Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1861-01-18 · 3 (18.1.1861) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
4 (1861)
Issue
3 (18.1.1861)
Date
1861-01-18
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2542917-2543023-2543027--1937-2545663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

19 Gemeinde- und NabbLnatsweserr. 1. Das mährische ^andesrabbinat. Tie Zeit rer Provisorien soll tu Oesterreich mm zu (Snte;zehen, mit einem definitiven, geregelten Fortschritte Platz zu machen. Nun aber best üben siel) die Zustände der mährischen Fudenheic in einem zehnjährigen Provisorium, welches alle Fehler, die man geivöhnlich den Provisorien mit stecht zuschreibl, in sich vereinigt, und wo möglich noch überbietet. Wir meinen: daS provisorische Landesrabbinat. Als vor zehn Fahren Hr. Hirsch, die Undurchführbarkeit seines romantisch-retrograden Svstemes in unserem Lande etnsehend, eine retrograde Bewegung nach Frankfurt gemacht, und die h. Statthalterei die Deputirten der mähr. Gemeinden zur Besprechung über die provisorische Besetzung deS vakanten Postens eingeladen hatte, gaben diese nach den zwei Kreisen, in welche damals unser Kronland in politischer Beziehung getheilt war, auch zwei verschiedene Vota ab. Tie Deputirten des Olmützer Kreises sprachen sich energisch gegen die Wiederbesetznng des Postens überhaupt ans. Die wiesen unter Anderen darauf hin, das! in allen übrigen Ländern das Fudenlhum auch ohne ein Landesrabbinat ebenso gut als in Mähren bestehe, das; die Bevorzugung Mährens in dieser Beziehung eine sehr fragliche, von höchst Zweifel- Hafter Natur sei; da doch in keinem Kronlande so viele Kollisionen Vorkommen, als in Mähren zwischen den Landes-- ra'obinen und den Gemeinden re. re. Die Deputirten deS Brünner Kreises konnten sich zu dieser höheren Auffassung wo! nicht erheben. (Rieht zn verkennen war hierbei der Ginsins! der Brünner Israeliten, welche die Verlegung des Landesrabbinates nach Brünn erroarteten, ivodureli ihiteu die Akquisition eines ausgezeichneten MauueS für ihren vakanten Rabbinatoposten mit geringern Geldauslagen, und eben hierdurch die Hegemonie über die Landgemeinden ermöglicht werden konnte.) Obwol im Prinzipe also mit den Olmützern nicht übereinstimmend, sprachen sie sieh doch nicht minder energiuh gegen eine provisorische Besetzung des Postens aus. Die, ihrerseits, toieseu nach, welche Nachtheile die provüochche Verwaltung des Amtes bringe, das! kein tüchtiger Manu zur ilebernahine eines Provisoriums mit betchränktem Wirkungskreise sich herbeilassen werde, das! demnach nur iingeeignete Männer darnach greisen dursten, von denen!nieder nur ungeeignete und ungenügende Leistungen zu erivarlen seien; k. re. Die statthalterei jedoch, dem Provisorium günstig, machte eine^eigenthümliche Schwenkung, mit zum Ziele zu gelangen. eie erklärte: Da die Deputirten, theils gegen die Wiederbesetzung überhaupt, theils gegen die provisorische Besetzung des Amtes siimmteu, so werde dem Willen Aller hiedurch willfahrt, das! die dem Landesrabbiner zustelieuden Funktionen einstweilen dem Rabbiner zu Bvskvwitz übertragen werden. Do bekamen wir gegen den offenbaren Willen aller Deputirten Etwas, das noch weniger als ein Provisorim» war. lind diese Viertelwirthschaft, diese einstweilige Leitung dauert bereits zehn Fahre! Tau in diesen zehn Faljren nur!veuig oder gar Nichts ge- >elnu wurde, «es iväre denn in negativer Richtung das nothgedrungene Fallenlasseu