Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 4 (1861)
- Issue
- 2 (11.1.1861)
- Date
- 1861-01-11
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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11 wirklich ihrer Freisinnigkeit und ihrer munizipalen Autonomie ein ehrendes Denkmal gesetzt, wenn sie sich über die fakultative Beschränkung deö 23. G. A. hinauSgesetzt und dieselbe desavouirt hätte. Gewiß, theuerer Bruder, ist mit unseren UebergangSzuftänden mehr denn Eine Anomalie verbunden; aber die Anomalie aller Anomalien ist eine ReligionSverfolgung in einer großen Stadt, welche die wissenschaftliche und publizistische Elite einer edlen, freisinnigen und fortschreitenden Nation zu ihren Einwohnern zählt. Eine Religionsverfolgung! Dies ist die einzig richtige Bezeichnung für die Ausschließung der Juden. Denn der Jude, der sich mit einem Taufscheine ausweist, erfährt ja keine Beschränkung mehr!! Nun ist es allerdings wahr, daß die Geschichte unseres Vaterlandes, gleich der anderer Länder, nickt wenig von Religionsverfolgungen zu erzählen hat. Im eilften Jahrhundert wurden die Anhänger des alten nationalen Nalurkultus verfolgt, wofür sie sich ihrer. seitS durck Verfolgung der Christen zu rächen suchten, bis sie, von König Bela I. getäuscht, im Jahre 1062 bei Stuhlweißenburg theilö niedergemetzelt, theils zu Sklaven gemacht wurden. Die Verfolgungen, welche die Protestanten in Ungarn im 16., 17. und 18. Jahrhunderte erlitten haben, sind hinlänglich bekannt, und man braucht eben kein sehr gründlicher Kenner unserer vaterländischen Geschichte zu sein, um zu wissen, daß der Wiener (23. Juni 1606), Linzer (16. Sept. 1645), und Szathmürer Friede (1. Mai 1711) nicht zu Stande gekommen wäre, wenn die Proteftanten ihre Forderungen nicht mit einer sehr respektabeln materiellen Gewalt unterstützt hätten, und den Juden steht eine solche Gewalt nicht zu Gebote; dafür ist aber im 19. Jahrh. das Wort auch eine Gewalt, und die öffentliche Meinung des konstitutionellen Europa's eine noch größere Gewalt. Für dieses Europa gibt es aber nichts Schauderhafteres als — Religionsverfognng! Litemr-Mansche Leiträge. Von Leop. Lukes '). (Schluß.') 1. R. Samuel b. Jakob. Die Ueberschrift der in Rede stehenden Zusätze lautet, wie folgt.׳ זה החבור אשר חבר רבנא שמואל הרד המופלא הגאון המעולה בן כד הרב המובהק פטיש ההזק מד ורב׳ יעקב אב״ד דל הדיין שבאקבאס שמי צד המכונה גמע ופירושו אגור חבור על ס׳ הערוך אשר חבר מד והבי יחיאל זצ״ל איש רומי רבתי. Die Worte: המד גמע ופי׳ אגור beziehen sich, dem ersten Anblicke nach, auf den Verf. dieses Buches; sie können sich aber auch auf das Buch selbst beziehen. Nicht minder könnte angenommen werden, der Verf. sei nach diesem Buche genannt worden, ohne daß der angeführte Name der Name seiner Familie gewesen wäre. Der Kopist der Neberschrift hat sich nicht sehr klar ausgedrückt. Daß des Autors Name wirklich גמע war, ist an sich nicht unwahrscheinlich; ein Mann kann ebenso גמע heißen, wie Rosenthal oder Blumenfeld. Das Auffallende wäre nur, daß ein Familienname hebräisch übersetzt sein sollte. Wir haben dafür kein anderweitiges Beispiel gefunden. Bedenkt man, daß der alte Kommentator deS Pijjut ארעא רקדא, der Bruder des Verf. von Schibole Ha-Leket, — worüber wir einige Worte im Ozar Nechmad 2,199. mitgetheilt — den Namen גמע nicht anführt, indem er unfern Samuel nennt; so wird man sich zu dem Schluffe berechtigt sehen, daß nicht der Verf., sondem daö Buch גמע genannt wurde. Aus den Worten des obenangeführten Pijjut-KommentatorS scheint hervorzugehen, daß der eigentliche Titel des WerkchenS אלך המגן war. In dem Werke Mikdasch Meat v. MoseS R i e t i kommen mehrere Samuel vor; jedoch ist keiner derselben so bestimmt charakterisirt, daß Rieti'S Worte auf unfern Autor bezogen werden könnten. Der Styl deö in Rede stehenden Werkes erinnert indes an die französische Schule, und dieser Umstand führt uns zu der Annahme, daß das א קבס die Stadt Air in der Provence sei, welche im Lateinischen deS Mittelalters ^gua Sextia hieß, woraus in der Zusammenziehung Aquas entstehen mochte. Ist diese Voraussetzung richtig, so wäre es denn doch unwahrscheinlich, daß ein Franzose seinem Buche einen arabischen Titel gegeben haben sollte. Man müßte daher aunehmen, daß גמע dem französischen gemeau (Zwillinge) entspreche, und das Buch diesen Namen erhalten habe, weil es von dem Verf. mit dem Aruch zusammengepaart und vereiniget wurde. Die Uebersetzung deö Kopisten (אגור) wäre dann freilich nur in einem allgemeinen Sinne gegeben, denn wörtlich müßte es תאומיס heißen. Man hat bereits bemerkt*), daß das Zeitalter unseres Autors in das Jahr 1297 zu setzen sei, weil die Worte (שמ (רהו) צו (רו beim Kopisten Vorkommen. Dies scheint uns daö Richtige zu sein. Da eine Kopie deö Merkchens von יקותיאל מבית אל . ... für נתן . . מן הכנסת geschrieben wurde; so bemerken wir: בית אל ist ״Chaise Dieu“, oder ״Casa Dio“. Meh- *) Ztschr. d. D. M. G. 1858. S. 145. Es ist das. auf die! Oz. Nechmad angeführten Worte keine Rücksicht genommen. ר S. Nr. I, S. 2.