überlassen, der sich dadurch getroffen fühlt. Im Uebrigcn verhält eö sich damit, wie überall, wo ein Institut au sich recht gut sein kann, durch die Pstichtversänmniß den Träger derselben jedoch nicht die mit Recht erwarteten Erfolge zu Tage gefördert werden. — Zur Verhütung solchen Mißbrauches sind die Schuldirektoren von der obersten Schulbehörde angewiesen, auch diesen Privatstunden ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Hieraus en p>u88nnt die Bemerkung, daß seitens der h. Schulantoritäten die Korrepetitionen an Schulen förmlich gebilligt sind. So weit nun über die vermeintlichen Nachtheile der Korrepetiton. Dock) dieselbe gewährt anch positive Vortheile, daher wir nun deren einige Nachweisen wollen. Minderfähige Kinder, sowie unfleißige, würden, ohne die ihnen in der Privatstunde werdende Nachhilfe, entweder gar nicht, oder nur höchst unvollkommen den bessern Schülern nachzukommen vermögen, und daher manche Klasse repetireu müssen, oder sie würden, ohne sich jenes Maß von Kenntnissen, daö die Schule gibt, angeeignct zu haben, dieselbe verlassen. Und daö ist cS auch, worin die Eltern solcher Kinder den eigentlichen Beweggrund finden, diese die Nebenstnuden besuchen zu lassen. Wol würde der reiche Vater eines im Lernen der Unterstützung bedürftigen KindcS sich Rathö wissen, wenn auch solche Sammelstunden von den Schullehrern nicht gehalten würden; aber kommt eö dem sogenannten Mittelstände nicht gm zu statten, mit weit geringer« Kosten dasselbe zu erzielen? Ferner: An Schulen von bedeutend großer Schülerzahl kommt dieser Privatunterricht, so nur der Lehrer die Sache mit richtigem Takt handhabt, der ganzen betreffenden Klasse zu Gute; indem eö dadurch möglich wird, bei jenen Lehrgegenständen, wo man so viel als thnnlich, jeden einzelneu Schüler hören, oder üben lassen muß, beim öffentlichen Unterrichte, gerade diejenigen mehr zu berücksichtigen, welche den Privatunterricht nicht mitgenießen. — Endlich sind diese Nebenftunden an jenen Schulen, die häufig von fremden Kindern besucht werden — wie solches hier stets der Fall ist — von wahrem, erheblichem Nutzen für den ungestörten Fortgang des Unterrichtes, da diese Kinder durchweg nie und nimmer in sämmtlichen UnterrichtSgegenständen berjenigen Klasse, für die sie mancherseitS doch bestimmbar wären, vorbereitet sind. Hiezu kommt noch, daß nur Wenigen unter ihnen seitens ihrer Kostgeber die für den häuslichen Fleiß erforderliche Aufsicht zu Theil werden kann. ד ®aruutci sind nicht blo* arme Kindcr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.