der hierarchischen Zentralisationögelüste Hirsch's, weil die Trauben schon diesem zu hoch hingen, und daher satter sein mußten, und in positiver Richtung, der Vorschlag einer unabänderlichen Bibelübersetzung für unsere Dchuleu!) das! keine Rabbiner-, keine Lebrer-Konferenzen zur Hebung deS Schuluud Genteindewesens abgehalten wurden; das! die Vertretung nach Außen und nach Oben weder kräftig noch achtungeinflössend war, wer konnte es von dem nur einseitig thalmudisch gebildeten, seiner wenig fertigen Sprache und Aussprache sich bewußten Mannes anders und besser erwarte»? Daß )vir in Mähren zehn Fahre hindurch diesem Minus provisoritun stille Zusehen, ist hier zu beantivorten nicht ganz der Ort, und dürfte zur Erklärung auch hinreichen, wenn wir sagen, daß wir mit der Hoffnung uns vertrösteten, die Gemeinden Nikolsburg oder Brünn werden über kurz und lang doch einen nach allen Setten hin entsprechenden Mann auf den bei ihnen vakanten Rabbiuatssitz berufen, der dann das Landesrabbinat definitiv zu übernehmen geeignet sein dürfte. Allein Nikolsburg scheint sein, Jahrhunderte behanpteteS, Primat aufgegeben zn haben, und Brünn, die jüngste Gemeinde, wollte auch den jüngsten Rabbinen Mährens haben, und wählte hierzu den Sohn des provisorischen Landesrabbiners, gerade als wenn es dafür gesorgt haben wollte, daß dem Vater sein Amt nicht entwunden werden sollte. Doch von der Vergangenheit ist jetzt die Rede nicht, vielmehr von der Zukunft; mau fragt sich jetzt allgemein: Was soll nun geschehen? Diese Frage hat um so mehr Berechtigung, als die Zeit eine vielfach bewegte ist, in welcher alle Interessen eine kräftige Vertretung suchen und die Interessen des JudentbnmS eine um so würdigere, kräftigere Vertretuug erheischen, als die Vertreter desselben leider noch immer dessen Vorkämpfer und Verfechter sein müssen. Sollte dem geistlichen Oberhaupte der mährischen Judenschaft nicht, wie einst dem Landesrabbiner Hirsch, Sitz und Stimme int mähr. Landtage gegeben werden können? Und kann der Mann, der jetzt als geistliches Oberhaupt angesehen wird, den übrigen Landesabgeordneten würdig zur Seite, oder gar, wo es sich um Abwehr und Vertheidignng handelt, würdig und kräftig entgegen stehen? Selbst seine speziellsten, persönlichen Freunde, und wir gehören selbst zu diesen, müssen hierauf mit ״Weitt" antworten. Es handelt sich hier nicht um persöuliche, souderu um allgemeine Landes- und Volksinteressen, und diesen gegenüber müssen alle persönlichen Beziehungen außer Acht gelassen werden. Der Ariadnefaden, aus diesem Labarinthe hrrausznführen, ist ein einfacher Vorschlag, der nach unserer Meinung in der Seele der meisten Israeliten Mährens schon lange als pinn! desideratm vorhanden ist, nämlich: die Gemeinden mögen baldigst bei der hohen Statt- Halterei, mit Hinweisung attf die Beschlüsse der israel. Landes-Deputirten vom Fahre IH50 um die Aufhebung des Provisoriums, und entweder wie die Deputirten des damaligeit Brünner Kreises, um die baldigste definitive Besetzung des Landesrabbinates mit einem aus der Wahl bervorge gaugenen Manne, oder gar, wie die Deputirten des dainaligen Olmützer Kreises, mit die gänzliche Abrogirung des Landesrabbinates petitioniren. Wir!vollen l'ier den Gemeinden nicht unsere subjektive Ansicht über den einen oder den andern Vorschlag aufdrängeu; aber )vir halten es für Fine Ausgabe der jüdischen Presse, die Frage über das eeiu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.